Buchclubs – abschließende Gedanken

Nach meiner Enttäuschung mit meinem ersten Buchclub hatte ich beschlossen, dem zweiten Buchclub noch eine Chance zu geben. Wir hatten mittlerweile neun Bücher gemeinsam gelesen (meist seichten Kram), als ich mein Buch aussuchen durfte. Ich wählte „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte. Zum einen stand das Buch schon lange auf meiner Leseliste, zum anderen wählte ich es auch deswegen aus, weil es versprach, eine Menge Diskussionsstoff zu bieten.

In der zweiten Gruppe sind wir acht Leute. Drei sagten direkt, daß sie das Buch nicht mitlesen würden, also wären wir zu fünft gewesen. Eine Teilnehmerin gab zweimal Laut, daß sie angefangen hätte, das Buch zu lesen. Eine andere las ungefähr bis Kapitel 3, schwieg danach. Der Rest sagte gar nichts dazu und ich weiß nicht einmal, ob sie angefangen haben, das Buch zu lesen. Bei der vereinbarten Lesegeschwindigkeit hatte ich mich komplett rausgehalten und die anderen hatten angegeben, ihnen sei ein Kapitel pro Tag recht. Nach einer Woche bestand die Diskussion zu dem Buch eigentlich nur darin, daß ich meine Gedanken zu den jeweils gelesenen Kapiteln in der Gruppe postete und darauf meist keine Reaktion erhielt. Während ich Kapitel 8 las, fragte ich mich, wozu ich mir das eigentlich antue. Ich lese normalerweise schneller, hatte mich aber gebremst, um bei einer Diskussion alles frisch im Kopf zu haben, nur daß diese eben nicht stattfand. Das Ganze entpuppte sich also als völlig witzlos, so daß ich entschied, die Leserunde abzubrechen. Nun kann ich das Buch in meinem Tempo beenden und ich gehe davon aus, daß ich kein Gegenüber brauche, um es zu ergründen.

Für mich ist damit die Sache mit den Buchclubs endgültig gestorben, was ich schade finde. Ich glaube nach wie vor, daß es viel Freude machen kann, sich über gemeinsam gelesene Bücher auszutauschen, insbesondere dann, wenn man sich darüber einig ist, daß man tief eintauchen möchte, z.B. durch zusätzliche Recherche, weiterführende Literatur und Diskussionen. Ich hätte es auch schön gefunden, zum Abschluß noch die Verfilmung des Buchs zu gucken und zu besprechen, und wäre auch offen gewesen für andere Aktionen, vielleicht Kunstprojekte, das Ausprobieren bestimmter Speisen/Getränke, die in Verbindung zu einem Buch stehen, oder ähnliches. Ich denke, man könnte da sehr kreativ werden und aus so einem Buchclub eine coole gemeinsame Erfahrung machen.

Mir drängt sich aber der Eindruck auf, daß es mit Buchclubs ähnlich ist wie mit anderen Subscriptions auch: viele Leute brauchen einen „Vortänzer“, der Dinge an ihrer Stelle macht, damit sie sie nicht machen müssen, sich aber einreden können, sie würden quasi daran teilhaben. Das ist auch etwas, das ich in Kunstkursen oder sogar bei vielen YouTube-Kanälen sehe und halt einfach nicht mein Ding. Ich bin proaktiv, aber ein Buchclub erfordert das eigentlich nicht, insbesondere wenn dort vor allem Unterhaltungsromane mit wenig Tiefgang gelesen werden, bei denen es genügt, sich gegenseitig zu versichern, wie süß der Protagonist ist oder wie knuffig die weibliche Hauptfigur. Klar, nicht jeder ist auf Tiefgang aus, und es ist völlig legitim, sich von einem Buch einfach berieseln zu lassen. Traurig wird das Ganze jedoch, wenn man eigentlich bei der Gründung des Buchclubs abgemacht hat, daß man auch Klassiker oder das lesen wird, was als Literatur gilt.

Das stramme Schweigen in meiner Gruppe hat mich verletzt, insbesondere auch nach der Erfahrung in meiner ersten Buchgruppe. Für den Moment bin ich damit jetzt erstmal durch, könnte mir aber vorstellen, daß ein Buchclub mit den passenden Menschen bereichernd sein kann. Bis dahin ist meine Lesewunschliste zum Glück quasi unendlich lang. Ohne die Mitgliedschaft in einem Buchclub bleibt nun mehr Zeit und Energie für eigene Bücher – das bleibt unterm Strich als positiv stehen.

Gelesene Bücher im März 2026

  • Harald Meller und Kai Michel: Griff nach den Sternen. Nebra, Stonehenge, Babylon: Reise ins Universum der Himmelsscheibe. Sachbuch, Bibliothek. Ungefähr 1800 v. Chr. wurde die Himmelsscheibe von Nebra gefertigt und mehrmals überarbeitet, bevor sie 200 Jahre später vergraben wurde. Erst 3600 Jahre später wurde sie wiedergefunden und wird seither erforscht. Die Autoren fassen den aktuellen Stand der Forschung zusammen und zeichnen dabei mögliche Beziehungen zwischen Stonehenge, Nebra, Ägypten und Babylon sowie weiteren Kulturen, die in der Bronzezeit florierten, nach. Unterhaltsam geschrieben, viele Abbildungen, ein rundum gelungenes Buch! 5/5.
  • James Kestrel: Fünf Winter. Thriller, Bibliothek. Hawaii, 1941: ein junger Amerikaner und seine japanische Freundin werden bestialisch ermordet. Detective Joe McGrady ermittelt und seine einzige Spur führt ihn  nach Hongkong, just in dem Moment, indem die Japaner die Insel einnehmen und Pearl Harbor angreifen. McGrady wird als mutmaßlicher amerikanischer Spion nach Tokyo deportiert, wo ihn der Onkel des ermordeten Mädchens rettet und in seinem Haus versteckt. Nach Kriegsende kehrt McGrady nach Hawaii zurück und nimmt den Fall wieder auf. Was für ein Hammerbuch! Ich mochte alle Figuren, sogar die Fiesen, ich habe den Schreibstil geliebt, den Plot, alles. Kestrel hat absolut alles richtig gemacht, auch das Ende. Das Buch ist brutal und wuchtig, zärtlich und poetisch, und es hat mich echt im Sturm erobert. Ich finde es so phantastisch, daß ich es mir nach der Lektüre noch gekauft habe, weil ich sicher bin, daß ich dieses Buch besitzen und wieder und wieder lesen will. 6/5 🙂
  • Johan Rundberg: Mika Mysteries 1 – Der Ruf des Nachtraben. Stockholm, 1880: während eines besonders harten Winters leiden vor allem die Kinder im Waisenhaus unter Kälte und Hunger. Mika, die mit ihren zwölf Jahren so etwas wie die Rolle einer Hausmutter innehat und auch in der örtlichen Schenke aushilft, wird zufällig die Gehilfin des Polizisten Valdemar. Dieser macht Jagd auf einen Serienmörder, der sich „der Nachtrabe“ nennt. Ich fand, das Buch ist zu gruselig und detailliert für Kinder ab zehn, Handlung und vor allem die Figur Mika sind schon sehr unglaubwürdig. Ganz unterhaltsam ist die Geschichte dennoch, aber ich würde sie einem Kind wohl erst ab 13 oder 14 zum Lesen geben. 3/5.
  • Douglas Preston und Lincoln Child: Labyrinth – Elixier des Todes. Agent Pendergast Teil 14. Thriller, gebraucht gekauft. Eines Abends wird Alban, Agent Pendergasts Sohn, tot auf dessen Türschwelle in New York abgelegt. Bei der Obduktion findet man einen Türkis im Magen des Toten, der Pendergast zu einer Mine in Kalifornien führt. Dort gerät er in einen Hinterhalt und muß nun nicht nur den Mord an Alban aufklären, sondern auch um sein eigenes Leben fürchten. Zum Glück stehen ihm D’Agosta, Margo Green und Constance zur Seite… Mir hat sehr gut gefallen, daß weite Teile des Thrillers mal wieder im Museum spielen und daß es auch ein Wiedersehen mit Alban und anderen Figuren der Pendergast-Familie gibt. Unterhaltsam, spannend, natürlich völlig abwegig und sehr gut lesbar 🙂 4/5.
  • Jeffery Deaver: Die Rache des Uhrmachers. Thriller, gekauft. In New York City werden Anschläge auf große Baukräne verübt, Ron Pulaski wird vorgeworfen, er sei unter Fentanyl-Einfluß in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen und scheinbar ist auch der Präsident in Gefahr. Lincoln Rhyme, seine Frau Amelia Sachs und ihr Team ermitteln. Leider hat das Buch für mich überhaupt nicht funktioniert – denn wer weiß, wie die Rhyme-Thriller gestrickt sind, hat das Gefühl, das alles schon einmal gelesen zu haben. In Band 16 der Reihe wirkt alles etwas zäh und langweilig, ich zumindest habe mir sehnlichst mal einen anderen Plot gewünscht. Der Titel verrät nämlich schon, worum es geht, und das Ende ist absehbar und irgendwie auch krude (Spoiler! Der Uhrmacher hat plötzlich eine Freundin und die tritt prompt seine Nachfolge an…och nee!). Daher nur 2/5.
  • James Kestrel: Bis in alle Endlichkeit. Thriller, Bibliothek. Privatdetektiv Lee Crowe findet auf seinem Heimweg zufällig eine junge Frau, die kurz zuvor vom Dach eines Hauses gesprungen sein muß, denn sie liegt auf einem Auto. Er macht ein Foto von ihr und verkauft es an die Zeitungen. Kurz darauf vermittelt ihm sein ehemaliger Chef Jim den Kontakt zur schwerreichen Olivia Gravesend, der Mutter der Toten. Sie glaubt nicht an einen Selbstmord ihrer Tochter Claire und bittet Lee, zu ermitteln, was hinter ihrem Tod steckt. Seine Ermittlungen führen Lee zu einem ominösen Club in Mendocino, in das Haus einer Hollywooddiva und schließlich an einen Ort, an dem Ungeheuerliches geschieht… Solider Thriller mit einem sympathischen Ermittler. 4/5.
  • Jeannette Walls: Die andere Seite des Himmels. Roman, Bibliothek. Als ihre Mutter die beiden Schwestern Bean und Liz mal wieder wochenlang allein läßt, fahren diese kurzerhand nach Virginia zu ihrem Onkel Tinsley, der noch immer im alten Gutshaus der Familie lebt. In Byler trifft Bean auf die Familie ihres Vaters, die sie herzlich aufnimmt, doch sie und Liz müssen auch einen Job beim schmierigen Mr. Maddox annehmen… Das Buch hat mich positiv überrascht. Es ist zum einen richtig toll geschrieben, zum anderen kommen lauter liebenswerte Figuren darin vor. Eine berührende Geschichte über Heimat, Resilienz und darüber, wie man das Beste aus einer scheinbar ausweglosen Situation machen kann. 5/5.
  • Liz Moore: Der andere Arthur. Roman, Onleihe. Arthur wiegt 250 kg und hat sein Haus in New York schon seit Jahren nicht mehr verlassen. Als er einen Brief von seiner ehemaligen Studentin Charlene bekommt, in dem sie ihm auch von ihrem Sohn Kel erzählt, sucht Arthur sich Hilfe, die in Form der schwangeren Yolanda kommt. Diese hat familiäre Probleme und Arthur nimmt sie vorübergehend bei sich auf. Parallel dazu erfährt man, daß Charlene sich umgebringt und wie ihr Sohn Kel in eine Depression verfällt. Er versucht, seinen Vater zu finden, doch es stellt sich heraus, daß beide möglichen Kandidaten es nicht sind. Ich mochte den dicken Arthur und hätte gern mehr von ihm gelesen. Kel nimmt für meinen Geschmack zuviel Raum ein, trifft blöde Entscheidungen und ist für mich allgemein keine Figur, zu der ich eine Verbindung aufbauen kann. Insgesamt leider nur mittelmäßig. 3/5.
  • Martin Schuster und Hildegard Ameln-Haffke: Selbsterfahrung durch Malen und Gestalten – Die therapeutische Kraft der Kunst nutzen. Sachbuch, Bibliothek. Die Autoren geben jede Menge Tips und Anregungen dafür, wie man mit Kunst seelische Prozesse unterstützen kann. Ich habe viele interessante Ideen gefunden, die ich gern umsetzen möchte. 4/5.
  • Amitav Ghosh: Rauch und Asche – Die geheime Geschichte des Opiums. Sachbuch, Bibliothek. Ghosh legt dar, aus welchen politischen und ökonomischen Gründen das britische Empire in Indien Opium anbaute und es nach China verschiffte – was zu den beiden Opiumkriegen führte. Er erklärt auch, welche amerikanischen Familien sich am Opiumgeschäft in geradezu obszöner Weise bereicherten und wie der „Fluch“ des Opiums letztlich auf den Westen zurückfiel. „Geheim“ ist an der Geschichte natürlich nix, obwohl klar ist, daß weder den Briten noch den Niederländern oder den Amerikanern daran gelegen ist, daß diese Dinge klar ausgesprochen werden. An sich gefiel mir das Buch sehr gut, aber da Ghosh es so darstellt, als seien alle Opiumkonsumenten aller Zeiten die armen, willenlosen und vertrauensseligen Opfer der pösen Opiumlieferanten, habe ich einen Stern Abzug gegeben, denn so eine schräge Weltsicht halte ich nicht über fast 400 Seiten hinweg aus, inbesondere dann nicht, wenn der Rest des Buchs angestrengt woke ist. 3,5-4/5.
  • Henry Wise: Holy City. Roman, Bibliothek. Zehn Jahre hat Will in Richmond, der „Holy City“, gelebt, bevor er in seine Heimatstadt im ländlichen Virginia zurückkehrt, um dort als Deputy zu arbeiten. Als ein Mord geschieht, muß er den Vater seines besten Freundes, des drogenabhängigen Sam, den er bei sich zuhause versteckt hällt, festnehmen. Die Ermittlungen werden von einer Privatermittlerin unterstützt, die die Mutter des Mordopfers engagiert hat. Leider schreibt Wise sehr bemüht literarisch und vergreift sich dabei manchmal im Ton (was soll ein Gesicht sein, das aussieht wie ein scharf angebratenes Steak?). Zudem verrät er bereits vor der Mitte, wer der Täter ist, so daß sich die zweite Hälftes des Buchs bemüht depressiv um eine alte Schuld dreht, die Will Sam gegenüber empfindet. Dann kommen noch ein paar absurde Entwicklungen und ein noch absurder Schluß dazu und damit wäre dann ein vielversprechender Southern Noir so ziemlich versaut. Schade. 3/5.
  • Amitav Ghosh: Der Fluch der Muskatnuß. Sachbuch, Bibliothek. Im Jahr 1621 verübten die Niederländer an den Einwohnern der Banda-Inseln (Indonesien) Genozid. Ihr Motiv: die Inseln mit Sklaven und Arbeitern neubesiedeln und sich dabei das Monopol auf den Handel mit der ortsansässigen Muskatnuß sichern. Ausgehend von diesem Ereignis setzt Ghosh zu einem Rundumschlag gegen „den Westen“ an, gegen Kapitalismus, Rassismus und deren „Narrative“ (ich kriege allmählich schon einen Würgereflex, wenn ich das Wort nur lese). Leider verpaßt er es, die eigentlichen Ursachen für das technokratisch-westliche Weltbild und den Kolonisationsdrang des Westens zu entlarven (das Christentum sehe ich persönlich als einen der Hauptfaktoren dafür, aber obwohl Ghosh immer mal wieder darauf hinweist, daß die Niederländer puritanisch/evangelikal waren, kriegt er die Kurve nicht). Außerdem gibt es ein paar echte Absurditäten, beispielsweise lobt er Vietnam dafür, wie toll das Land doch im Vergleich zum Beispiel zu Italien die Pandemie überstanden hat, „vergißt“ aber irgendwie, darauf hinzuweisen, daß Vietnam nunmal ein totalitärer Staat ist, der seine Einwohner ganz anders im Griff haben dürfte als Italien. Auch behauptet er, arme Länder wären viel besser im Umgang mit Naturkatastrophen als reiche = westliche Länder, schreibt dann aber ausführlich darüber, wie er und seine Schwester bei einem Wirbelsturm über Kolkata ihre schwerkranke Mutter versorgten, indem sie das Haus renovieren ließen, Vorräte anlegten und medizinisches Personal engagierten – alles Dinge, die sicherlich niemand leisten kann, der arm ist. Auch kann ich Ghosh so manche Empörung nicht abnehmen – er stammt aus Kolkata, studierte in Oxford und lebt in Brookly – was genau macht er eigentlich im bösen Westen, wenn er den so sehr ablehnt? Zuletzt kommt noch jede Menge Esoschwurbel hinzu und Ghosh spart auch nicht an Lob für Papst Franziskus, weil der ja so ein grüner Armenunterstützer war – na klar, darum stand er auch einer milliardenschweren Organisation vor, die weltweit riesiges Leid über die Menschheit bringt. Für mich war das Buch in weiten Teilen mit seinen Lücken und bewußten Auslassungen ein Ärgernis. 2/5.
  • Ryder Carroll: Die Bullet Journal Methode. Verstehe Deine Vergangenheit, ordne Deine Gegenwart, gestalte Deine Zukunft. Sachbuch, Bibliothek. Da ich seit jeher Tagebuch schreibe und inzwischen viele Leute kenne, die ein Bullet Journal führen, dachte ich, ich gucke mal rein, aber das Buch hat mich überhaupt nicht erreicht. Warum? Weil Carroll so schreibt, als wäre er der erste Mensch auf Erden, der die famose Idee hatte, seine Gedanken schreibend zu sortieren, to-do-Listen anzufertigen etc. Dazu gibt es auch noch eine gehörige Portion Selbstoptimierungsphrasendresching und irgendwie hat mich das überhaupt nicht angemacht. Glaube aber, daß es für andere durchaus hilfreich sein kann. 2,5/5.

Gelesene Bücher im Februar 2026

  • Chloe Dalton: Hase und ich – die Geschichte einer außergewöhnlichen Begegnung. Nature Writing, Bibliothek. Dalton lebt in einem Cottage in England. Während der Pandamie arbeitet sie von zuhause aus. Auf einem ihrer Spaziergänge findet sie einen jungen Feldhasen und nimmt ihn mit ins Haus. Sie schreibt von drei Jahren mit dem Hasen und seinen Nachkommen, über ihre Naturbeobachtungen, ihre Gedanken über Landwirtschaft und die Fülle der Natur. Ich weiß nicht, wieso, aber mich hat das Buch überhaupt nicht gepackt, weil alles so vorhersehbar war. 2/5.
  • Hanns-Josef Ortheil: Schwebebahnen. Roman, Bibliothek. Ende der 50er Jahre zieht Josef mit seinen Eltern von Köln nach Wuppertal, weil der autistische Junge noch einmal von vorn in der Schule anfangen soll. Mit seiner besten Freundin Mücke erlebt er Dinge, die wahrscheinlich für eine Kindheit in den 50ern recht normal waren, jedenfalls kenne ich sie so ähnlich aus den Erzählungen meiner Eltern. Daß Josef der Musik so zugetan ist, hat die Lektüre für mich etwas zäh gemacht, auch das Christentum mit seinen ganzen Auswüchsen war irgendwie befremdlich. Alles in allem ein langsames Buch, das man nicht gelesen haben muß. War für mich das erste und letzte von Ortheil. 2/5.
  • Ivar Leon Menger: Finster. Thriller, Onleihe. In einem kleinen Ort im Odenwald verschwindet 1986 ein Junge von der Kirmes – und er ist nicht der erste. Kommissar a.D. Stahl nimmt die Ermittlungen auf eigene Faust wieder auf, während der Leser ausführliche Einblicke in die Bosheit und Verkommenheit bekommt, die hinter den Häkelgardinen lauern. Mir wurde gesagt, ungefähr in der Mitte des Buchs hätte ich einen „krassen Plottwist“ zu erwarten, aber wieder einmal hatte ich so ab S. 50 richtig geraten und war daher nicht überrascht. Insgesamt war das kein Buch, das ich gern gelesen habe, weil alle Figuren irgendwie unangenehm waren, sogar die positiven Hauptfiguren mochte ich überhaupt nicht. 2/5.
  • Simon Winchester: Krakatau. Sachbuch, Bibliothek. Im August 1883 brach der Vulkan Krakatau aus und das Geräusch, das er dabei verursachte, gilt bis heute als das lauteste natürliche Geräusch aller Zeiten. Durch Ascheregen, herabregnende Gesteinsbrocken und Tsunamis tötete er rund 36.000 Menschen. Die Aschepartikel, die in bis zu 38 km Höhe geschleudert wurden, beeinflußten auf Jahre das Klima, die Landwirtschaft – und die Kunst. Zu den Folgen des Ausbruchs des Krakatau zählt auch die Hinwendung der Einwohner des heutigen Indonesiens zum Islam. Wie bisher jedes Buch, das ich von Winchester gelesen habe, überzeugt auch dieses Werk mit seinem Detailreichtum und seiner hervorragenden Lesbarkeit. 4/5.
  • Roisin Maguire: Mitternachtsschwimmer. Roman, aus der Bibliothek. Im Buchclub gelesen. Nach dem Tod seiner Tochter und dem Scheitern seiner Ehe braucht Evan eine Auszeit. Für eine Woche will er an der Irischen See in einem Cottage leben, doch dann beginnt der Lockdown und er kann nicht mehr weg. Seine Frau  bringt ihm etwas später auch noch ihren Sohn, den gehörlosen Luca vorbei, mit dem Evan ein sehr gespanntes Verhältnis hat. Mit Hilfe von Grace, seiner schrulligen Vermieterin, und anderen Leuten aus dem Dorf, schafft es Evan allmählich, sich wieder zu fangen. Hat mir überraschend gut gefallen, auch wenn es einige Punkte gab, an denen ich mich gerieben habe. 4/5.
  • Jeffrey Archer: Die Stunde der Fälscher. Roman, etwa 1994 neu gekauft. Saddam Hussein läßt die amerikanische Unabhängigkeitserklärung stehlen und plant, diese ausgerechnet am 4. Juli vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu verbrennen. Das setzt diverse Geheimdienste in Gang, deren Mission es ist, das Dokument zu retten. Ich erinnere mich daran, daß mich das Buch als Teenie deutlich mehr beeindruckt hat als heute 🙂 Beim jetzigen Lesen kam mir das Buch ca. 100-150 Seiten zu lang vor und leider sehr vorhersehbar, aber als Teenie hatte ich eben auch noch nicht so viele Bücher gelesen wie heute. 3/5.
  • Alex Rogers: Das große, tiefe Blau. Sachbuch, Bibliothek. Der englische Meeresbiologe Rogers erforscht seit den 1990ern die Weltmeere und richtet sein Augenmerk dabei vor allem auf die Tiefsee. Gerade an den Hydrothermalquellen hat sich im Laufe der Jahrmillionen eine empfindliche Flora und Fauna angesiedelt, die durch das Vorhaben, seltene Metalle in diesen Bereichen zu fördern, bedroht wird. Rogers schildert unterhaltsam und informativ, welche Entdeckungen er im Laufe seiner Karriere gemacht hat und wie er sich auf politischer Ebene für die Meere einsetzt. Am Ende des Buchs faßt er zusammen, was jeder von uns zum Schutz der Ozeane beitragen kann. Tolles Buch! 4,5/5.

Buchclubs – ein erstes Resümee

Seit letztem Jahr bin ich Mitglied in zwei privat organisierten und daher kostenfreien Buchclubs. Die Idee bei beiden ist, daß alle aus der Gruppe (in alphabetischer Reihenfolge) nacheinander ein Buch aussuchen, das gemeinsam gelesen und diskutiert wird. Diese Idee gefiel und gefällt mir sehr und gab den Ausschlag dafür, daß ich beigetreten bin. Jetzt, nach ungefähr einem halben Jahr und einigen gemeinsamen Leserunden, will ich ein erstes Resümee ziehen.

Vor Beginn der ersten gemeinsamen Leserunden dachte ich, daß das Hauptproblem auf Dauer wahrscheinlich darin bestehen dürfte, daß nach und nach niemand mehr mitliest, die Diskussionen daher nicht stattfinden und sich die Clubs dann auflösen. Bei meiner einen Buchgruppe lief es tatsächlich so ab. In der ersten Leserunde haben 100% der Teilnehmer aktiv mitdiskutiert, in der zweiten waren es nur noch 75%. In der dritten Leserunde wurde es dann ganz schräg, denn obwohl immerhin 75% der Teilnehmer mit dem Buch anfingen, haben nur 25% das Buch tatsächlich auch beendet. Was sich hier in Prozentzahlen gar nicht so übel liest, war in der Realität allerdings sehr frustrierend, denn diese Gruppe bestand aus nur vier Teilnehmern. Anders gesagt: ich habe zwar die beiden Bücher gelesen und aktiv diskutiert, die zwei Personen vor mir ausgesucht haben, aber das Buch, das ich ausgesucht habe, wurde von nur drei Leuten (incl. mir selbst) begonnen und dann ausschließlich von mir selbst beendet – und natürlich nicht diskutiert. Damit war für mich klar, daß diese Gruppe für mich nicht tragfähig ist und seither herrscht dort auch Schweigen im Walde. Ich fand dieses Verhalten schon echt asozial, im Wortsinn.

Mein zweiter Buchclub ist aktiver, wirft aber ganz andere Probleme auf. Für mich war beim Beitritt klar, daß ich in dieser Gruppe Bücher lesen würde, die ich mir niemals selbst für mich ausgesucht hätte, da ich die anderen Teilnehmer schon im Vorfeld kannte und wußte, daß wir ganz unterschiedliche Dinge mögen. Für mich war aber auch klar, daß die Mitgliedschaft in einem Buchclub beinhaltet, daß man sich aus seiner Komfortzone hinausbewegt und sich auf Bücher einläßt, die einem ggf. nicht gefallen könnten. So habe ich im letzten Herbst einen superschnulzigen Liebesroman gelesen und auch diskutiert, von dem ich im Normalfall nicht einmal den Klappentext gelesen hätte. Man könnte natürlich argumentieren, daß das verschwendete Lesezeit/Lebenszeit ist, aber ich denke, sich auf etwas Neues einzulassen und der Austausch im Buchclub sind dann eben die Benefits, die man dafür kriegt. Nach dem Liebesroman wurden aber weiterhin Bücher ausgesucht, die ich für mich gar nicht in Betracht gezogen hätte, meist Liebes-, Frauen- oder Romantasybücher. Ich habe dann teilweise pausiert, weil ich so viel geballten Schnulz dann einfach doch nicht ertrage. Was ja auch okay ist.

Kürzlich haben wir dann ein Buch gelesen, in dem geschildert wird, daß eine Figur etwas sehr Unmoralisches tut (Mordversuch an der kleinen Schwester). Das war das erste Mal, daß wir in diesem Buchclub an eine Stelle gekommen sind, wo sich meiner Ansicht nach eine echte Diskussion hätte entwickeln können. Denn sorry, darüber, als wie süüüüüß ein Typ in einem Romantasyroman geschildert wird, kann sich keine fruchtbare Diskussion entwickeln. Ich war richtig Feuer und Flamme und habe meine Ansicht dargelegt und meine Beurteilung dieser Figur auch dezidiert begründet. Die Reaktion war für mich fürchterlich enttäuschend. Die meisten schwiegen dazu oder vertagten ihre Reaktion auf später, wohl um zu schauen, was die anderen in der Gruppe schreiben würden. Manche schrieben auch klar, daß ihnen das zu heftig sei und daß sie in einem Buch immer ein Happy End brauchen.

Jetzt überlege ich, inwiefern es für mich sinnvoll ist, in dieser Gruppe weiterzulesen. Ich muß davon ausgehen, daß auch in Zukunft vermehrt Schnulzen mit Happy End ausgewählt werden und daß weiterhin keine tiefschürfende Diskussionen geführt werden werden. Wäre es da nicht sinnvoller, meine Lesezeit auf selbst ausgewählte Bücher meiner ewigen Leselisten zu verwenden? Andererseits brenne ich nach wie vor für die Idee eines Buchclubs. Nur scheint sich die Idee ja nicht zu verwirklichen.

Schwierig.

Mein Fazit nach rund sechs Monaten in zwei Buchclubs? Könnte cool sein, kommt aber auf die Zusammensetzung und die Bereitschaft der Gruppe an, sich einzulassen und in die Tiefe zu gehen. Ich persönlich brauche keine Gruppe, um mich zum Lesen zu motivieren, und bin eher enttäuscht, wenn sich Gruppenaktivitäten darauf beschränken, mitzuteilen, auf welcher Seite man gerade ist.

Gelesene Bücher im Januar 2026

  • Emma Heming Willis: Eine ganz besondere Reise. Sachbuch, Bibliothek. Die Frau von Bruce Willis schreibt in diesem sehr persönlichen Buch über die Demenzerkrankung ihres Mannes, vor allem aber darüber, wie man sich Pflege so organisieren kann, daß man als Pflegender nicht daran zerbricht. Hat mir gut gefallen. 4/5.
  • Michael Robotham: Bis Du stirbst. O’Loughlin-Ruiz-Reihe, Teil 7. Thriller, Onleihe. Sami hat gerade drei Jahre für einen spektakulären Raub abgesessen, den er gar nicht begangen hat. Kaum, daß er auf freiem Fuß ist, wollen zwei hochrangige Gansterbosse, daß er einen Safe für sie knackt, was er jedoch gar nicht kann. Die Entwicklungen, die dadurch angestoßen werden, führen dazu, daß Sami später am Tag als Bombenleger und Geiselnehmer gesucht wird… In diesem Buch kam viel zu wenig Ruiz und gar kein O’Loughlin vor, war für mich daher eher etwas schwach. 3/5.
  • Per Petterson: Pferde stehlen. Roman, gebraucht gekauft und in einem Buchclub gelesen. Mit 67 Jahren zieht Trond in Ostnorwegen in eine einsam gelegene Hütte, nachdem er seine Frau verloren hat. Dort trifft er auf einen Mann, den er aus seiner Jugend kennt und mit dessen Familie ihn tragische Umstände verbinden. Er erinnert sich an die Zeit damals und hackt eine Menge Holz. Ein extrem ruhiges Buch, dessen Sinn sich mir nicht erschließt. 1/5.
  • Douglas Preston & Lincoln Child: Attack – unsichtbarer Feind. Agent Pendergast 13. Thriller, gebraucht gekauft. Ich habe jetzt ungefähr ein Jahr eine Pendergast-Pause gebraucht, nachdem ich den Nazi-Schwachsinn von Band 12 so unerträglich fand. Jetzt konnte ich wieder mit frischem Elan in die Serie zurückkehren und wurde nicht enttäuscht. Corrie Swanson, die inzwischen am John Jay studiert, will eine Semesterarbeit über elf in den 1850ern in Roaring Fork ermordete Bergarbeiter schreiben. Angeblich wurden diese von einem Grizzly zerfleischt, doch ihre Nachforschungen ergeben bald, daß sie vielmehr von einer Gruppe von Kannibalen getötet wurden. Während Corrie in Roaring Fork ist, finden mehrere Brandstiftungen statt und sie wird bedroht. In was für ein Wespennest hat sie da bloß gestochen? Solider Thriller mit einem tollen Pendergast. 4/5.
  • David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt. Roman, gebraucht gekauft, sollte eigentlich in einem Buchclub gelesen werden, aber letztlich habe ich ihn allein gelesen. Stand seit den 90ern auf meiner ellenlangen Buchliste 🙂 1954 wird Kabuo Miyamoto, ein japanischstämmiger Amerikaner, der als Lachsfischer auf der Insel San Piedro im Pudget Sound arbeitet, angeklagt, den Fischer Carl Heine ermordet zu haben. Heine und er wollten dasselbe Land kaufen, um darauf eine Erdbeerfarm zu betreiben, und waren verbunden (oder getrennt) durch ihre Freundschaft in Kindertagen und ihre Kriegserfahrungen nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Ishmael, der als Jugendlicher eine Beziehung zu Kabuos Frau Hatsue hatte und diese immer noch liebt, beobachtet den Prozeß und muß sich fragen, ob er etwas, das er weiß, preisgeben soll oder nicht. Ein sehr stiller Roman, der auf mich aber einen gewissen Sog ausgeübt hat. Eigentlich das perfekte Buch für graue Januartage. 4/5.
  • Guido Barbujani: Wer wir waren – Die Geschichte der Menschheit in 15 Portraits. Sachbuch, Bibliothek. Barbujani  berichtet über die Geschichte der Menschheit, indem er sich 15 Individuen herauspickt und von ihnen erzählt, aber auch die Zusammenhänge zwischen ihnen herausarbeitet. So stellt die in Ostafrika gefundene Lucy (Alter: 3,3, Mio. Jahre) die erste „Person“ in dem Buch dar und Charles Darwin (Alter: 217 Jahre) die letzte. Wie genau sind die frühen Menschen gewandert, als sie aus Afrika fortgingen? Warum hat als einzige Homo-Art der Homo sapiens überlebt? Warum tragen wir einen Anteil Neandertaler- und Denisova-Gene in uns? All das und noch viel mehr erklärt Barbujani. Kurzweilig zu lesen, sehr informativ. 4/5.
  • Michael Connelly: Der Inselcop von L.A. – Detective Stilwells erster Fall. Roman, Bibliothek. Als erstes muß man sich fragen, wer sich den dämlichen Titel und das blöde Cover ausgedacht hat, denn im Original heißt das Buch „Nightshade“, was auch viel passender ist, und anders, als das Cover suggeriert, handelt es sich nicht um einen Cozy Crime Roman, sondern um einen typischen Connelly-Krimi. Detective Stilwell wurde nach Querelen mit einem Kollegen in L.A. auf die Insel Catalina versetzt. Dort wird nun eine junge Frau tot im Hafenbecken aufgefunden. Seine Ermittlungen führen ihn in einen exklusiven Yachtclub. Wie übliche bei Connelly sind aber auch noch andere Fälle mit dem Mord verwoben. Mich konnte Stilwell nicht recht überzeugen, und zwar deswegen, weil er Harry Bosch so ähnlich ist und auch wie er agiert (entgegen seiner Weisungen, gegen die Kollegen, aber immer als der gerechte Held) und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Das funktioniert schon für die Harry-Bosch-Fangemeinde, aber ich hätte mir da etwas mehr Pfiff und mehr Mut zu was Neuem gewünscht. 3/5.

Lesestatistik 2025

Ende 2024, einem Jahr, in dem ich mehr Bücher als je zuvor gelesen habe, hatte ich das Gefühl, ich müßte für 2025 die Lesemenge reduzieren, dafür aber die Qualität meiner ausgewählten Bücher wieder erhöhen. Natürlich lesen sich die meisten Romane schneller als Sachbücher, daher war klar, daß ich nicht wieder über 300 Bücher lesen würde. Tatsächlich waren es 2025 genau 100 Bücher bzw. 36.533 Seiten. Wieder waren meine Hauptquellen für Bücher die Bibliotheken in meiner Region und die Onleihe. Insgesamt habe ich dadurch 1666,33 € gespart 🙂

2025 habe ich nur zwei Bücher mit 5 Sternen bewertet:

  • Trent Dalton: Der Junge, der das Universum verschlag (Jahreshighlight!)
  • Dan Simmons: Terror

Trotzdem waren einige 4,5-Sterne-Bücher dabei und ich konnte auch ein paar Reihen, die ich seit vielen Jahren verfolge, weiterlesen (konkret: die Kate-Burkholder-Reihe, die Lincoln-Rhyme-Reihe, die O’Loughlin-Ruiz-Reihe und die Pendergast-Reihe).

Im Herbst bin ich zwei Buchclubs beigetreten, was dazu führt, daß ich mehr Bücher lese, die ich mir für mich selbst nie im Leben ausgesucht hätte. Obwohl ich das jetzt schon einige Monate mache, stehe ich dem immer noch zwiegespalten gegenüber, denn einerseits können Diskussionen über gemeinsam gelesene Bücher durchaus anregend und bereichernd sein, andererseits finde ich es aber auch manchmal lästig, Lesezeit für solche Bücher zu vergeuden. Was mich besonders nervt, ist, daß ich in einem Buchclub zwar alle Bücher, die die anderen vorgschlagen haben, komplett gelesen und diskutiert habe, selbst wenn sie mich genervt haben, daß mir diese Freundlichkeit mit dem einen Buch, das ich ausgesucht wurde, aber nicht zuteil wurde. Da bin ich gerade ein bißchen angepisst und weiß noch nicht, wie es da für mich weitergeht.

Insgesamt habe ich in diesem Jahr mal wieder festgestellt, daß ich Bücher nach sehr viel strengeren Kriterien beurteile als die meisten anderen. Bei mir würden ein Liebesroman, ein Tierarztkrimi oder ein typisches Frauenbuch nie im Leben 5 Sterne bekommen, weil mir die Themen dazu zu oberflächlich sind. Dazu kommt, daß ich viele Plots zu simpel gestrickt, viele Figuren zu durchschaubar und Sprache oftmals eindimensional finde. So kommt es auch, daß ich Bücher meiner Lieblingsreihen und -autoren auch oft immer nur durchschnittlich oder knapp besser bewerte. Es macht mir dann trotzdem Spaß, diese Bücher zu lesen, aber sie reißen mich auch nicht vom Hocker. Fünf Sterne gebe ich nur besonderen Büchern, und das will ich auch in Zukunft so beibehalten.

Mein Wunsch für das Lesejahr 2026 ist, mehr Bücher von meinen ellenlangen Listen und auch vom SUB zu lesen. Ich möchte meine Reihen weiterlesen, den Anteil von Sachbüchern ähnlich hoch halten und möglichst wenig Geld für Bücher ausgeben. Naja, und das mit den Buchclubs muß ich mir nochmal überlegen.

Gelesene Bücher im Dezember 2025

  • Julia R. Kelly: Das Geschenk des Meeres. Roman, Onleihe. Anfang des 20. Jahrhunderts kommt die junge Lehrerin Dorothy nach Skerry, einem Nest an der schottischen Küste. Sie verliebt sich in den Fischer Joseph und ist dann 350 Seiten sehr darum bemüht, in jedem Fall nicht zu sagen, was sie meint, und immer die dummstmöglichen Entscheidungen zu treffen. Zwischendrin kriegt sie ein Kind mit ihrem schwulen Ehemann…oder doch mit jemand anderem…und das Kind ertrinkt. Wahrscheinlich von den Elfen geholt. Oder doch bei einem Unfall. Dann wird irgendwann ein anderes Kind angeschwemmt und das ist garantiert ihr eigenes. Oder auch nicht. Und am Ende weiß man immer noch nicht, ob sie sich jetzt kriegen oder nicht. Manchmal habe ich echt ein unfaßbares Geschick dafür, mit Büchern, für die andere Leser in höchsten Tönen schwärmen, ins Klo zu greifen. 2/5.
  • Callan Wink: Big Sky Country. Roman, Bibliothek. 3/5. August wächst auf einer Farm in Michigan auf, bis seine Eltern sich scheiden lassen und er mit der Mutter nach Montana zieht. Dort entschließt er sich, nach dem High School auf verschiedenen Ranches zu arbeiten, anstatt zu studieren. Eine typische Coming-of-age-Geschichte. Ich mag, wie Wink schreibt, aber mit August bin ich nicht warm geworden. 3/5.
  • Tan Twan Eng: Das Haus der Türen. Roman, gebraucht gekauft für eine Leserunde. 1921 besucht William Somerset Maugham seinen Freund Robert und dessen Frau Lesley auf Penang. Willie, der mit seinem Liebhaber Gerald reist, und Lesley, deren Ehemann ebenfalls schwul ist, kommen sich näher, indem Lesley ihm sowohl ihre eigene Geschichte als auch die ihrer Freundin Ethel erzählt, die einen Mann umgebracht hat. Schon irgendwie poetisch geschrieben, aber da alle alle benutzen, hat mich das Buch nicht so angemacht. 3/5.
  • René Anour: Der Doktor und der liebe Mord. Tierarztkrimi, gebraucht gekauft für eine Leserunde. Ich glaube, der Titel und das Genre lassen bereits erahnen, daß ich diesen Roman niemals für mich selbst ausgesucht hätte 🙂 Severin ist Tierarzt. Er hat gerade seinen Chef umgebracht, als die Putzfrau auf die Idee kommt, er könnte als Auftragskiller arbeiten und so den Gnadenhof finanzieren. Er verliebt sich aber blöderweise in sein erstes potentielles Opfer. Dann gibt es noch einen Riesenhengst mit Angststörung, einen kinky Weihnachtsmann und allerlei Logiklücken. Ich fand das Buch ziemlich schlimm. 1,5/5.
  • Jonathan Stroud: Bartimäus. Jungendfantasy, im Bücherschrank gefunden. Der angehende Zauber Nathanael beschwört den Dschinn Bartimäus. Dieser soll ihm das Amulett von Samarkand stehlen, einen mächtigen magischen Gegenstand. Damit werden allerdings Entwicklungen angestoßen, die der Junge und der Dämon am Ende kaum aufhalten können… Ich vermute, was die meisten Leser zu einer guten bis hervorragenden Bewertung dieses Buchs verleitet, ist die ungewöhnliche Perspektive, nämlich durch die Augen eines Dämons. Dieser ist frech und vorlaut. Das ist schon witzig, trägt ein 550 Seiten starkes Buch aber nicht. 1/5.
  • Sabine Schmidt: Das kleine Nähcafé am Fluß. Roman, Onleihe. 2/5. Sabine Schmidt kenne ich von ihren Nähbüchern her und fand es daher interessant, einen Roman aus ihrer Feder zu lesen. Fast hätte ich es allerdings nicht über Kapitel 1 hinausgeschafft, denn ihre Hauptfigur ist entsetzlich unsympathisch, auch wenn man natürlich eigentlich schon davon ausgeht, daß sie sich wandeln wird. Die Handlung ist vorhersehbar und wartet nicht mit Überraschungen auf. Schnell und leicht zu lesen, aber irgendwie dachte ich am Ende dann doch: man kann eben nicht alles gut können. Schmidt hat allerdings bereits für den Herbst Teil 2 angekündigt, an Publikum wird es ihr daher nicht mangeln. 2/5.
  • Liz Moore: Long Bright River. Roman, Bibliothek. Die Streifenpolizistin Mickey spricht seit fünf Jahren nicht mehr mit ihrer Schwester Kacey, paßt jedoch auf sie auf, wann immer sie kann, denn Kacey ist obdachlos und süchtig. Als in Philadelphia mehrere Prostituierte ermordet werden und auch Kacey spurlos verschwindet, versucht Mickey, sie zu finden – und auch den Mörder. Das Buch hat insofern meine Erwartungen nicht erfüllt, als daß ich einen Thriller und keine zermürbend langsam erzählte Familientragödie lesen wollte. 3/5.

Gelesene Bücher im November 2025

  • Maryanne Wolf: Das lesende Gehirn – Wie der Mensch zum Lesen kam und was es in unseren Köpfen bewirkt. Sachbuch, Bibliothek. Wolf erklärt, welche Prozesse in der menschlichen Entwicklung nötig waren, damit Menschen überhaupt die Fähigkeit des Lesens entwickeln konnten, und welche Hirnbereiche dafür aktiviert werden müssen. Sie weist gleichermaßen auf Schwierigkeiten beim Lesenlernen hin und gibt Hinweise, wie man Kindern den Einstieg ins Lernen erleichtern kann. Sehr interessantes Buch, allerdings gefiel mir persönlich „Schnelles Lesen, langsames Lesen“ weitaus besser, daher 4/5.
  • Dan Brown: The Secret Of Secrets. Roman, Bibliothek. Robert Langdon und seine Partnerin Katherine Solomon sind in Prag, wo Katherine einen Vortrag über ihre Forschung im Bereich der Noetik halten soll. Zeitgleich soll ihr Buch veröffentlicht werden, in dem sie ihre Forschungsergebnisse zum Bewußtsein des Menschen darlegt. In gewohnter Manier überschlagen sich dann die Ereignisse: eine namhafte Forscherin wird ermordet, ein Leutnant des tschechischen Geheimdienstes hält Langdon für den Mörder seines Vorgesetzten und Onkels, es gibt eine Figur, die quasi bis zum Schluß im Dunkeln bleibt. Das Problem ist, daß diese Elemente, die in vorangegangenen Langdon-Roman funktioniert haben, hier langweilig und belanglos wirken. Es gibt ellenlange Rückblicke, riesige Logikfehler, totlangweilige Erklärungen, keine wirklich überraschenden Wendungen und hier und da fällt eine interessante Figur einfach mal weg. Das „Geheimnis der Geheimnisse“ ist banaler Esoterikschwurbel und es nervt fürchterlich, daß Langdon und Solomon ständig als die tollsten und klügsten Wissenschaftler aller Zeiten gepriesen werden, dabei aber furchtbar langsam denken. Ich selbst hatte die Lösung bereits nach der Hälfte des Buchs raus und bin mit ihr sehr unzufrieden. Alles in allem: total öde, verschwendete Lebenszeit. Wenn ich einen Langdon lese, dann erwarte ich eine spannende Schnitzeljagd, Rätsel, interessante Orte – und keinen in die Länge gezogenen Technothriller. Sowas habe ich schon von Selfpublishern gelesen, in ähnlicher „Qualität“. Überdies einfach mal 400 Seiten zu lang. Gähn! 1,5/5.
  • Wallis Kinney: A Dark And Secret Magic. Roman, gekauft. Kate ist eine Hedgewitch und hat sich ein gemütliches Leben in ihrem Cottage eingerichtet. Eines Tages bekommt sie Besuch von Matthew, einem sexy Necromancer, der mehr zu wissen scheint, als er zu sagen bereit ist. Kate, die das alljährliche Coven-Treffen zu Samhain ausrichten soll, hat jedoch alle Hände voll mit den Vorbereitungen für das Fest zu tun, gestört durch das Wiederauftauchen des Grimoires ihrer Mutter, auf dem ein dunkler Fluch liegt, und durch die Kontaktversuche des „King Below“. Ein echt stimmungsvoller Roman, dessen Logik für mich nicht immer so ganz stringent war, aber für 0,99 € auf jeden Fall eine gemütliche Herbstlektüre. 3,5/5.
  • Caroline Wahl: Windstärke 17. Roman, gebraucht gekauft und in einer Buchgruppe gelesen. Nach dem Selbstmord ihrer Mutter flüchtet Ida völlig planlos nach Rügen. Sie hat das Glück, von Knut und Marianne aufgenommen und von vorn bis hinten betüddelt zu werden, während sie sich denkbar blöd verhält und sich mit einem Mann einläßt, der sein eigenes Leben offenbar auch nicht auf die Kette kriegt. Marianne ist aber auch krank und Ida muß sich damit auseinandersetzen, wie sie damit umgehen will, und ob sie bleiben oder wieder weglaufen will. Ich hätte mir das Buch für mich selbst nicht ausgesucht, weil es eigentlich alles hatte, was ich befürchtet habe, incl. einer kindlichen Schreibweise, die mich an jungen Autoren so abnervt. Ich reagiere einfach allergisch darauf, wenn junge Frauen wie achtjährige Grundschülerinnen klingen und denken. 2/5.
  • Peter Mohlin und Peter Nyström: Der stille Vogel. John-Adderley-Reihe 3. Thriller, Onleihe. In einem Fischadlernest wird der Knochen eines Kindes gefunden – sollte man endlich auf eine Spur zu den vor über 30 Jahren verschwundenen Zwillingen gefunden haben? Nicht nur der Knochen, sondern auch ein lange verschollener Mann aus der Arbeitersiedlung bringen das betuliche Leben der Familie Hammarström durcheinander, und dann ist da noch Ariya, eine Irakerin, die auf der Flucht vor der Auslieferungsbehörde ist… Bißchen wirr und mir gefällt es nicht, wenn Autoren ihre Handlungen durch Drogen und Erinnerungslücken zu verschleiern versuchen, aber alles in allem ein solider Thriller. 3/5.
  • Ewald Arenz: Alte Sorten. Roman, Onleihe. Die 17jährige Sally flüchtet aus einer Klinik und landet bei der viel älteren Liss, einer Bäuerin mit eigenem Hof. Die beiden Frauen verbindet mehr, als sie selbst zunächst ahnen, und zwischen ihnen entwickelt sich zwischen alltäglichen Handlungen und Arbeiten auf dem Hof eine tiefe Freundschaft. Dann jedoch finden Sallys Eltern sie und bringen sie nach Hause – wo sie eigentlich gar nicht sein will. Liss wird von den Vorkommnissen getriggert und muß sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Zum Glück ist Sally an ihrer Seite! Ein toller Herbstroman, still und stimmungsvoll. 4/5.
  • Peter Ackroyd: The Themse. Sachbuch, Bibliothek. Ackroyd geht, wie so oft in dieserlei Büchern, der Themse von verschiedenen Seiten aus auf den Grund: er beschreibt ihren Verlauf, die Dörfer an ihren Ufern, historische Begebenheiten, die sich an oder auf ihr ereignet haben, die Menschen, die an und mit ihr ihr Geld verdienen, berühmte Künstler, denen sie als Inspiration diente, und vielerlei mehr. Unterhaltsam, aber keine leichte Lektüre. 4/5.
  • C.J. Tudor: Die Kolonie. Thriller/Fantasy, Onleihe. In einem kleinen Kaff in Alaska wird ein Junge von einem Vampir getötet – jedenfalls suggeriert ein Video, daß die Tat so ablief. Vampiranthropologin Barbara Atkins nimmt die Ermittlungen auf, schon bald behindert von diversen Grüppchen aus dem kleinen Städtchen, die alle ihre eigenen Anliegen haben. Das Vampirszenario hat sich erstaunlich gut in den ansonsten klassischen Ermittlerthriller eingereiht, aber die Auflösung blieb doch etwas unbefriedigend. 3,5-4/5.
  • Silvana Condemi und François Savatier: Denisova – die Entdeckung einer neuen Menschenart. Sachbuch, Bibliothek. Die beiden Autoren fassen den aktuellen Stand der Forschung zum Denisova-Menschen zusammen, der sich zeitlich parallel zum Neandertaler in Asien entwickelte. An sich ein interessantes Buch, ich fand es nur total wirr und langweilig geschrieben. 3,5/5.

Gelesene Bücher im Oktober 2025

  • George und Roberta Poinar: What Bugged The Dinosaurs? Sachbuch, Bibliothek. Wenn wir an die Dinosaurier denken, denken wir meistens nicht an die Insekten, die zur selben Zeit gelebt haben, obwohl viele Arten, die uns heute noch plagen, bereits die Dinosaurier gepiesakt haben. Mistkäfer, Schaben, Rüsselkäfer, Mücken, Würmer und andere gab es damals in größerer Vielfalt und in deutlich größerer Menge als heutzutage. Waren von Insekten übertragene Vektoren ein Problem für die Dinos? Konnten Dinos Malaria und Leishmaniose bekommen? Hatten Insekten einen Einfluß auf das Aussterben der Dinosaurier? Die Poinars schlüsseln auf, welche Beweise sie für ihre Theorien in Bernstein eingeschlossen gefunden haben, und geben eine dezidierte, aber doch unterhaltsame Darstellung der Insektenwelt zur Kreidezeit. 4/5.
  • Ralf H. Dorweiler: Der Herzschlag der Toten. Historischer Krimi, Onleihe. Hamburg, Ende des 19. Jahrhunderts: Johanna ist zwar die Tochter eines Richters, vertritt aber sozialistische Ideale. Darum unterrichtet sie Frauen, um ihnen zu einem besseren Leben zu verhelfen. Eines Tages jedoch erscheint eine „ihrer“ Frauen nicht zum Unterricht – sie wurde ermordet. Gemeinsam mit Comissar Hermann Rieker versucht Johanna, den Mörder zu entlarven. Letztlich war mir der Krimi etwas zu einfach gestrickt, daher nur 3/5.
  • Peter Mohlin und Peter Nyström: Die andere Schwester. John Adderley 2. Thriller, Onleihe. Zwei ungleiche Schwestern gründen eine Online-Datingagentur. Die eine ist die schöne Repräsentantin des Unternehmens, die andere, die von ihrer Schwester in ihrer Kindheit schwer verbrüht und damit entstellt wurde, ist das technische Mastermind. Die schöne Schwester wird eines Tages mit verätztem Gesicht und erstochen aufgefunden. Doch nicht nur dieser Mordfall beschäftigt John: Ganiru, der Drogenboss, dem er durch seinen Umzug nach Schweden entkommen wollte, hat ihn gefunden… Ich fand das Buch an vielen Stellen wirr und überkonstruiert. Leider gibt es in dieser Reihe keine einzige Figur, die man mag. 3/5.
  • Mark Maraun: Alles ist Ökologie. Sachbuch, geschenkt bekommen. Maraun zeigt auf, in welchen Lebensbereichen Ökologie eine Rolle spielt, und daß sie weit tiefer in unser Leben eingreift, als wir oft meinen. Er begründet eine ökologische Ethik, indem er darlegt, daß es echten Altruismus gar nicht gibt, postuliert aber, daß wir aus Selbsterhaltungstrieb alles für eine Stabilisierung der Umwelt und der politischen Situation tun sollten. Für mich war die Lektüre etwas zäh, denn zum einen wird eigentlich nur das Offensichtliche benannt, zum anderen wimmelt das kurze Bändchen leider vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern. 2/5.
  • Alain de Botton und John Armstrong: Wie Kunst Ihr Leben verändern kann. Sachbuch, Bibliothek. Die beiden Autoren gehen der Frage nach, wie Kunst es schaffen kann, unser Leben zu verändern, beispielsweise indem sie unseren Hunger nach Schönheit stillt, unser Denken für Neues öffnet, uns mit bisher Unbekanntem konfrontiert, und letztlich auch, indem sie uns daran erinnert, daß wir sterblich sind und daß es sich lohnt, Werte zu leben, hinter denen wir stehen und deren Erfüllung uns Stolz schenkt. Das Buch ist witzig geschrieben und ich habe an vielen Stellen lachen müssen; nichtsdestotrotz hilft es auch, Kunstwerke und künstlerisches Schaffen mit anderen Augen zu betrachten – und letztlich auch sich selbst mit ein bißchen mehr Nachsicht zu begegnen. 4/5.
  • Linda Castillo: Aschetod. Kate Burkholder 16. Krimi, Bibliothek. Eines Nachts wird ein exkommunizierter Amischer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Ermittlungen ergeben bald, daß Milan Swanz ein schwieriger, gewalttätiger Mensch war und es viele gibt, die seinen Tod nicht bedauern. Bald erfährt Kate von einer Schattenorganisation innerhalb der Amischen, den Schwertlern. Gibt es sie überhaupt und wenn ja, was genau tun sie? Solider Krimi, hat mich gut unterhalten. Nur das ewig gleiche Strickmuster ist etwas langweilig. 3,5/5.
  • Ken Follett: De brug naar de hemel. Kingsbridge-Saga 2. Roman, gekauft und mit meinem Mann zusammen gelesen. Ich fand die Geschichte an sich furchtbar langweilig, weil Follett immer wieder auf ganz stereotype Muster zurückgreift. 2/5.
  • Callan Wink: Bärenzähne. Roman, Onleihe. 4,5/5. Die Brüder Thad und Hazan leben in Montana von illegaler Bärejagd und dem Verkauf von Brennholz. Ihr Geschäftspartner, ein ominöser Schotte, schlägt ihnen vor, abgeworfene Geweihstangen im Yellowstone Nationnalpark zu stehlen. Da die beiden finanziell in arger Bedrängnis sind, willigen sie schließlich ein, doch auf der Diebestour verletzt sich Thad schwer. Nun muß sein Bruder Hazan die Verantwortung übernehmen. Eines Tages ist der Schotte plötzlich tot und Hazen ist fort. Wie soll Thad nun alles bewältigen? Und was hat es mit Hazens Bemerkung auf sich, daß er vielleicht noch etwas anderes im Yellowstone gefunden hat? Ein tolles Buch über die Verantwortung, die wir füreinander tragen, über Familiengeheimnisse und die rauhe Schönheit der Natur. 4,5/5.
  • Bonnie Garmus: Eine Frage der Chemie. Roman, gebraucht gekauft und in meinem Buchclub gelesen. USA, 50er bis 60er Jahre. Die Chemikerin Elizabeth Zott hat es schwer, denn als Frau in ihrem Beruf wird ihr kaum etwas zugetraut und sie hat schwer mit den Vorurteilen und dem Sexismus ihrer Kollegen und ihrer Vorgesetzten zu kämpfen. Da trifft sie Calvin Evans, seines Zeichens ebenfalls Chemiker, und die beiden verlieben sich innig. Kurze Zeit später jedoch stirbt Calvin. Nun muß die schwangere (aber unverheiratete) Elizabeth allein für sich und ihre Tochter sorgen. Auf diesem Weg kommt sie ans Fernsehen, wo sie eine Kochsendung moderiert, die aber eigentlich eine Sendung über Chemie ist. Das Buch fing superstark an und ließ dann leider stark nach. Vieles, was als vielleicht schrullig-liebenswertes Merkmal gedacht war, hat für mich nicht funktioniert. Leider nur 3/5.
  • Hampton Sides: The Wide Wide Sea – The Final, Fatal Adventure of Captain James Cook. Sachbuch, Bibliothek. Zwischen 1776 und 1780 waren zwei Schiffe, die HMW Resolution und die HMS Discovery, auf den Weltmeeren unterwegs. Kapitän dieser Reise war James Cook. Für ihn war es die dritte große Entdeckungstour – und leider auch seine letzte, denn er wurde 1779 auf Hawaii ermordet. Sides gelingt es, seinen heutigen Lesern das Mindset der Briten zu Cooks Zeiten zugänglich zu machen. Das Buch ist exzellent recherchiert, unterhaltsam geschrieben und bietet darüber hinaus Erklärungsansätze, die nachvollziehbar machen, warum Cook auf Hawaii erst als Gott verehrt und dann brutal ermordet wurde. Sehr interessant! 4,5/5.

Gelesene Bücher im September 2025

  • Vaclav Smil: Wie die Ernährung der Welt wirklich funktioniert. Sachbuch, Bibliothek. Wäre es möglich gewesen, daß die Menschheit so erfolgreich geworden wäre, wenn wir andere Pflanzen zu unseren Hauptnahrungsmitteln gemacht hätten anstatt diverser Getreidesorten? Ist es möglich, daß wir unseren Proteinbedarf bis 2030 tatsächlich größtenteils aus „Fleisch aus der Petrischale“ decken? Sind vegane Ernährung für alle und Biolandbau im großen Stil die Lösung? Diesen und weiteren Fragen geht Smil auf den Grund. Eigentlich sehr interessant, für mich aber mit Vorsicht zu genießen, wenn man bedenkt, daß Smils „größter Fan“ Bill Gates ist. 2,5/5.
  • Paula Hawkins: Die blaue Stunde. Roman, Bibliothek. Jahre nach ihrem Tod wird in einer Installation der Künstlerin Vanessa Chapman ein menschlicher Knochen entdeckt. Als der Kunsthistoriker Becker dem auf den Grund gehen will, muß er sich mit Chapmans ehemaliger Freundin Grace auseinandersetzen, die inzwischen allein auf Chapmans Insel lebt und ihren Nachlaß verwaltet. Mir hat insbesondere das Setting gut gefallen; die Auflösung war schlüssig. 4/5.
  • Liz Nugent: Kleine Grausamkeiten. Roman, Bibliothek. Die drei Brüder William, Brian und Luke wachsen mit einer psychisch kranken Mutter auf und wenigstens einer von ihnen ist ebenfalls psychisch krank. Das Buch erzählt ihre miteinander verwobenen Geschichten über mehrere Jahrzehnte hinweg. William ist erfolgreich als Filmproduzent, Luke als Sänger und später auch als Schauspieler, Brian versucht, sich so gut es geht über Wasser zu halten. Sie tun einander viel an und schaden dabei auch vielen anderen. Am Ende ist einer der Brüder tot – wer es ist und wie es dazu kam, erzählt das Buch. Interessant geschrieben und obwohl man keine echte Sympathie für überhaupt irgendeine Figur empfindet, liest man das Buch atemlos und gespannt. 4/5.
  • Bernhard Kegel: Ausgestorben, um zu bleiben – Dinosaurier und ihre Nachfahren. Sachbuch, Bibliothek. Kegel wirft einen Blick auf die Geschichte der Dinoforschung, auf neuere Erkenntnisse und auch auf die Popkultur, in der sie immer noch gegenwärtig sind. Er beschreibt dabei, wie sich unser Bild von ihnen im Laufe der Zeit durch neue Forschungsergebnisse gewandelt hat. Sehr interessant geschrieben. 4/5.
  • Peter Kohlin und Peter Nyström: Der andere Sohn. John Adderley 1. Thriller, Onleihe. Nachdem John Addderley als Fredrik Adamsson im Rahmen des Zeugenschutzprogramms vom FBI zur schwedischen Kripo gewechselt hat, befaßt er sich mit einem Fall, aus dem er sich eigentlich dringend heraushalten sollte: sein eigener Bruder steht seit zehn Jahren unter dem Verdacht, ein junges Mädchen, das obendrein Erbin eines Modeimperiums war, getötet zu haben. John gelingt es tatsächlich, den wahren Täter zu entlarven, aber der Preis, den er dafür zahlen muß, ist sehr hoch… Mich hat der Roman gut unterhalten, auch wenn mir spätestes nach einer spoilernden Bemerkung der Autoren klar war, wer der Täter sein muß. Sowas finde ich immer schade – vor allem so früh im Buch. 3,5/5.
  • Peter Godfrey-Smith: Der Krake, das Meer und die tiefen Ursprünge des Bewußtseins. Sachbuch, Bibliothek. Der Autor ist Philosoph und begeisterter Taucher. Als er von einem Ort erfährt, an dem sich das ganze Jahr über Kraken aufhalten, taucht er regelmäßig an dieser Stelle – etwas, das seine Arbeit an diesem Buch inspiriert hat. Er betrachtet die gemeinsamen Ursprünge von Krake und Mensch, die Verästelungen in unserem gemeinsamen Stammbaum, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unserer Physis, geht der Frage auf den Grund, woher das Bewußtsein stammt, was es ausmacht und inwiefern sich menschliches und krakisches Bewußtsein unterscheiden. Zuletzt betrachtet er die Frage, warum ein Wesen wie der Krake, das mit einem so komplexen Gehirn ausgestattet ist, nur ein oder zwei Jahre alt wird. Anspruchsvoll und interessant geschrieben. 4/5.
  • Amy Achterop: Tödliche Farben. Die Hausboot-Detektei 4. Roman, Onleihe. Bei einem Nachbarn der Detektivin Maddie sitzt ein Toter in einem gelben Rüschenkleid auf dem Sessel und es wurde ein Bild gestohlen. Natürlich übernimmt die Hausboot-Detektei den Fall! Das Ganze entpuppt sich allerdings bald als Schatzsuche der besonderen Art… Wie alle Bücher dieser Reihe liegt auch hier der Charme in der Truppe an sich, nicht im Fall. Hat mich gut unterhalten. 3/5.
  • Laurie Gilmore: Meet Me In Autumn. Liebesroman, gekauft und im neuen Buchclub gelesen. Jeanie zieht nach Dream Harbor, wo sie das Café ihrer Tante übernimmt. Kurz darauf lernt sie Logan, den „sexy Farmer“ kennen, und obwohl es direkt zwischen ihnen funkt, hakt es hier und da, weil Logan Verlassensangst hat. Am Ende werden natürlich alle glücklich. Das war definitiv ein Buch, das ich mir für mich selbst niemals ausgesucht hätte 🙂 Ich mochte die herbstlichen Vibes, aber die Story war vorhersehbar und langweilig. Ich mag auch keine Erotikszenen, von denen es einige gab. 2/5.

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