Gelesene Bücher im Juli 2022

  • J.D. Vance: Hillbilly-Elegie. Autobiographie, aus der Bibliothek. Vance wuchs als Sohn einer drogensüchtigen Mutter und deren ständig wechselnden Partner in der Arbeiterschicht im ländlichen Ohio auf (seine Familie stammt ursprünglich aus Kentucky, weswegen sie sich selbst als Hillbilly-Familie definiert). Frühe und viele Schwangerschaften, Drogen- und Alkoholsucht, Gewalt, Vernachlässigung und schlechte Bildung sind in diesem Milieu an der Tagesordnung, und doch schafft Vance es, nach seinem High School Abschluß und vier Jahren bei den Marines, in Yale Jura zu studieren und sich selbst so den sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Er schildert in dem Buch sein Leben und welche Faktoren ihm geholfen haben, nicht dieselben Fehler zu begehen wie viele Menschen seiner Herkunftsfamilie und seines Umfelds: einerseits eine Handvoll Menschen, die unerschütterlich zu ihm standen, andererseits aber auch harte Arbeit und Entschlossenheit. Das Buch strotzt nur so vor amerikanischem Gedankengut und war daher für mich ein wenig skurril zu lesen. Da mich aber andere Bücher dieses Jahr (u.a. „Fremd in ihrem Land“ Arlie Hochschild Russell, das ich im Mai gelesen habe) schon auf das Mindset der weißen Unterschicht Amerikas eingeschwungen haben, wußte ich schon ungefähr, was auf mich zukommen würde. Sehr langatmig und daher für mich auch etwas langweilig. 3/5.
  • Astrid Fritz: Die Vagabundin. Historischer Roman, im Bücherschrank gefunden. 1561: Eva entflieht ihrem gewalttätigen Stiefvater zusammen mit ihrem kleinen Bruder. Bettelnd und stehlend schlagen sie sich durch, bis Eva auf die Idee kommt, sich als Schneidergeselle Adam zu verkleiden. Im Laufe der Zeit bringt sie es zu einigem Ansehen und verlobt sich sogar mit einer Frau, doch ihr Mummenschanz fliegt auf und sie wird hingerichtet. Für meinen Geschmack war das Buch zu pessimistisch und rund 150-200 Seiten zu lang. 3,5/5.
  • Matthew Pearl: Der Dante Club. Kriminalroman, gebraucht gekauft. Ende des 19. Jahrhunderts arbeitet ein Kreis von Dichtern und Denkern im Dunstkreis von Harvard an der ersten us-amerikanischen Übersetzung von Dantes Göttlicher Komödie. Da geschehen bestialische Morde und die Professoren und Dichter finden heraus, daß die Strafen, die Dante in seinem Werk schildert, als Inspiration für die Mordmethoden hergehalten haben. Sie beschließen, auf eigene Faust zu ermitteln. Insgesamt liest sich der Roman etwas zäh, was vor allem daran liegt, daß Pearl versucht hat, eine Unmenge an Hintergrundwissen über den Amerikanischen Bürgerkrieg, Dante, Boston und Cambridge und seine an historische Persönlichkeiten angelehnte Figuren unterzubringen. Nach den ersten 100 Seiten löst sich der Knoten ein wenig und dann wird die Erzählung auch wirklich spannend. Ich persönlich fand nur, daß die Auflösung etwas zu früh und auch zu unspektakulär geschieht – da hätte ich mir etwas mehr Haken und Ösen gewünscht. Insgesamt 4/5.
  • Chris Fitch und Matthew Young: Subterranea – Die geheimnisvolle Welt unter der Erde. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die beiden Autoren gewähren Einsicht in weitverzweigte Höhlensysteme, in Kavernen, die mit giftigen Dämpfen gefüllt sind, in Fluchttunnel und Bunker, in Lagerstätten für Saatgut und Eisbohrkerne, in Massengräber und moderne Bestattungszentren, in stillgelegte U-Bahn-Tunnel, ganze Untertage-Städte und allerlei andere unterirdische Orte mehr. Fotos und detaillierte Karten runden das Buch ab. Hat mir total gut gefallen! 4,5/5.
  • Silke Urbanski und Michael Siefener: Totentanz. Historischer Kriminalroman, gebraucht gekauft. 1466, Lübeck: Bernt Notke ist vom Stadtrat beauftragt worden, den Lübecker Totentanz in der Marienkirche zu malen. Kaum hat er die ersten Bilder fertiggestellt, werden in der Stadt mehrere Menschen ermordet, die den Figuren auf den Bildern sehr ähnlich sehen. Hat Notke etwa den Teufel in die Hansestadt gebracht? Zeitgleich muß sich Jordan, der Sohn eines reichen Kaufmanns, zwischen einem gemachten Nest und seinem Lebensglück als Maler an der Seite der Marzipanbäckerin Lucia entscheiden, die gerade ihre beiden Schwestern verloren hat… Klassischer Krimi, der mich insbesondere deswegen angesprochen hat, weil mich die Marienkirche und ihre Geschichte seit gut 25 Jahren beschäftigt und ich Lübeck immer sehr gern besucht habe. Stimmungsvoll, aber nicht besonders raffiniert konstruiert, daher 3,5/5.
  • Jesper Nyström: Planet der Pilze. Sachbuch, aus der Bibliothek. Nyström erzählt von versteinerten Pilzen aus dem Erdinneren, die darauf schließen lassen, daß man auch im Gestein des Mars Pilzversteinerungen finden könnte, von Mykorhizzae in den Wäldern und dem Verhältnis zwischen Pilzen und Bäumen, von Pilzen, die industriell genutzt werden und solchen, die wir Menschen vielleicht in Zukunft nutzen werden. Abgerundet wird das Buch von vielen interessanten Photos. Das Buch ist informativ, aber nicht wissenschaftlich geschrieben. Wer einen ersten Einblick in das Thema sucht, ist hier gut beraten, mir persönlich gefiel „Verwobenes Leben“ von Merlin Sheldrake allerdings besser. 4/5.
  • Neil Ansell: Tief im Land. Nature Writing, aus der Bibliothek. Nach intensiver Reisetätigkeit beschließt Ansell, fünf Jahre allein in einem einsam gelegenen Cottage in Wales zu verbringen. Er berichtet von seinen Arbeiten im und am Haus, von seinen Begegnungen mit Vögeln und anderen Tieren und seinen Wanderungen. Was ich besonders interessant fand, war die Aussage, daß er selbst erwartet hatte, in dieser Zeit viel Gelegenheit zum Reflektieren zu haben, daß er aber stattdessen das Gefühl hatte, sein Selbst zu verlieren. Mir hat das Buch deutlich besser gefallen als die beiden von John Lewis-Stempel, die ich im Juni gelesen habe. 4/5.
  • Ronald Gerste: Wie das Wetter Geschichte macht – Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute. Sachbuch, aus der Bibliothek. Gerste gibt in seinem Buch zahlreiche Beispiele dafür, wie das Wetter bzw. Wetterphänomene die Geschichte beeinflußt haben: ob nun das Scheitern Napoleons bei der Invasion Rußlands oder bei Waterloo, die Befreiung der us-amerikanischen Geiseln im Iran 1980, das „Jahr ohne Sommer“ nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1816 oder das fehlgeschlagene Attentat auf Hitler im November 1939 – das Wetter pfuscht nicht nur in die Politik hinein, es inspiriert Menschen auch zu Kunst und Literatur (wie etwa Turners Bilder oder auch Shelleys Frankenstein), hat großen Einfluß auf unsere Lebenserwartung und kann zum Enstehen und Vergehen von Nationen führen. Informativ und gut zu lesen. 4/5.
  • Jacob Ross: Die Knochenleser. Krimi, aus der Bibliothek. Michael „Digger“ Digson wird von einem Polizisten, der bald in Pension geht, in den Polizeidienst aufgenommen. Er darf sogar nach England fliegen und dort eine forensische Ausbildung durchlaufen. Zurück auf Camaho, einer offenbar fiktiven Insel der Kleinen Antillen, widmet sich Digger zusammen mit der Tochter seines Vorgesetzten einem Cold Case: vor einigen Jahren verschwand ein junger Mann spurlos, doch es stellt sich heraus, daß er nicht der einzige ist. Die Spur führt zu einer sektenartig organisierten Gemeinde… Eigentlich handelt es sich hierbei um einen absolut durchschnittlichen Krimi, doch daß er in einem Milieu spielt, von dem zumindest ich noch nicht viel gehört habe, macht ihn durchaus interessant. Sehr schnell zu lesen, obwohl mich die Slangsprache etwas genervt hat. 3,5/5.
  • Agnès Poirier: Notre Dame – Die Seele Frankreichs. Sachbuch, aus der Bibliothek. Poirier schildert den Brand von Notre Dame und geht dann auf einzelne  ihrer 850jährigen Geschichte ein, wie etwa die Grundsteinlegung, ihr Schicksal nach dem Sturm der Bastille, Napoleons Krönung, ihre umfassende Sanierung unter Eugène Viollet-le-Duc und ihre Bedeutung für Charles de Gaulle. Mir war das Buch etwas zu knapp und leider ließ es auch viele interessante Aspekte außen vor. Dazu muß man den französischen Nationalstolz, der hier und da recht schwülstig aus den Seiten trieft, überlesen können. 4/5.
  • Jochen Dieckmann: Ferner Osten auf der Überholspur. Reisebericht, aus der Bibliothek. Dieckmann fährt zusammen mit seinem Neffen im Camper auf der neuen Seidenstraße von Wuppertal nach China (und eigentlich noch weiter über Laos irgendwo ans Meer). Solche Berichte lese ich normalerweise sehr gern, aber leider erschöpft sich dieser in ellenlangen und schnarchlangweiligen Schilderungen von Pannen und Problemen mit diversen Behörden. Landschaftsbeschreibungen werden knapp eingestreut, weswegen beim Leser keine Reisestimmung aufkommen mag, und Dieckmann hat auch immer viel zu meckern. Zudem hat das Buch ein richtig schlechtes Lektorat gehabt, wenn überhaupt – es gibt sehr viele Rechtschreibfehler und die Landesinfos, die eigentlich zu Beginn eines Abschnitts stehen, wurden auch schon mal vergessen. War nicht mein Fall. 2/5.

Gelesene Bücher im Juni 2022

  • Ha Jin: Nanking Requiem. Roman, aus der Bibliothek. Die fiktive ich-Erzählerin Anling berichtet über die Ereignisse in Nanking während der zweiten Kriegs zwischen Japan und China in den Jahren 1937-41, wo sie am Jinling-Mädchencollege unter der amerikanischen Missionarin Minnie Vautrin (eine historische Figur) arbeitet und hilft, rund 10.000 Flüchtlinge zu versorgen. Der Autor hat das Buch auf Basis von Vautrins Tagebüchern und anderen Berichten von Zeitzeugen verfaßt, aber leider hat er es nicht geschafft, das Grauen von Nanking anschaulich zu beschreiben. Der Erzählstil ist eindimensional und das Buch daher leider echt langweilig. 2/5.
  • C.K. McDonnell: The Stranger Times. Roman, aus der Bibliothek. Nach einer furchtbaren Trennung sucht Hannah nun einen neuen Job. Da sie ungelernt ist, bleibt ihr nur die Möglichkeit, einen Posten bei The Stranger Times anzunehmen, einer Zeitung, die all die Nachrichten bringt, die kein seriöses Blatt veröffentlichen würde: Zombies, Vampire, Außerirdische, … Leider stellt sich aber heraus, daß diese Meldungen durchaus Hand und Fuß haben. Ganz nett, aber da ich Fantasy nicht so gern mag, bekommt es nur 3/5.
  • Kamo, Chōmei: Aufzeichnungen aus meiner Hütte. Philosophische Schrift, aus der Bibliothek. Im 12. Jahrhundert wendet sich Kamo vom höfischen Leben ab, als ihm klar wird, daß er dort keinerlei Karriere machen wird. Mit ungefähr 60 Jahren baut er sich eine kleine Hütte im Wald und lebt fortan im Sinne Buddhas abgekehrt von Anhaftungen und Beziehungen. Ohne das Nachwort hätte ich wohl nur die Hälfte verstanden 🙂 3/5.
  • John Lewis-Stempel: Im Wald. Tagebuch, aus der Bibliothek. Lewis-Stempel hat drei Jahre lang einen Hof samt Wald in Herefordshire bewirtschaftet und berichtet in dem Buch minutiös über sein letztes Jahr dort, über den Wechsel der Jahreszeiten, die zu verrichtenden Arbeiten, über Bäume, Sträucher und alle Tiere, denen er begegnet. Eigentlich sehr schön, aber im Grunde recht belanglos. 3/5.
  • Oliver Pötzsch: Das Mädchen und der Totengräber (Leopold von Herzfeldt 2). Roman, aus der Bibliothek. Im zweiten Fall, den Inspektor Leopold von Herzfeldt in Wien lösen muß, geht es gruselig zu: ein bekannter Professor wird mumifiziert aufgefunden, ein Geist frißt einen Tierpfleger im Löwengehege des Tierparks und ein Serienmörder kastriert junge, schöne Männer, zerstückelt sie und entsorgt sie in der Kanalisation. Natürlich hängen die Fälle zusammen, aber sie Sache ist verzwickt. Dazu kommt, daß Herzfeldt und seine Freundin Julia eine Krise haben, und der Inspektor sich zwischen Schein und Sein entscheiden muß. Auch der Totengräber Augustin Rothmayer und seine Ziehtochter Anna sind wieder mit von der Partie. Hat mir genauso gut gefallen wie der erste Teil der Reihe, allerdings hätte man einen der Täter wahrscheinlich deutlich schneller und mit weniger Umwegen fassen können, wenn man überlegt hätte, wer denn Zugang zum Löwenkäfig gehabt hätte 😉 4,5/5.
  • Cheryl Strayed: Der große Trip. Reisebericht, aus der Bibliothek. 1995, mit 26 Jahren, geht Cheryl einen Teil des Pacific Crest Trail von Kalifornien nach Oregon, um den Tod ihrer Mutter und eine gescheiterte Ehe zu verarbeiten. Sie schreibt von den Strapazen des Trail, von den Menschen, denen sie dort begegnet, und viel Autobiographisches. Genau das hat mich ein wenig gelangweilt, insbesondere weil sie sehr oft schmerzhaft naiv und verantwortungslos ist und viele Menschen in ihrem direkten Umfeld einfach nur durch Wurschtigkeit glänzen. 3,5/5.
  • John Lewis-Stempel: Ein Stück Land. Sachbuch, aus der Bibliothek. Der Autor schildert hier – ähnlich wie in seinem anderen Buch, das ich diesen Monat gelesen habe – das Leben auf dem Hof, den er mit seiner Familie bewirtschaftet. Er erzählt von den Zucht- und Wildtieren, von den anfallenden Arbeiten, von seinen Naturbeobachtungen, dem Wetter und ein paar Menschen, denen er begegnet. Alles in allem zwar stimmungsvoll, für mich aber eigentlich ohne Mehrwert. 3/5.
  • Katja Hübner: Okay, danke, ciao. Sachbuch, aus der Bibliothek. In ihrer Nachbarschaft fällt Hübner der Obdachlose Marc auf, der an einer Psychose leidet. Im Laufe von vielen Monaten freunden sich die beiden an und Marc kann allmählich Hilfe annehmen und so sein Leben Stück für Stück stabilisieren. Ist bestimmt ein wichtiges Buch, insbesondere weil dieser Bericht aufzeigt, wo die Schwachstellen der psychiatrischen Versorgung in Deutschland liegen, allerdings fand ich es nicht besonders interessant geschrieben. 3,5/5.
  • Ralf H. Dorweiler: Der Pakt der Flößer. Historischer Roman, aus der Bibliothek. Die Wolfacher Schiffer bekommen einen Großauftrag von einem Händler aus Amsterdam: sollte es ihnen gelingen, eine riesige Menge Holz bis zu einem bestimmten Datum nach Amsterdam zu flößen, so sollen sie neben dem guten Preis für ihr Holz auch noch eine Prämie erhalten. Der Auftrag jedoch spaltet die Schifferschaft, zumal es ein großes Risiko gibt, denn der Auftraggeber hat zeitgleich eine Schifferschaft aus dem Elsaß mit denselben Vertragsbedingungen geködert. Zwischen den beiden Gruppen entbrennt ein erbitterter Kampf, bei dem auch spioniert und sabotiert wird. Es stellt sich jedoch heraus, daß die größte Gefahr gar nicht von den Flößern ausgeht, sondern von einem ihrer Passagiere, dessen Auftrag etwas mit der schönen Tochter eines kürzlich ermordeten, sehr reichen Händlers aus Amsterdam zu tun hat. Und dann gibt es da noch den Pfarrer Anselm, der einen kleinen Jungen in seiner Obhut hat… Oppulenter Schmöker, für den man sich Zeit nehmen sollte, weil der Autor es eher gemächlich angehen läßt. Bis ungefähr zur Hälfte des Romans hätte ich nur 3 Sternchen vergeben, aber nach dem Beenden des Buchs sind es nun doch 4/5.

Gelesene Bücher im Mai 2022

  • Roger Deakin: Logbuch eines Schwimmers. Tagebuch/Sachbuch, aus der Bibliothek. Deakin, ein passionierter Schwimmer, dokumentiert diverse Reisen auf den Britischen Inseln, die er unternimmt, um vor allem in Flüssen, natürlichen Becken und dem Meer zu schwimmen. Wildes Schwimmen quasi, obwohl er auch durch das eine oder andere künstliche Becken seine Bahnen zieht. Das Buch zu bewerten, fiel mir sehr schwer. Auf seine Weise ist es wundervoll und jeder, der Schwimmen liebt, sollte wohl mal reinlesen. Andererseits liest sich das Buch total zäh, wenn man die Orte nicht kennt oder wenn einem die (literarischen) Personen nichts sagen, auf die Deakin ständig anspielt. Insgesamt gebe ich dem Buch nur 3,5/5, weil ich mich doch eher durchgekämpft habe (wenn ich anfange, mir zwei Kapitel pro Tag als Pflichtlektüre einzuteilen, damit ich das Buch auch tatsächlich gelesen kriege, ist es halt kein richtiger, freier Genuß).
  • Huw Lewis-Jones und Kari Herbert: Kosmos großer Entdecker. Tagebuch-/Skizzenbuchanthologie, aus der Bibliothek. In diesem Buch werden Forscher und Entdecker der letzten 500 Jahre kurz porträtiert und es gibt viele Abbildungen von Seiten aus Skizzen- und Tagebüchern. Eine wirklich schöne Zusammenstellung. 4,5/5.
  • Cord Riechelmann: Krähen. Sachbuch, aus der Bibliothek. Das Buch erzählt (leider recht komprimiert) von Krähenvögeln, ihrer Biologie, ihrer Mythologie und auch ihres oft sehr schwierigen Zusammenlebens mit den Menschen. Hätte gern ausführlicher und länger sein dürfen. 4/5.
  • David Ulin: The Lost Art of Reading. Essay, aus der Bibliothek. Ulin verdient seine Brötchen durch Lesen, hat aber trotzdem bei sich selbst festgestellt, daß er immer wieder von Handy und Computer abgelenkt wird. Grund genug für ihn, ein flammendes Essay für das analoge Lesen von physischen Büchern zu schreiben. Ulin war übrigens einer der Autoren, auf die Maryanne Wolf sich in ihrem Buch „Schnelles Lesen, langsames Lesen“ bezogen hat. 4/5.
  • Linda Castillo: Dein ist die Lüge (Kate Burkholder 12). Krimi, aus der Bibliothek. Kate Burkholder wird bei diesem Fall mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, als ihre frühere Freundin und Kollegin Gina Colorosa aus Columbo plötzlich in Painter’s Mill auftaucht. Kollegen verfolgen sie, wollen sie womöglich töten, weil sie etwas über sie weiß, das die Männer Kopf und Kragen kosten könnte. Die beiden Frauen kommen bei Adam, einem Amischen, und dessen Familie unter, während ein ungewöhnlich schwerer Schneesturm tobt… Solide und wie immer nett zu lesen, aber ohne Überraschungen 3/5.
  • Marie Brunntaler: Wolf. Roman, aus der Bibliothek. Eines Nachts taucht in einem Kloster im Südschwarzwald ein junger Mann auf, der alle mit seiner Schönheit bezaubert. Der Abt würde ihn gern zum Medicus ausbilden, muß ihn jedoch erst einmal in einem nahegelegenen Kaff Dorf unterbringen, wo der Schönling für viel Herzeleid und Verwirrung sorgt. Was so seicht klingt, entpuppt sich – Achtung, Spoiler! – als perfider Racheplan eines Krüppels. Las sich ganz nett, war aber nix Besonderes. 3/5.
  • John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama. Roman, aus dem Bücherschrank. Ich weiß, daß viele diesen Holocaust-Roman als sehr heftig und anrührend empfinden. Mich hat er von vorn bis hinten genervt. Die Hauptfigur Bruno ist strunzdumm und weder er noch irgendeine andere Figur kriegt es auf die Kette, auch nur ein einziges Mal konkret zu kommunizieren. Daß der Autor versucht, die Perspektive des Kindes einzunehmen, geht nach allen Regeln der Kunst in die Hose: das Buch ist richtig schlecht geschrieben. In meinen Augen soll der Roman im Leser Mitgefühl herbeimanipulieren und so Bücher landen bei mir im Müll. Bin richtig angepisst. 0,5/5.
  • Arlie Russell Hochschild: Fremd in ihrem Land – Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten. Sachbuch, aus der Bibliothek. Hochschild, die im liberalen Berkeley lebt und lehrte, hat für dieses Buch Freundschaften zu Menschen aus dem republikanischen Louisiana geknüpft, mit ihnen über die Ölindustrie, den Staat, soziale Gerechtigkeit und auch über Trump (vor seiner Präsidentschaft) geredet, hat sie zu ihren Kirchen begleitet, mit ihnen gegessen und geangelt. Herausgekommen ist ein Buch, das zu erklären versucht, in welchem Dilemma sich die weißen Rechten in den USA befinden, woher ihr Mißtrauen dem Staat und einer multinationalen Gesellschaft gegenüber herrührt und was man tun könnte, um wieder einen Dialog in den zutiefst gespaltenen USA in Gang zu setzen. Ein sehr empathisches, menschliches Buch, hat mir gut gefallen. 4,5/5.
  • Zora del Buono: Das Leben der Mächtigen – Reisen zu alten Bäumen. Sachbuch, aus der Bibliothek. Del Buono reist in die USA und an verschiedene Orte in Europa, um die ältesten Bäume der Welt zu besuchen und mit Menschen zu sprechen, die mit diesen Bäumen leben oder sie pflegen. Leider gefiel mir die Schreibweise nicht so gut (mehr Satzenden wären wünschenswert gewesen) und auch die Bilder, jeweils zwei pro Baum, waren sehr amateurhaft und farblos. 3,5/5.
  • Ralf H. Dorweiler: Der Gesang der Bienen. Mittelalterroman, aus der Bibliothek. Der Zeidler Seyfriend, Elsbeth, seine heilkundige Frau, und ihre drei Kinder leben im Wald, wo er ihren Lebensunterhalt mithilfe der Bienen bestreitet. Eines Tages gibt der Medicus ein Mädchen bei Elsbeth ab, an dem er eine unsachgemäße Abtreibung vorgenommen hat, woran es trotz Elsbeths Bemühungen stirbt. Es stellt sich heraus, daß das Mädchen die Tochter eines Fürsten war, der nun auf Rache sinnt: Elsbeth soll geköpft werden. Um sie zu retten, macht sich Seyfried auf den Weg nach Bingen, wo Äbtissin Hildegard gerade ihr Kloster bauen läßt. Er hofft auf ihre Fürsprache, doch umsonst ist diese nicht. Seyfried hat mehrere Aufgaben zu erfüllen, die ihn bis an den Hof Barbarossas bringen. Kann er seine Frau und seine Kinder retten? Zeitgleich haben seine beiden ältesten Kinder mit der Willkür und Grausamkeit der Menschen am Hof des Fürsten zu tun, in deren Obhut Seyfried sie zurücklassen mußte. Dieser Roman hat wirklich alles, was man sich von einem Mittelalterschmöker wünscht! Habe ich sehr gern gelesen. 4,5/5.
  • Véronique Olmi: Meeresrand. Roman, aus der Bibliothek. Wenigstens ein einziges Mal sollen ihre beiden Söhne das Meer sehen, hat sich die ich-Erzählerin geschworen, doch diese Reise wird auch die letzte für die beiden Kinder einer tief depressiven Frau sein. War mir zu depressiv :uups: 3/5.
  • Robert Macfarlane: Alte Wege. Reisebuch, aus der Bibliothek. Macfarlane macht sich auf die Suche nach alten Wegen, geht entlang der Kreidepfade in Südengland, streift auf der Isle of Lewis umher, schippert auf abgelegene schottische Inseln, wandert in den Bergen im Herzen Spaniens und schlittert auf vereisten Viehtritten durch den Himalaya. War gut zu lesen. 4/5.

…und gehört habe ich:

  • Eva García Sáenz: Die Rituale des Wassers. Zweiter Teil der Inspektor-Ayala-Reihe, aus der Bibliothek. In diesem Fall sieht sich Inspektor Ayala mit rituellen Morden an jungen, schwangeren Frauen oder ihren Partnern konfrontiert. Hätte interessant sein können, aber daß auch dieser Fall wieder persönlich mit Ayala verknüpft ist und daß auch wieder seine Familie in Gefahr kommt, fand ich doof. 3/5.
  • Eva García Sáenz: Die Herren der Zeit. Dritter Teil besagter Reihe, aus der Bibliothek. In diesem Teil ging es – surprise! – auch wieder um die Familie des Inspektors, konkret gesagt um seine Vorfahren, seine Verwandten in Vitoria, aber auch um seine Tochter und seine Partnerin, seine Schwiegermutter und seinen Großvater. Diesmal werden zwei Geschichten parallel erzählt: die von einem Conde Vitorias im ausgehenden 12. Jahrhundert und eben die von Inspektor Ayala, der Morde aufklären muß, die mittels mittelalterlicher Tötungsmethoden vollzogen wurden. Spoiler: daß die Autorin hier so völlig beliebig mit Diagnosen wie Psychopathologie und DIS umgeht, hat mich extrem genervt. Nein, eine DIS wird nicht dadurch ausgelöst, daß man Besuch von seinem Neffen kriegt, und nein, sie verschwindet auch nicht einfach durch einen Schlag auf den Kopf, lol! War echt richtig doof. Auch die ganzen kleinen und großen Dramen zwischen den Figuren nerven allmählich. Daß Ayala am Ende seine Marke niederlegt, finde ich ziemlich gut, und für mich muß es da auch nicht weitergehen. 1/5.

Gelesene Bücher im April 2022

  • Hans Jürgen Balmes: Der Rhein – Biographie eines Flusses. Sachbuch, aus der Bibliothek. Von seinen Quellen bis zu seiner Mündung bereist Balmes den Rhein. Er erzählt von den Menschen, die dort leben oder gelebt haben, von historischen Ereignissen an seinen Ufern, von Tiern und Pflanzen, von Stromschnellen und Felsen. Ein sehr reichhaltiges Buch, das man nicht mal eben runterliest. Ich hätte es wahrscheinlich mehr genossen, wenn Balmes weniger um poetische Sprache mit diesem typisch anklagend-leidenden Unterton bemüht gewesen wäre. So nur 4/5, sonst wäre es die volle Punktzahl gewesen.
  • Christoph Elbern: Hafenmörder. Krimi, geschenkt bekommen. Carl-Jakob Melcher, seines Zeichens Bakteriologe, wird von seinem Freund, dem Polizisten Martin, zu den Ermittlungen in einem Mordfall herangezogen: in Hamburg wird ein Mann ermordet, der Cholera hat (der Roman spielt 1904). Melcher und seinem Freund geht im Laufe der Zeit auf, daß es sich tatsächlich um einen Serienmörder handelt, und die Ermittlungen führen die beiden bis nach Stettin. Melcher hat aber auch mit seinem Privatleben viel zu tun, denn er hat sich in das Dienstmädchen seiner Tante verliebt, doch zwischen der und seinem Onkel besteht auch ein mysteriöses Band… Obwohl sich der Roman flüssig las, ist bei mir der Funke nicht übergesprungen. 3/5.
  • Sir Gawain und der Grüne Ritter. Erzählung, aus der Bibliothek. Nachdem mein Mann und ich den Film geguckt hatten, der uns zwar eigentlich ganz gut gefiel, der aber die Geschichte in verzerrender Weise umgeschrieben hatte, habe ich das Buch nochmal gelesen (an der Uni hatte ich es in Versform gelesen, jetzt die Prosa-Ausgabe mit einem Essay von J.R.R. Tolkien). War wie immer nett. 4/5
  • Kenneth Grahame: Der Wind in den Weiden. Märchen, vor vielen Jahren gekauft. Eigentlich ist die Geschichte über die Tiere, die am Fluß leben, ganz reizend – wenn nicht der blöde Kröterich wäre 🙁 So gebe ich diesem Klassiker auch im Re-Read nicht mehr als 3/5. Kommt in den Bücherschrank.
  • Laura Spinney: 1918 – Die Welt im Fieber. Sachbuch, aus der Bibliothek. Spinney porträtiert in ihrem Buch die Spanische Grippe, deren Verlauf und geographische Ausdehnung, ihren Einfluß auf Politik, Forschung und Kunst und gibt auch einen (ziemlich gruseligen) Ausblick darauf, wie künftige Pandemien gehandhabt werden könnten. Das Buch erschien übrigens vor Corona und in diesem Zusammenhang liest es sich nochmal etwas beklemmender. 4/5.
  • Edward Abbey: Die Einsamkeit der Wüste. Sachbuch, aus der Bibliothek. In den 50er-Jahren arbeitete Abbey mehrere Sommer im Arches Nationalpark in Utah. In seinem Buch schildert er die karge und sich erst auf den zweiten Blick erschließende Landschaft, seine Begegnungen mit den wenigen Menschen, die dort wohnen und arbeiten, seine Gedanken über die touristische Erschließung der Nationalparks und die Tier- und Pflanzenwelt. Das Buch in ein Genre einzuordnen, ist ein wenig schwierig, weil neben den Landschaftsbeschreibungen auch viele sozialkritische und philosophische Gedanken einfließen. Ein wuchtiges, poetisches Stück Prosa. 5/5.
  • Christian Rupprecht: Churros um Mitternacht. Sprachlernbüchlein, Bibliothek. Eine nette Urlaubsgeschichte mit 200 spanischen Wendungen und deren Übersetzung, für Anfänger. Im Grunde völlig belanglos. 1/5.
  • Niklas Natt och Dag: 1793. Thriller, aus der Bibliothek. In Stockholm findet der Häscher Jean Michael Cardell eine stark verstümmelte Leiche und begibt sich zusammen mit dem schwindsüchtigen Juristen Cecil Winge auf die Suche nach dem Mörder. Zeitgleich wird die Geschichte von Anna Stina Knapp erzählt, einer jungen Frau, die unverschuldet im Spinnhaus, einer Art Besserungsanstalt für Frauen, landet. Düstere Geschichte, die mich mit ein paar Fragezeichen zurückgelassen hat. Ich fand keine der Figuren sympathisch. 4/5.
  • Marion Poschmann: Die Kieferninseln. Roman, aus der Bibliothek. Gilbert träumt, daß seine Frau ihn betrogen hat, und flüchtet nach einem Streit nach Tokyo, soweit weg er eben nur kann. Dort rettet er dem jungen Yosa am Bahnhof das Leben und entscheidet, gemeinsam mit diesem und inspiriert von den Gedichten des Pilgerdichters Bashō einen besseren Ort für dessen Selbstmord zu suchen und auf sich auf dieser Reise mit sich selbst zu konfrontieren. Bis hierher klingt das Buch sowas von gut! Und dann quält man sich 164 Seiten durch eine belanglose, groteske Erzählung, wird genervt von den beiden Protagonisten und ihrer Nöligkeit, und am Ende bleibt alles einfach nur vage. Keine Ahnung, vermutlich habe ich mal wieder Poesie und Tiefgang verpennt, aber mich hat das Buch nur genervt. Das Beste, was man darüber sagen kann, ist, daß es sich mit gerade mal 164 Seiten schnell lesen läßt und man sich nicht allzu lang herumärgern muß. 1/5.
  • Michael Finkel: Der Ruf der Stille. Biographie (?), aus der Bibliothek. Finkel berichtet in seinem Buch von Christopher Knight, der 1986 mit 20 Jahren im Wald verschwand und erst 27 Jahre später wieder auftauchte. In der Zwischenzeit lebte er allein im Wald, sprach mit niemandem, las viel und bestritt seinen Lebensunterhalt durch rund 1000 Einbrüche in Ferienhütten. Finkel hat es in meinen Augen versäumt, diese spannende Geschichte mit Mehrwert aufzuarbeiten (immerhin geht er darauf ein, daß Knight vermutlich Autist ist), daher nur 3,5/5.
  • Michael Puchner: Die Sprache der Vagabunden. Sachbuch, aus der Bibliothek. Eigentlich ist der Titel irreführend. Er sollte heißen: Michael Puchner hat ein schlechtes Gewissen, weil sein Opa Nazi war, und schreibt auch ein bißchen über Rotwelsch. Mir hat das Mißverhältnis zwischen der für mich völlig uninteressanten Familiengeschichte Puchners und den Informationen über Rotwelsch überhaupt nicht gefallen. 1/5.
  • Jérôme Loubry: Der Erlkönig. Thriller, aus der Bibliothek.  1949 werden die Leichen von zehn ertrunkenen Kindern an den Strand der Normandie gespült. Die Kinder stammen aus einem Ferienlager, welches auf einer der Küste vorgelagerten Insel errichtet wurde, um den Kindern, die alle den Krieg miterlebt haben, zu erlauben, psychisch zu gesunden. 1986 erfährt Sandrine, daß ihre Großmutter Suzette, die auf besagter Insel gearbeitet hat, verstorben ist und ihr alles hinterlassen hat, so daß Sandrine auf die Insel reist, wo sie die Leute kennenlernt, die damals auch mit den Kindern gearbeitet haben. Alle verhalten sich total merkwürdig und faseln vom Erlkönig, der die Kinder holen wird. Sandrine entkommt aber irgendwie und wird von der Polizei blutüberströmt aufgegriffen. Nun müssen der Polizist Damien und eine Psychologin Sandrines Geschichte entwirren, [Spoileralarm!] die in ein altes Bauernhaus führt, wo Sandrine viele Jahre gefangen gehalten wurde, bis sie sich mit ihrem Entführer verbündet und mit ihm gemeinsam weitere Kinder entführt. Ja, und dann, auf S. 394 von 396 stellt sich heraus – April, April! Verarscht! Das alles fand nur im Kopf von dem Polizisten statt, der nicht verkraftet hat, daß seine eigene Tochter entführt und ertränkt wurde. Es gibt gar keine Insel, keine Sandrine und auch keine anderen Kinder. Jahaha! Boar, ich hasse es, wenn Autoren so einen Schrott zusammenschmieren :evil: Dazu kommt noch, daß Loubry ein paar seiner Figuren falsch benennt, z.B. ist ein Victor kurzzeitig mal ein Vincent. Schlechtes Lektorat also auch noch. Das Buch hat mich richtig genervt. Da ich aber alle meine Bücher bei der Bewertung in Relation zueinander setze, bekommt es 2/5 Punkten. Grr!
  • Felix Bernhard: Dem eigenen Leben auf der Spur. Reisebericht, gebraucht gekauft. Bernhard schildert in dem Buch seine Pilgerreise im Rollstuhl auf der Vía de la plata, also von Südspanien nach Santiago. Meiner Ansicht nach verläßt er sich beim Pilgern viel zu sehr auf die Hilfe anderer und wenigstens ein Mitpilger hat ihm dafür auch die Meinung gesagt. Außerdem geht es viel um seine Behinderung, seine Familie und die Arbeit – Themen, die mich überhaupt nicht interessieren. Bernhard wirkt auf mich sehr unreif. Alles in allem 2/5. Kommt in den Bücherschrank.
  • Mats Wahl: Kaltes Schweigen. Jugendkrimi, aus dem Bücherschrank. Sirr, ein Junge mit Migrationshintergrund, wird erschossen aufgefunden. Inspektor Fors und sein Team ermitteln und bald schon zeigt sich, daß Sirr nicht nur gedealt, sondern auch geklaut und seine Mitschüler gemobbt hat. Für einen Jugendkrimi sehr solide und wer das typische skandinavische Elend mag, ist hier gut beraten. 3/5. Kommt wieder in den Bücherschrank.

Und gehört habe ich:

  • D.B. John: Stern des Nordens. Die Zwillingsschwester von Jenna wurde nach Nordkorea verschleppt – das ist nun fast 20 Jahre her, doch Jenna hat die Suche nach ihr immer noch nicht aufgegeben. Da bietet ihr das CIA eine Stelle an… Zäher, mühsamer Plot, Charaktere ohne Identifikationspotential und alles in allem eine überflüssige Story. Hätte Dietmar Wunder nicht gelesen, hätte ich abgebrochen. 2,5/5.
  • Eva García Sáenz: Die Stille des Todes. In Vitoria geht ein Serienmörder um, der seine Opfer nach dem Vorbild einer Steinmetzarbeit in einer alten Kapelle ablegt. Inspektor Ayala und sein Team ermitteln. Solide und ich mochte, daß der Thriller in Vitoria spielt ♥ 4,5

Gelesene Bücher im März 2022

  • Ute Packheiser: Das Voynich-Manuskript. Roman, selbst gekauft. Okay, wenn man sich in der Faktenlage zum Voynich-Manuskript auskennt, erwartet man von einem Roman zu dem Thema jetzt nicht die Welt, doch ich hätte mir gewünscht, daß die Autorin sich etwas mehr einfallen ließe, als daß eine Analphabetin den Text verfaßt, zufällig fehlerfrei, aber eben nicht lesbar. Stöhn. Die beiden anderen Plots waren leider auch nicht viel besser: 1912 begleiten wir Voynich beim Auffinden des Textes und werden dann die nächsten 300 Seiten eigentlich nur noch mit seinen Ehestreitigkeiten mit seiner Frau Ethel „unterhalten“ und 2012 forschen wir mit dem deutschen Journalisten Paul am Codex, der sich mühsam seine Infos zusammenkratzen muß, die er auch einfach bei Wikipedia hätte nachlesen können. Stöhn! Die Figuren agieren total hölzern, die Dialoge sind oftmals unfreiwillig komisch bis absurd, und man wartet eigentlich nur darauf, daß endlich mal was passiert. Ein sorgfältigeres Lektorat hätte man dem Text auch gewünscht. 2/5.
  • Hilde Schmölzer: A schöne Leich – Der Wiener und sein Tod. Sachbuch, aus der Bibliothek. Schmölzer erzählt von der Anlage des Wiener Zentralfriedhofs, der dann 1874 eröffnet wurde, von den pompösen und extrem kostspieligen Bestattungen für die Reichen und den mehr oder weniger anonymen Beisetzungen in Schachtgräbern für die Armen, von Mumien in St. Michael und der Kaisergruft und vom zwiespältigen Verhältnis der Wiener zum Tod. Sehr interessant! 4/5.
  • Stuart Turton: Der Tod und das dunkle Meer. Roman, aus der Bibliothek. Im Jahr 1634 soll das Schiff Saardam den Generalgouverneur von Batavia (Indonesien) und seine Familie nach Amsterdam bringen. Mit an Bord ist der brilliante Ermittler Samuel Pipps – allerdings in Ketten gelegt und in eine winzige Zelle eingesperrt. Noch vor Beginn der Reise wird das Schiff von einem Aussätzigen verflucht, der im Anschluß an seinen Fluch in Flammen aufgeht und von Pipps Freund und Leibwächter Arent Hayes aus Barmherzigkeit von seinen Qualen erlöst wird. Direkt nach Beginn der Reise häufen sich merkwürdige Vorfälle: okkulte Zeichen werden an vielen Orten entdeckt, das mitgebrachte Vieh wird ermordet, ein Aussätziger geht auf dem Schiff um und des nachts hört man die Stimme eines Dämons, des Alten Tom, auf Seelenfang gehen… Das Buch wird meiner Meinung nach zurecht als Krimi gehandelt. Es liest sich schön flüssig und ist sehr unterhaltsam, allerdings kann man nach etwa einem Drittel schon wissen, wer für den Spuk verantwortlich ist, wenn man genau liest und mitdenkt. Das Ende fand ich nicht ganz befriedigend, obwohl die Auflösung logisch war. Alles in allem verdiente 4,5/5.
  • Jane Elliott: Ausgeliefert. Biographie, aus dem Bücherschrank. Jane ist vier Jahre alt, als sie aus einer Pflegefamilie genommen und zu ihrer Mutter und deren neuem Ehemann gebracht wird. Mehr als 17 Jahre lang ist sie von da an systematischem Terror und Mißbrauch ausgesetzt, bis sie es endlich schafft, sich ihrem Mann anzuvertrauen und rechtliche Schritte einzuleiten. Schön zu lesen ist so ein Buch gewiß nicht, aber die Geschichte von Jane macht Mut. 3/5.
  • Simon Winchester: Der wilde Strom – Eine Reise auf dem Jangtse. Reisebericht, aus der Bibliothek. Winchester bereiste 1995 den Jangtse von der Mündung zu einer seiner Quellen, teils mit dem Schiff, teils aber auch entlang des Ufers im Auto oder Bus. Er erzählt von Politik und Revolutionen, vom unmenschlichen Umgang Chinas mit seinen Bürgern und der Umwelt, insbesondere auch hinsichtlich des damals im Bau befindlichen drei-Schluchten-Damms, von den Interessen Europas und den Mandarinen. So entfaltet sich ein sehr facettenreiches Bild von China und seinem wichtigsten Strom. 4,5/5.
  • Marcus Paudler: „Schwule sind doch immer nett…“. Biographischer Roman, geschenkt bekommen. Ich verkürze mal die Rezension auf das Notwendige: es ist furchtbar. 0,5/5.
  • Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage. Roman, geschenkt bekommen. Eigentlich ist es gar nicht richtig, daß ich dieses Buch im März gelesen habe, denn tatsächlich habe ich fast neun Monate dafür geackert, um es gelesen zu bekommen. Auf der Handlungsebene passiert nicht viel oder quasi nichts: drei Kinder und ihre Familien werden vierzig Jahre lang begleitet, während halt ihr Leben stattfindet. Mal passieren gute Sachen, mal nicht, mal kriegt man auch raus, daß ein Elternteil untreu war oder irgendwo ein Sack Reis umgekippt ist. Der Erzählstil ist wundervoll poetisch und wäre das Buch nur 200 Seiten lang gewesen, hätte es mir eine angenehme Leseerfahrung bereitet. Aber mit seinen 540 Seiten ist das Buch einfach zu lang und zu langweillig. Ich hatte über weite Strecken das Gefühl, die ich-Erzählerin würde mir mit ihren künstlich in die Länge gezogenen Sätzen ein Ohr abkauen, und das strapazierte meine Geduld schon sehr. Alles in allem habe ich es nur gelesen, weil ich ergründen wollte, warum es viele für ein so tolles Buch halten, aber die Zeit hätte ich besser in was anderes investiert. Verschnarchte 1/5.
  • Maryanne Wolf: Schnelles Lesen – langsames Lesen: warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen. Sachbuch, aus der Bibliothek. Wolf erklärt, wie Lesen auf physischer, neuronaler Ebene funktioniert und welcher wichtige Unterschied zwischen dem Lesen von Büchern und dem Lesen digitaler Medien besteht. Sie zeigt auf, wie sich unsere Aufmerksamkeitsspanne im Laufe unseres Leser-Lebens verringert und formuliert daraus Thesen für künftige Generationen von Lesern. Uns, die wir heute schon (oder noch?) Bücher lesen, kommt dabei laut Wolf die Aufgabe zu, künftigen Generationen das „zwiefache Lesen“, wie sie es nennt, beizubringen. Ein wundervolles Buch. Klug und interessiert geschrieben, ist es doch auch eine Ode an das Lesen an sich. 5/5.
  • Karen Dionne: Rabentochter. Thriller, aus der Bibliothek. Rachel befindet sich seit 15 Jahren in einer psychiatrischen Klinik, weil sie davon überzeugt ist, im Alter von elf Jahren ihre Eltern erschossen zu haben. Als der Bruder eines anderen Patienten, ein angehender Journalist, um ein Interview mit ihr bittet, beginnt sie, ihre Geschichte zu hinterfragen. Parallel zu Rachel erzählt deren Mutter Jenny die Geschichte ihrer Familie, von ihren beiden Töchtern, ihrer eigenen Schwester und den Verwicklungen, die am Ende zu ihrem Tod und dem Tod ihres Mannes führen. Im Grunde gibt es keine Überraschung, aber das Buch ist dennoch unterhaltsam. Logiklücken kann man einfach überlesen (vielleicht außer einer: Rachel betont mehrmals, daß sie Vegetarierin ist, und futtert dann eine Dose Hühnersuppe, nur um wenige Seiten später wieder zu sagen, daß sie ja Vegetarierin ist und gar nicht mehr weiß, wie Fleisch schmeckt, bevor sie sich Speck in die Pfanne haut :mrgreen:). 3/5.
  • Jessica Bruder: Nomaden der Arbeit – Überleben in den USA im 21. Jahrhundert. Sachbuch, aus der Bibliothek. Bruder hat die modernen Nomaden Amerikas, die sich meist aus der Mittelschicht rekrutieren und in Vans leben, weil sie sich die Mieten oder Hypotheken nicht mehr leisten können, über einen Zeitraum von mehreren Jahren begleitet und dabei viele interessante Menschen und Orte kennengelernt. Dennoch ist ihr Buch keine Abenteuerlektüre, sondern vielmehr ein knallhartes Porträt der Wirklichkeit von Millionen von Menschen, die sich in einem der reichsten Länder der Welt abgehängt und ungewollt fühlen. Sehr berührend, einfühlsam und für mich dann doch auch abenteuerlich zu lesen. 4,5/5.

Gelesene Bücher im Februar 2022

  • Hape Kerkeling: Pfoten vom Tisch! Sachbuch/Biografie, aus der Bibliothek. In seinem Buch erzählt Kerkeling von seinen eigenen Katzen und streut dabei Wissenswertes über Katzen im Allgemeinen ein. Unterhaltsam zu lesen, aber im Grunde absolut banal und irrelevant. 3/5.
  • TJ Klune: Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte. Roman, aus der Bibliothek. Linus Baker arbeitet bei der BBMM, der Behörde für die Betreuung magischer Minderjähriger. Er erhält einen Sonderauftrag: einen Monat lang soll er das Waisenhaus, welches von Arthur Parnassus geführt wird, sowie die dort ansässigen Kinder samt des Heimleiters beobachten und eine Empfehlung darüber aussprechen, wie die Behörde mit dem Waisenhaus verfahren soll. Er ist auf alles gefaßt, denn immerhin ist auch Lucifer, der Sohn Satans, dort zuhause. Worauf er nicht gefaßt ist, sind jedoch die warmherzigen Menschen, denen er dort begegnet, und der Mann, der ihm den Kopf verdreht… Der Roman hat mich gut unterhalten und zugleich mit seinen Plattitüden über eine offene Gesellschaft zutiefst genervt. Das ist das erste Mal, daß es mir wirklich richtig schwerfällt, eine Bewertung abzugeben. Irgendwas zwischen 2,5 und 4 von 5 🙂
  • Ian Urbina: Outlaw Ocean. Geschenkt bekommen. Urbina ist Journalist bei der New York Times und bereist die ganze Welt, um über die Ozeane zu berichten. In diesem Buch schreibt er von Sklaverei auf See, von Menschenraub, Verklappung, Waffendepots auf Schiffen, Walfang, dem Problem der verrostenden Ölplattformen und vielen anderen, drängenden Themen. Mir war überhaupt nicht klar, was für ein quasi-rechtsfreier Raum die Ozeane sind. Ein verstörendes, aufrüttelndes und sehr wichtiges Buch. 4,5/5.
  • Heinz W. Katzenmeier: Hole World. SciFi-/Wissenschaftsthriller, geschenkt bekommen. In einem technischen Institut arbeitet Arnim Meier an einem Verfahren, das unbegrenzt saubere Energie liefern soll, doch direkt nach einem Versuch kippt er tot um. Sein Kollege Pete und dessen Freundin Susanne wollen seinen Tod aufklären und entdecken dabei ein Loch im Raum. Wenig später zeigt sich, daß das Loch erschreckend viel Luft einsaugt und dabei auch noch wächst… Das Buch hat mich gut unterhalten, doch fehlte mir ein Bösewicht oder wenigstens ein echter Gegenspieler für Pete. Personen wurden teilweise erst sorgfältig eingeführt und kamen auf einmal nicht mehr vor. Alles in allem gut, aber unausgereift. Hätte gern komplexer und damit auch länger sein dürfen. 3,5/5.
  • Philip Hoare: Leviathan oder Der Wal – Auf der Suche nach dem mythischen Tier der Tiefe. Sachbuch, aus der Bibliothek. Die Idee, die Hoare mit seinem Buch verfolgt, finde ich sehr ansprechend: er porträtiert Wale bzw. „den Wal“ an sich, seine Nutzung durch den Menschen und inbesondere auch seine Darstellung in Melvilles Moby Dick. Das Problem ist nur, daß Hoare so eine Art eierlegende Wollmilchsau schaffen wollte. Er schweift immer wieder ab, nimmt Fäden auf, läßt andere fallen. Auf einmal ist seine sterbende Mutter ein Thema, dann wieder Melville, dann dessen vielleicht homosexuelle Beziehung zu Nathaniel Hawthorne. Dieses Gespringe ist anstrengend. Dazu kommt, daß Hoare einen leidenden Ton anschlägt, der mir ziemlich schnell auf die Nerven geht. Alles in allem daher leider nur 2/5.
  • Jürgen Kasten: Begraben in Wuppertal. Krimi, gekauft. Warum schießt jemand auf den alten Lehrer Kotthausen, der in den Hardthöhlen unter Wuppertal nach dem Bernsteinzimmer suchen möchte? Als Kommissar Fiebig und seine Kollegin Elke den Fall untersuchen, finden sie zwei Skelette in den Hardthöhlen, offenbar von jungen Mädchen, die seit über 15 Jahren vermißt werden. Unterhaltsamer Wuppertal-Krimi. 3,5/5.
  • Michael Malicke: Dunkle Geschichten aus Wuppertal. Sachbuch, gekauft. Malicke berichtet in seinem Buch über allerlei Wissenswertes aus dem Tal, z.B. warum der Ölberg so heißt, wann die ersten elektrischen Straßenlampen angeschafft wurden, von einem spektakulären Ausbruch aus dem alten Gefängnis und vielem mehr. Lesenswert, aber stilistisch etwas holprig. 4/5.
  • Sarah Marquis: Allein durch die Wildnis. Reisebericht, aus der Bibliothek. Marquis erzählt von ihrem Marsch, der sie von Sibirien nach Australien führt. Zweieinhalb Jahre zu Fuß, ein Mammutunternehmen. Ich hätte mir gewünscht, daß man mehr Einblicke in die inneren Prozesse der Wanderin erhält. Was mich etwas irritiert hat, waren die ständigen und sehr leidenschaftlichen Plädoyers für Vegetarismus und gegen das Essen von Tieren, weil doch jedes Tier Gefühle habe, die im Hinweis gipfelten, welche Fische denn ganz besonders lecker seien und sich gut angeln lassen. Hö? 3/5.
  • Stefan Gödde: Nice To Meet You Jerusalem. Reiseführer, aus der Bibliothek. Gödde nimmt den Leser an einige seiner Lieblingsplätze in Jerusalem mit: auf das Dach des Österreichischen Hospizes, in die uralte Kanalisation unter der Davidstadt, in einen der ältesten Tattoo-Läden der Welt, in ein multikulturelles Restaurant und an viele andere Orte mehr. Das Buch ist nett geschrieben und bietet auch noch eine Menge Interviews und zusätzliche Tips. 4,5/5.
  • Sören Urbansky: An den Ufern des Amur – Die vergessene Welt zwischen China und Rußland. Sachbuch/Reisebericht, aus der Bibliothek. Eigentlich kann man sich keinen besseren Reiseführer für Nordostasien wünschen, denn Urbansky hat sowohl in Rußland als auch in China studiert und spricht beide Landessprachen. Seine Reise führt ihn von Irkutsk mäandernd nach Wladiwostok, wobei er immer wieder die Grenze zwischen Rußland und China überquert und mit vielen Bekannten und Unbekannten ins Gespräch kommt. Trotzdem ist der Bericht einfach unfaßbar dröge und langweilig zu lesen – sehr schade, aber um es mit Urbanskys eigenen Worten zusammenzufassen: „So viel Trübsinn“ (S. 312). Für mich als westlichen Leser bleibt nur ein Fazit: der Region ist eigentlich nicht mehr zu helfen und die Menschen gehen dort an Wurschtigkeit ein – ihrer eigenen, aber auch der ihrer Staaten. 2,5/5.

Gelesene Bücher im Januar 2022

  • Gusel Jachina: Suleika öffnet die Augen. Roman, aus der Bibliothek. Suleika lebt ihrem Mann und dessen Mutter treu ergeben und ausgebeutet in einem tatarischen Dorf, als die Entkulakisierung beginnt. Ihr Mann wird von Ignatow, einem Soldaten, erschossen, ihre Schwiegermutter bleibt zurückt, als Suleika aus ihrem eigenen Haus vertrieben wird. Zunächst wird sie in der Stadt eingekerkert, dann durchleidet sie eine mehrere Monate andauernde Reise in einem zugigen Güterwagen auf dem Weg nach Sibirien, bei der Ignatow der Kommandant ist und Suleika feststellt, daß sie schwanger ist. Zu ihrem Glück befindet sich ein Chirurg und Gynäkologe unter den anderen Deportierten. Mit knapper Not entgeht sie schließlich bei ihrer Verschiffung in die sibirische Taiga dem Tod durch Ertrinken und gebiert an einem Lagerfeuer ihren Sohn Jusuf, ihr viertes Kind. Ignatow, der für den Tod von fast 800 Menschen verantwortlich gemacht wird, obwohl ihm doch selbst die Hände gebunden waren, wird dazu abgestellt, eine Siedlung mitten im Wald aufzubauen. Den ersten Winter überleben die Verbannten nur mit knapper Not. Schließlich jedoch, während die Jahre ins Land gehen, entwickelt sich Semruk, wie die Siedlung genannt wird, prächtig weiter. Zwischen Suleika und Ignatow entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte, immer gebremst von deren Sorge um ihren Sohn und ihren Gewissensbissen ihrem Mann gegenüber. Für mich blieb das Buch an vielen Stellen ein wenig unbefriedigend. Das einzige Mal, daß Suleika etwas mehr als ein einziger Satz vergönnt ist, erzählt sie ihrem Sohn eine Geschichte. Das Buch wird als Frauenroman gefeiert, was ich nicht recht passend finde, denn es erzählt gleichermaßen die Geschichte Ignatows. Alles in allem hat es mich gut unterhalten. Solide 4/5.
  • Linwood Barclay: Kenne Deine Feinde. Thriller, aus der Bibliothek. Der 18jährige Jeremy soll im Vollrausch ein Mädchen überfahren haben, das noch am Unfallort seinen Verletzungen erlag. Die Strategie seines Verteidigers war es, ihn als „Riesenbaby“ darzustellen, das die Konsequenzen seiner Handlungen nicht überblicken kann. Der Plan geht auf: Jeremy kommt frei, leidet jedoch unter seinen Schuldgefühlen und dem Haß, der ihn in den sozialen Medien entgegengebracht wird. Seine Familie engagiert daraufhin Cal Weaver, einen Privatdetektiv, um den Jungen zu beschützen. Zeitgleich wird ein junger Mann entführt, zwei Tage lang narkotisiert gehalten und dann wieder freigelassen – mit einem Tattoo auf dem Rücken, das er vorher nicht hatte. Und dann ist da noch ein anderer junger Mann, ein Pädophiler, den ebenfalls jemand entführt und narkotiert hat, bevor ihm ein Hund ein paar Körperteile abgebissen hat. Wie hängen diese Fälle zusammen? Und wer ist hier schuldig, wer unschuldig? Solider Thriller, aber wenig überraschend. 3,5/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Jonathan Kirchbichler: Aufzeichnung eines Unbekannten – Outlander Edition. Roman, geschenkt bekommen. Im Jahr 2133 ist die Erde ein lebensfeindlicher Ort geworden. Der Staatenbund ist zerbrochen und die paar Menschen, die es noch gibt, leben in Bunkern. Sophia, eine junge Frau, wird zusammen mit einer Gruppe von Menschen mit dem Auftrag losgeschickt, ein Raumschiff, in dem Kampfroboter hergestellt werden, zu vernichten, doch der Weg dorthin ist beschwerlich und gefahrvoll. Die Auflösung dieses Romans ist ganz anders als erwartet und hat mir gut gefallen. Meiner Ansicht nach hätte der Autor etwas mehr Sorgfalt auf die Ausarbeitung der Charaktere, die Rechtschreibung, Zeichensetzung und Wahl der Tempora verwenden dürfen. 2/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Ann Bear: Die Farben des Jahres. Roman, gebraucht gekauft. Der Roman erzählt vom Alltag einer englischen Frau im Mittelalter, die der Leser durch ein Jahr begleitet. Hunger und Kälte, Krankheiten, Tod und andere Nöte gehören zum Alltag, und jeder in der kleinen Dorfgemeinschaft kennt seinen Platz ganz genau. Einen echten Spannungsbogen gibt es nicht; der Roman plätschert dahin – und genau darin liegt auch sein Reiz. Ich habe das Buch sehr gern gelesen. 4/5.
  • Tomás Bárbulo: Versammlung der Toten. Thriller, aus der Bibliothek. Guapo und seine Kumpels werden von einem Juwelier dafür angeheuert, aus einem Safe in Marrakesch 6 Millionen in Klunkern zu stehlen, wofür er ihnen auch gleich einen Maghreb-Araber vermittelt, der ihnen als ortskundiger Führer helfen soll. Noch auf spanischem Territorium ergeben sich die ersten Probleme, denn einer der Freunde hat gerade einen vierfachen Mord begangen, die Partnerin eines anderen Freundes ist ein Flittchen und der Araber scheint auch nicht so harmlos zu sein, wie er scheint. Das Ende war sehr überraschend, der Weg dahin allerdings etwas mühevoll, denn es gibt keine Hauptfigur und man identifiziert sich als Leser auch mit niemandem, weil alle unsympathisch sind. 2,5/5.
  • Alexander von Humboldt: Die Rußland-Expedition. 1829 unternimmt Humboldt seine zweite große Reise: auf die Einladung des russischen Zaren hin wird er 19.000 km auf russischem Gebiet reisen, um zu erfassen, mit welchen Bodenschätzen der Zar rechnen darf, der es vor allem auf Edelsteine, Gold und Platin abgesehen hat. Humboldt und sein Begleiter Rose dokumentieren diese Reise mit Tagebucheintragungen und Briefen in die Heimat, doch es wird ersichtlich, daß den Forschungsreisenden die Zensur im Nacken sitzt: überallhin werden sie begleitet und mit Festlichkeiten sollen sie davon abgelenkt werden, daß das Russland des Zarenzeit ein Staat ist, der auf Zwangsarbeit und Deportation ruht. Insbesondere die beiden Aufsätze, die den Aufzeichungen Humboldts und Roses angefügt sind, helfen bei der Einordnung der hier zusammengefaßten Dokumente. Das Buch ist schon interessant, läßt aber durch die Zensur russischerseits vieles missen. 3/5.
  • Joseph Finder: Nightmare. Thriller, aus dem Bücherschrank (dahin geht er auch wieder zurück). Jake muß für seinen Chef einspringen und an einer Klausur der Topmanager seiner Firma, einem Flugzeughersteller, teilnehmen, wo es um Teambildung gehen soll. Doch soweit kommen die Manager gar nicht, denn ein paar Männer dringen in die Lodge ein und wollen von ihren Geiseln 100 Mio. Dollar erpressen. Jake, der als Jugendlicher wegen gewalttätigen Verhaltens mal im Jugendknast gewesen war, kann natürlich alle Eindringlinge der Reihe nach ausschalten. Sehr vorhersehbar, trotzdem unterhaltsam. 3/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Tim Winton: Die Hütte des Schäfers. Roman, geschenkt bekommen. Der 15-jährige Jaxie Clackton ist der, der nach dem Tod der Mutter die Schläge des Vaters abbekommt. Dann versteckt er sich, bis dieser betrunken genug ist, um einzuschlafen. Eines Abends jedoch entdeckt er seinen Vater tot in der Garage: offenbar hat der Wagenheber versagt und ihn zerquetscht. Jaxie fürchtet, daß er für den Tod des Vaters verantwortlich gemacht werden könnte und rennt daher Hals über Kopf in die westaustralische Wüste, wo er zwischen alten Goldgräberhütten und einem Salzsee auf den alten Fintan MacGillis stößt. Die beiden gehen eine Zweckgemeinschaft ein, bis Jaxie eines Tages eine riesige Marihuana-Plantage entdeckt, deren Besitzer sich auf die Suche nach dem Jungen und dem alten Mann machen… Das Setting und die Figuren waren spannend und das Buch hätte etwas Besonderes werden können, aber irgendwie hat es mich nicht erreicht. Die Sprache ist bemüht rotzig, die Beziehung der beiden Hauptfiguren zueinander erschließt sich mir nicht und das Ende war absehbar. 3/5. Geht in den Bücherschrank.
  • Alexander Sutherland Neill: Die grüne Wolke. Neill, der die Summerhill-Schule gegründet und geleitet hat, hat diese Geschichte einer Gruppe von Neunjährigen im Jahr 1938 erzählt. Das Besondere ist, daß die Kinder nach jedem Kapitel selbst zu Wort kommen. Mit diesem Buch sind für mich sehr schöne Kindheitserinnerungen verbunden und ich lese es immer mal wieder gern. 4/5.
  • Sebastian Fitzek: Noah. Thriller, geschenkt bekommen. Ein Mann, in dessen Handfläche das Wort Noah eintätowiert und dessen Schulter von einer Kugel getroffen wurde, wird von einem Obdachlosen gesund gepflegt. Eine schwangere Reporterin einer New Yorker Zeitung wird von ihrem Chef in ein verstecktes Verhörzimmer verschleppt. Eine Mutter, die ihr Baby nicht ernähren kann, versucht, aus einem der Slums in Manila zu flüchten. Auf einen Pharma-Mogul wird ein Attentat verübt. Zeitgleich grassiert die hochansteckende und hochlethale Manila-Grippe. Wie üblich verknüpft Fitzek Ereignisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, zu einem temporeichen und völlig abwegigen Thriller. Jedesmal, wenn ich etwas von ihm lese, schwöre ich mir, daß es das letzte Mal gewesen ist, und dann plumpst mir doch wieder eins seiner Bücher in den Schoß 😉 Alles in allem unterhaltsam, aber die fitzektypischen Logiklücken machen mir wie immer zu schaffen. 3/5. Geht in den Bücherschrank.

abgebrochen:

  • Jacek Hugo-Bader: Ins eisige Herz Sibiriens. Reisebericht, aus der Bibliothek. Ich habe einen schlüssigen, am besten auch noch chronologisch nachvollziehbaren Reisebericht erwartet und eine Art Drogentrip in eine dystopische Gesellschaft voller Korruption, Gewalt und Schmutz bekommen. Nö, danke. Abgebrochen auf S. 40.

Lesestatistik 2021

Im Jahr 2021 habe ich insgesamt 95 Bücher bzw. 28.454 Seiten gelesen. Fünf weitere Bücher habe ich abgebrochen (deren gelesene Seiten habe ich nicht mitgezählt).

Es hat sich herausgestellt, daß ich nur sehr wenige Bücher mit der vollen Punktzahl bewerte, daß es aber auch nur wenige gibt, die ich richtig schlecht finde.

Mein Lieblingsbuch 2021 war definitiv „Rendezvous mit einem Oktopus“ von Sy Montgomery und das schlimmste Buch war interessanterweise von Montgomerys Buch inspiriert: „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann.

Ich habe 44,09 € für gebrauchte Bücher ausgegeben, d.h. das Porto war teurer als die Bücher 🙂 Für Sprachlernbücher habe ich zusätzlich 121,92 € bezahlt, doch das hatte ich bereits im letzten Januar als Ausnahme festgelegt. Hätte ich alle Bücher, die ich mir aus den Bibliotheken ausgeliehen und gelesen habe, selbst bezahlt, hätte ich dafür unfaßbare 1394,80 € ausgegeben. Dieses Geld wanderte jedoch zumindest zum Teil das Jahr über in unsere Wohnungskasse :dance:

Im neuen Jahr würde ich natürlich gern auf 100 Bücher kommen – da hat mich jetzt schon der Ehrgeiz gepackt :mrgreen: Auch möchte ich nochmal versuchen, wirklich gar kein Geld für Bücher auszugeben (oder wenigstens weniger als 44,09 €) – die Ausnahme bilden nach wie vor Sprachlernbücher.

Gelesene Bücher im Dezember 2021

  • Sally und Sarah Clarkson: The Life-Giving Home. Sachbuch, vor Jahren gebraucht gekauft. Die beiden christlichen Autorinnen – Mutter und Tochter – beschreiben, wie in ihrer Familie der Lauf des Jahres im Kontext ihres Glaubens zelebriert wird und sie geben viele Beispiele aus ihrem Familienleben, wie man was machen kann. Genau das ist der Haken. In Familie Clarkson ist alles heile Welt und ganz wunderbar und das ist für mich ziemlich gruselig zu lesen, denn in meiner Familie ist es das nicht, egal wie hübsch ich den Tisch decke. Vielleicht hilft es, das Buch zu mögen, wenn man an Gott glaubt, ich weiß es nicht. Von mir nur 2/5.
  • Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers. Krimi, aus der Bibliothek. Wien, 1896: mehrere junge Frauen werden grausig ermordet. Der Täter schneidet ihnen nicht nur die Kehle durch, sondern pfählt sie auch. Der junge Inspektor Leopold von Herzfeldt, frisch aus Graz eingetroffen, sieht sich bei seinem ersten Fall in Wien jedoch auch mit geköpften Leichen, Untoten und Vampiren konfrontiert, und mit einem Totengräber, der nicht nur fiedelt wie ein Profi, sondern auch noch wissenschaftliche Bücher schreibt. Und dann ist da noch der Skandal um einen unehelichen Halbbruder des Berühmten Johann Strauss jr., der möglicherweise etwas mit den anderen Verbrechen gemeinsam haben könnte… Toller Schmöker! Pötzsch schafft es, das Wien an der Schwelle des 20. Jahrhunderts für den Leser wachzurufen, und daß der Roman im Herbst spielt, ist natürlich gerade sehr stimmungsvoll. Rundrum gelungen. 4,5/5.
  • Hiro Arikawa: Satoru und das Geheimnis des Glücks. Roman, aus der Bibliothek. Satoru und sein Kater Nana machen eine Reise quer durch Japan. Sie besuchen Menschen, die Satoru von früher kennt, auf der Suche nach einem Ort, an dem Nana fortan leben soll. Obwohl sich doch bereits von Anfang an klar abzeichnet, was geschehen wird, hat das Buch mich kalt erwischt. Habe mir echt die Augen ausgeheult, vielleicht auch deswegen, weil ich mich und mein Miezchen so in der Beziehung zwischen Satoru und Nana wiedergefunden habe. 5/5.
  • Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht. Roman, gebraucht gekauft. Als in New York die Twin Towers zusammenfallen, erfaßt eine Fernsehkamera Maes ehemalige Geliebte Laurel, mit der sie in einer Hippiecommune zusammengelebt und Menschen getötet hat. Mae macht sich auf, Laurel zu finden. Mehr möchte ich von diesem Hammerbuch gar nicht verraten. Es hat auf mich eine krasse Sogwirkung gehabt, vielleicht auch weil Traumata, PTBS und die dunklen Seiten der 60ies so meine Themen sind. 5/5.
  • Dirk Rossmann: Der neunte Arm des Oktopus. Thriller, aus der Bibliothek. Die Staatschefs der USA, von Rußland und China gehen eine G3 genannte Allianz zur weltweiten Durchsetzung des Klimaschutzes ein, nötigenfalls auch mit militärischer Intervention. Die Welt guckt zu bzw. findet das auch echt total toll, bloß Brasilien weigert sich erstmal, bis die G3 ein paar Flugzeugträger und Truppen hinschicken. Mann, was für ein Machwerk. Die Idee hätte ich noch nicht einmal schlecht gefunden, aber daß die Welt sich anguckt, wie diese „G3“ sich anmaßt, alle zu Klimafreundlichkeit zu zwingen, ist doch sehr utopisch, zumal auch nie erklärt wird, was bitte die Staatschef drei der größten Umwelsauländer weltweit dazu bewegt, plötzlich zu Ökodiktatoren zu werden. Die Erzählweise und der Stil dieses „Thrillers“ ist ebenfalls unterirdisch. Ständig werden neue Figuren eingeführt, deren Fäden überhaupt nicht weitergeführt werden oder die nur nochmal kurz in der Endzusammenfassung auftauchen. Es gibt also keinen „Held“, dem man folgen oder mit dem man mitfiebern könnte. Diese Rolle übernimmt quasi ein Schurke, den man natürlich nicht mag, und der am Ende das erste Mal in seinem Leben gleich drei Fehler auf einmal macht und daher stirbt. WTF. Auch agieren und kommunizieren Leute völlig hohl und beiläufig, nichts wirkt, als sei es ernstgemeint. Der Schreibstil hat mich auch genervt: in Szenen, die spannend sein könnten, verrennt sich der Autor plötzlich in merkwürdig unpassenden Details (er listet z.B. auf, welches Fertigfutter die amerikanischen Soldaten dabei haben) oder zoomt raus (anstatt in der Action-Szene zu bleiben, labert er plötzlich von den Sternen). Außerdem springt der Autor ständig in der Zeit, so daß man am Ende völlig verwirrt ist, zumal eine Handlung, die 80 Jahre in der Zukunft spielt, völlig losgelöst von allem existiert und auch keine Auflösung findet (noch ein Nerver: 80 Jahre in der Zukunft wissen die Menschen scheinbar plötzlich nicht mehr, was Frachtcontainer sind…). Am Ende entblödet Rossmann sich auch nicht, sich selbst in die Geschichte reinzuschreiben, natürlich als Kumpel von Altkanzler Schröder, dem er sein Lieblingsbuch – Sy Montgomerys „Rendezvous mit einem Oktopus“ – empfiehlt. Ja, Montgomerys Buch ist wunderbar, und daß Rossmann es mag, ist verständlich. Aber ich glaube, dieser „Thriller“ konnte nur publiziert werden, weil Rossmann bekannt ist. Kein Verlag wäre sonst auf die Idee gekommen, diesen Schwurbel zu veröffentlichen. In meiner Jahreswertung ist das das schreckliste Buch überhaupt und kriegt wohlverdiente 0/5.
  • Tessa Korber: Die Katzen von Montmartre. Krimi, aus der Bibliothek. Auf dem Montmartre lebt eine Gruppe von Streunern zusammen mit ihren Menschen. Da ist zum Beispiel Bonnard, der Friedhofskater, der den Trauernden Trost spendet. Oder Suzanne, die bei der Pattisière Mme Vallaron lebt und durch deren Sahnekreationen ein wenig dicklich geworden ist. Die schöne Routine der Menschen und ihrer Miezen wird jedoch jäh unterbrochen, als plötzlich viele Dinge gleichzeitig geschehen. Grisette, die getigerte Graue von Madame Chauchat, verschwindet. Ein schwarzer Junge taucht im Viertel auf. Ein obdachloser Maler lebt auf dem Friedhof. Und ein junges Mädchen wird ermordet. Korber erzählt die Geschichte sowohl aus Katzen- als auch aus Menschenperspektive. Ich wußte bis zum Schluß nicht, wer der Mörder des Mädchens ist. Hat mich gut unterhalten und war sehr einfühlsam und liebenswürdig erzählt. 4/5.
  • Christoffer Carlsson: Unter dem Sturm. Krimi, aus der Bibliothek. Isaks Onkel Edvard wird beschuldigt, seine Freundin erschlagen und dann mitsamt ihrem Haus angezündet zu haben. Isak, der viel Zeit mit seinem Onkel verbracht hat, entwickelt im Laufe seiner Pubertät den Gedanken, daß auch in ihm das Böse wirken könnte, und manchmal, wenn die Wut über die Lästereien über seinen Onkel zu arg werden, explodiert er. Vidar, der 1994, als der Mord geschah, Polizist war, es aber 2017, als der Roman endet, nicht mehr ist, hatte schon immer subtile Zweifel an Edvards Schuld. Parallel und manchmal gemeinsam mit Isak ermittelt er, bis er den wahren Täter findet. Warum dieser Krimi so stark gehyped wurde, weiß ich nicht, denn ich sehe in ihm einen absolut typischen skandinavischen Krimi mit einer gehörigen Portion Sozialkritik, den üblichen Depressionen und sogar Rassismus hat Carlsson noch einbauen können. Der Schreibstil ist träge und die 460 Seiten haben viele unnötige Längen. 2/5.
  • Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels. Roman, aus der Bibliothek. Pollock erzählt in diesem Roman die Geschichte des jungen Arvin, der in den 50er Jahren in Ohio bei seiner Großmutter aufwächst, nachdem seine Mutter an Krebs gestorben ist, worauf sein Vater Selbstmord begangen hat. Uns begegnen aber auch Roy und Theodore, zwei durchgeknallte Prediger, die Roys Frau getötet haben, um zu beweisen, daß Roy Tote wecken kann. Ihre Tochter Leonore wird zufällig von derselben Frau aufgezogen wie Arvin. Und dann sind da noch Carl und Sandy, zwei Serienkiller, die mit dem korrupten Sheriff verwandt sind. Der Leser taucht hier ein in die schwül-schmuddelige Welt des ländlichen Ohios Mitte des 20. Jahrhunderts, eine Welt, in der die Menschen es auch dann nicht schaffen, sich selbst aus ihrem Elend zu befreien, wenn sie im Grunde ihres Wesens nicht schlecht sind. Religiöser Fanatismus, Armut, Alkoholismus und nicht zuletzt eine essentielle Perspektivlosigkeit führen jedoch auf direktem Weg in die Verzweiflung. Mir hat die Verkettung der Einzelschicksale besonders gefallen, das war echt interessant. Pollock schreibt intensiv und packend, auch wenn das Ende keine Überraschung war. 4/5.
  • Burkhard Benecken und Christoph Wöhrle: Tatort Unterwelt – Ein Strafverteidiger gibt unzensierte Einblicke in kriminelle Parallelgesellschaften. Sachbuch, aus der Bibliothek. In diesem Buch werden allerlei Kriminelle verschiedener Ausrichtungen porträtiert – ein interessanter Einblick in die Parallelgesellschaften, die es hier in Deutschland so gibt. Das Buch hat mich wütend gemacht und ich glaube, es wird besser sein, Vergleichbares nicht zu lesen. 3/5.

Abgebrochen:

  • Ernest Cline: Ready Player Two. Roman, aus der Bibliothek.

Und gehört habe ich:

  • Ragnar Jónasson: Nebel (Hulda 3). Thriller, aus der Bibliothek. Das Ehepaar Einar und Erla lebt auf einem Bauernhof weitab des nächsten Dorfes. Im Winter sind sie immer wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten. Am Tag vor Weihnachten klopft ein Fremder an ihre Tür: Leo. Er behauptet, er sei mit Freunden jagen gewesen und habe sich verwirrt, doch wo ist sein Gewehr? Und warum schleicht der Mann nachts durch’s Haus? In diesem Thriller ist nichts, wie es anfangs scheint. Hat mir aus der Hulda-Reihe am besten gefallen. 4/5.

autorenbegleitete Lesung

Ich habe im November an einer autorenbegleiteten Lesung teilgenommen. Im Vorfeld habe ich gefragt, wie genau man vorgehen muß, und ich habe gesagt, da das die erste Aktion dieser Art für mich ist, hoffe ich, daß ich nichts falsch mache. Daraufhin wurde mir mitgeteilt, daß man nichts falsch machen könne. Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen und fleißig kommentiert habe, stellt sich leider heraus, daß man offenbar doch einiges falsch machen kann: man soll keine Inhaltsangabe machen. Man soll Inhaltsangaben in Spoiler setzen (was denn jetzt?). Man soll einfach nur ein Leser bleiben und nicht so tun, als würde man in dem Thriller mitermitteln (der Autor hatte es zu Beginn so formuliert, daß man „die Ermittlungsakte“ = das Buch dann und dann bekäme). Und so.

Ah.

Schön, daß mir das im Nachhinein mitgeteilt wird.

NT-Kommunikation at its best.

Es ist ja nicht so, daß ich es darauf anlege, mit neurotypischen Menschen aneinanderzurasseln, aber wie sie kommunizieren, ist für mich immer wieder völlig undurchschaubar, überraschend (meist negativ) und unlogisch. Besonders frustrierend ist es auch, wenn ich versuche, gleich im Vorfeld zu klären, was gewünscht ist, damit ich mögliche Konflikte direkt vermeiden kann, und dann sowas passiert.

Fazit für mich? Ich mache das nie wieder. Übrigens nicht nur wegen der bescheuerten Kommunikation, sondern auch weil sowas die Verpflichtung mit sich bringt, auch ein schlechtes Buch zuende zu lesen, das man sonst direkt abgebrochen hätte. Und weil ich den Begriff „autorenbegleitet“ irreführend finde, wenn der Autor lediglich mitliest, aber nie etwas kommentiert, nicht mal am Ende. Hhhhh…