- Ulli Lust: Die Frau als Mensch – Am Anfang der Geschichte. Sachbuch / Comic, Bibliothek. Lust zeigt ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen als Frau auf, wie sich die Menschheit entwickelt hat und welche Rolle dabei vor allem die Frau spielte. Dabei weist sie ausführlich auf den Vulven-Darstellungen in diversen Höhlen und die Venus-Bildnisse hin. Soweit ja ein hehres Anliegen, aber das Buch hat keinen roten Faden und verirrt sich zwischendrin thematisch (zum Beispiel zum Fracking in Botswana…). Außerdem haben mich die Zeichnungen nicht so angesprochen, überdies ist es schwer zu lesen, weil die Schrift so winzig ist. 3,5/5.
- Eric H. Clive: 1177 v. Chr. – Der erste Untergang der Zivilisation. Sachbuch, Bibliothek. Clive betrachtet die verschiedenen Kulturen des östlichen Mittelmeerraums zur Bronzezeit (z.B. Ägypter, Assyrer, Hethiter, Kanaaniter etc.), die politisch und wirtschaftlich eng miteinander vernetzt waren. Was führte zum Untergang dieser Reiche? Er arbeitet heraus, daß es nicht den einen auslösenden Faktor gab, sondern daß verschiedene ungünstige Umstände wie Erdbeben, Dürren, Immigration/Invasion und Krankheiten zusammenwirkten. Sehr interessant, vor allem auch in Hinblick auf alles, was ich dieses Jahr über die Aunjetitzer Kultur und die Himmelsscheibe von Nebra gelesen habe. 4/5.
- Ulli Lust: Die Frau als Mensch, Teil 2: Schamaninnen. Sachbuch/Comic, Bibliothek. In diesem Buch erzählt Lust, wie sich (vielleicht) die Vorstellungen von Jenseits, Tod und Reinkarnation bei den Menschen vor ca. 30.000 Jahren ausgeprägt haben, die ja noch keine Ahnung von Bakterien, Viren etc. hatten. Anders als Teil 1 hat dieses Buch mir sehr gut gefallen – ich fand es stringenter und auch in seinen spekulativen Anteilen interessanter und nachvollziehbarer. 4-4,5/5
- Adam Johnson: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do. Roman, Bibliothek. Nordkorea: der Waise Jun Do arbeitet zunächst als Kämpfer in den Tunneln im Bereich der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, später als Entführer von Ausländern, dann als Nachrichtenabfänger auf einem Fischkutter. Durch eine Verkettung absurder Umstände schließlich gelangt er als Botschafter nach Texas, wo es ihm gelingt, Kontakte zur CIA zu knüpfen. Wieder in Nordkorea, landet er in einem Strafarbeitslager, wo er den Kommandanten Ga tötet, der mit der Schauspielerin Sun Moon verheiratet war, die Jun Do als Tattoo auf der Brust trägt. Wiederum ermöglichen es ihm absurde Umstände, den Platz Gas einzunehmen und Sun Moon und ihren Kindern zur Flucht in die USA zu verhelfen. Mir hat das Buch nicht gefallen. Es ist von Anfang an klar, welches Ziel Johnson verfügt, und das macht er nicht eben subtil 700 ermüdende Seiten lang. Wenn man sich einmal daran abgearbeitet hat, daß alles aburd und irre ist, zieht sich die Lektüre daher sehr in die Länge. Interessant, wofür man den Pulitzer-Preis bekommen kann. 1,5-2/5.
- Iris Chang: The Rape of Nanking. Sachbuch, Bibliothek. 1937 erreichte die kaiserliche japanische Armee Nanking, die damalige Hauptstadt Chinas. Was folgte, waren sechs Wochen reinsten Terrors, in denen rund 300-400.000 Chinesen auf bestialischste Weise getötet und vergewaltigt wurden. Chang, selbst Nachfahrin einer Familie, die in Nanking erhebliche Verluste erlitten hat, zeigt auf, warum sich die Japaner so grausam verhielten, worin ihre Taten bestanden, welche ausländischen Beobachter den Chinesen zur Hilfe eilten und daß die Japaner bis heute systematisch das Massaker in Nanking leugnen und keinerlei Reparationszahlungen geleistet haben. Ein wichtiges, aber kein schönes Buch. Enthält drastisches Bildmaterial. 4,5/5.
- Jörg H. Trauboth: Jakobs Weg. Krimi, gebraucht gekauft. In einem Elite-Internat werden die Zöglinge vom Internatsleiter und seinen Gästen mißbraucht. Zwanzig Jahre später brechen acht Personen auf Einladung eines ominösen Mannes auf, um den Jakobsweg zwischen St. Jean und Burgos zu pilgern. Ihnen wird versprochen, daß sie brisantes Filmmaterial erhalten werden, daß sie bei sexuellen Handlungen im Internat zeigt, wenn sie ihr Ziel erreichen, doch schon bald gibt es die ersten Tote. Nach und nach entwirren sich die Fäden… Die Idee fand ich gut, die Umsetzung nicht so. Der Schreibstil ist unbeholfen und hölzern und durch den ständigen Perspektivwechsel wirkt alles etwas wirr. 2/5.
- J. Todd Scott: Weiße Sonne. Chris-Cherry-Reihe 2. Thriller, Bibliothek. Nach dem Tod Sheriff Ross‘ hat der neue Sheriff Chris Cherry einige Deputies eingestellt, unter anderem auch Ameria Reynosa und den altgedienten Ben Harper. Als eine Familie von Neonazis im kleinen Ort Killing auftaucht und der Sohn eines mexikanischen Kartellbosses in einem Nissan aufgegriffen wird, werden Ereignisse in Gang gesetzt, die niemand absehen konnte. Am Ende muß Cherry sich entscheiden: agieren oder reagieren? Gefiel mir besser als Teil 1. Insbesondere die Schilderungen der Wüste und der Charaktere, die in ihr leben, fand ich sehr gelungen. Der Plot war jedoch einigermaßen vorhersehbar. 4/5.
- Barbara Tedlock: Die Kunst der Schamanin. Sachbuch, Bibliothek. Tedlock, ihres Zeichens Anthropologin, wurde in Guatemala in traditionellen Schamanismus initiiert. In ihrem Buch beschreibt sie, daß Schamanismus zuunrecht als etwas gilt, das Männern vorbehalten ist (mich verwunderte diese Aussage, weil ich das so offensichtlich fand, aber gut), und geht darauf ein, inwiefern Menstruation, Geburt und die Fürsorge für einen Säugling typisch weiblich-schamanische Aufgaben sind. Auch erklärt sie, inwiefern sich weiblicher und männlicher Schamanismus voneinander unterscheiden und welchen wichtigen Stellenwert „zweigeistige“ Menschen im Schamanismus einnehmen. Ein gutes Buch. 4/5.
- Guido Kleinhubbert: Düstere Geheimnisse – Was mysteriöse Fundstücke über die deutsche Vergangenheit verraten. Sachbuch, Bibliothek. In vielen kleinen Kapiteln präsentiert Kleinhubbert interessante, verstörende, zum Teil auch absurde und lustige Gegenstände und stellt einen Bezug zu ihrer Verwendung und Geschichte in der Vergangenheit her. Da gibt es zum Beispiel ein Trinkglas aus dem 19. Jahrhundert, mit dem eventuell das Blut gerade Hingerichteter aufgefangen wurde, dem eine gewisse Heilkraft bei Epilepsie zugesprochen wurde. Oder Fundstücke wie Münzen, Knochen und Dokumente, die in Turmkugeln geborgen wurden. Sehr interessant, aber das ganze Buch hat auch einen gewissen Ekelfaktor 🙂 Leider gibt es keine Bibliographie. 4/5.
- Brit Wilczek: Autismus, Trauma und Bewältigung – Grundlagen für die psychotherapeutische Praxis. Sachbuch, Bibliothek. Wilczek beschreibt die Herausforderungen, denen Autisten bereits vor ihrer Geburt ausgesetzt sind, das Unverständnis des Umfelds, das oft mit Verwirrung und Ablehnung auf die sensorische Überforderung reagiert, und das Befremden, das zwischen Autisten und NTs besteht und immer bestehen bleibt. Sie zeigt auf, daß Autisten besonders gefährdet dafür sind, traumatisiert zu werden, daß sie aber auch ganz besondere Mittel und Wege haben, sich einen unversehrten Kern zu erhalten und zu heilen. Sie grenzt kPTBS und Autismus gegeneinander ab und zeigt auf, wie eine Therapie gelingen kann. Tolles Buch, hat mich total abgeholt. 5/5.