- Ulli Lust: Die Frau als Mensch – Am Anfang der Geschichte. Sachbuch / Comic, Bibliothek. Lust zeigt ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen als Frau auf, wie sich die Menschheit entwickelt hat und welche Rolle dabei vor allem die Frau spielte. Dabei weist sie ausführlich auf den Vulven-Darstellungen in diversen Höhlen und die Venus-Bildnisse hin. Soweit ja ein hehres Anliegen, aber das Buch hat keinen roten Faden und verirrt sich zwischendrin thematisch (zum Beispiel zum Fracking in Botswana…). Außerdem haben mich die Zeichnungen nicht so angesprochen, überdies ist es schwer zu lesen, weil die Schrift so winzig ist. 3,5/5.
- Eric H. Clive: 1177 v. Chr. – Der erste Untergang der Zivilisation. Sachbuch, Bibliothek. Clive betrachtet die verschiedenen Kulturen des östlichen Mittelmeerraums zur Bronzezeit (z.B. Ägypter, Assyrer, Hethiter, Kanaaniter etc.), die politisch und wirtschaftlich eng miteinander vernetzt waren. Was führte zum Untergang dieser Reiche? Er arbeitet heraus, daß es nicht den einen auslösenden Faktor gab, sondern daß verschiedene ungünstige Umstände wie Erdbeben, Dürren, Immigration/Invasion und Krankheiten zusammenwirkten. Sehr interessant, vor allem auch in Hinblick auf alles, was ich dieses Jahr über die Aunjetitzer Kultur und die Himmelsscheibe von Nebra gelesen habe. 4/5.
- Ulli Lust: Die Frau als Mensch, Teil 2: Schamaninnen. Sachbuch/Comic, Bibliothek. In diesem Buch erzählt Lust, wie sich (vielleicht) die Vorstellungen von Jenseits, Tod und Reinkarnation bei den Menschen vor ca. 30.000 Jahren ausgeprägt haben, die ja noch keine Ahnung von Bakterien, Viren etc. hatten. Anders als Teil 1 hat dieses Buch mir sehr gut gefallen – ich fand es stringenter und auch in seinen spekulativen Anteilen interessanter und nachvollziehbarer. 4-4,5/5
- Adam Johnson: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do. Roman, Bibliothek. Nordkorea: der Waise Jun Do arbeitet zunächst als Kämpfer in den Tunneln im Bereich der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea, später als Entführer von Ausländern, dann als Nachrichtenabfänger auf einem Fischkutter. Durch eine Verkettung absurder Umstände schließlich gelangt er als Botschafter nach Texas, wo es ihm gelingt, Kontakte zur CIA zu knüpfen. Wieder in Nordkorea, landet er in einem Strafarbeitslager, wo er den Kommandanten Ga tötet, der mit der Schauspielerin Sun Moon verheiratet war, die Jun Do als Tattoo auf der Brust trägt. Wiederum ermöglichen es ihm absurde Umstände, den Platz Gas einzunehmen und Sun Moon und ihren Kindern zur Flucht in die USA zu verhelfen. Mir hat das Buch nicht gefallen. Es ist von Anfang an klar, welches Ziel Johnson verfügt, und das macht er nicht eben subtil 700 ermüdende Seiten lang. Wenn man sich einmal daran abgearbeitet hat, daß alles aburd und irre ist, zieht sich die Lektüre daher sehr in die Länge. Interessant, wofür man den Pulitzer-Preis bekommen kann. 1,5-2/5.
- Iris Chang: The Rape of Nanking. Sachbuch, Bibliothek. 1937 erreichte die kaiserliche japanische Armee Nanking, die damalige Hauptstadt Chinas. Was folgte, waren sechs Wochen reinsten Terrors, in denen rund 300-400.000 Chinesen auf bestialischste Weise getötet und vergewaltigt wurden. Chang, selbst Nachfahrin einer Familie, die in Nanking erhebliche Verluste erlitten hat, zeigt auf, warum sich die Japaner so grausam verhielten, worin ihre Taten bestanden, welche ausländischen Beobachter den Chinesen zur Hilfe eilten und daß die Japaner bis heute systematisch das Massaker in Nanking leugnen und keinerlei Reparationszahlungen geleistet haben. Ein wichtiges, aber kein schönes Buch. Enthält drastisches Bildmaterial. 4,5/5.
- Jörg H. Trauboth: Jakobs Weg. Krimi, gebraucht gekauft. In einem Elite-Internat werden die Zöglinge vom Internatsleiter und seinen Gästen mißbraucht. Zwanzig Jahre später brechen acht Personen auf Einladung eines ominösen Mannes auf, um den Jakobsweg zwischen St. Jean und Burgos zu pilgern. Ihnen wird versprochen, daß sie brisantes Filmmaterial erhalten werden, daß sie bei sexuellen Handlungen im Internat zeigt, wenn sie ihr Ziel erreichen, doch schon bald gibt es die ersten Tote. Nach und nach entwirren sich die Fäden… Die Idee fand ich gut, die Umsetzung nicht so. Der Schreibstil ist unbeholfen und hölzern und durch den ständigen Perspektivwechsel wirkt alles etwas wirr. 2/5.
- J. Todd Scott: Weiße Sonne. Chris-Cherry-Reihe 2. Thriller, Bibliothek. Nach dem Tod Sheriff Ross‘ hat der neue Sheriff Chris Cherry einige Deputies eingestellt, unter anderem auch Ameria Reynosa und den altgedienten Ben Harper. Als eine Familie von Neonazis im kleinen Ort Killing auftaucht und der Sohn eines mexikanischen Kartellbosses in einem Nissan aufgegriffen wird, werden Ereignisse in Gang gesetzt, die niemand absehen konnte. Am Ende muß Cherry sich entscheiden: agieren oder reagieren? Gefiel mir besser als Teil 1. Insbesondere die Schilderungen der Wüste und der Charaktere, die in ihr leben, fand ich sehr gelungen. Der Plot war jedoch einigermaßen vorhersehbar. 4/5.
- Barbara Tedlock: Die Kunst der Schamanin. Sachbuch, Bibliothek. Tedlock, ihres Zeichens Anthropologin, wurde in Guatemala in traditionellen Schamanismus initiiert. In ihrem Buch beschreibt sie, daß Schamanismus zuunrecht als etwas gilt, das Männern vorbehalten ist (mich verwunderte diese Aussage, weil ich das so offensichtlich fand, aber gut), und geht darauf ein, inwiefern Menstruation, Geburt und die Fürsorge für einen Säugling typisch weiblich-schamanische Aufgaben sind. Auch erklärt sie, inwiefern sich weiblicher und männlicher Schamanismus voneinander unterscheiden und welchen wichtigen Stellenwert „zweigeistige“ Menschen im Schamanismus einnehmen. Ein gutes Buch. 4/5.
- Guido Kleinhubbert: Düstere Geheimnisse – Was mysteriöse Fundstücke über die deutsche Vergangenheit verraten. Sachbuch, Bibliothek. In vielen kleinen Kapiteln präsentiert Kleinhubbert interessante, verstörende, zum Teil auch absurde und lustige Gegenstände und stellt einen Bezug zu ihrer Verwendung und Geschichte in der Vergangenheit her. Da gibt es zum Beispiel ein Trinkglas aus dem 19. Jahrhundert, mit dem eventuell das Blut gerade Hingerichteter aufgefangen wurde, dem eine gewisse Heilkraft bei Epilepsie zugesprochen wurde. Oder Fundstücke wie Münzen, Knochen und Dokumente, die in Turmkugeln geborgen wurden. Sehr interessant, aber das ganze Buch hat auch einen gewissen Ekelfaktor 🙂 Leider gibt es keine Bibliographie. 4/5.
- Brit Wilczek: Autismus, Trauma und Bewältigung – Grundlagen für die psychotherapeutische Praxis. Sachbuch, Bibliothek. Wilczek beschreibt die Herausforderungen, denen Autisten bereits vor ihrer Geburt ausgesetzt sind, das Unverständnis des Umfelds, das oft mit Verwirrung und Ablehnung auf die sensorische Überforderung reagiert, und das Befremden, das zwischen Autisten und NTs besteht und immer bestehen bleibt. Sie zeigt auf, daß Autisten besonders gefährdet dafür sind, traumatisiert zu werden, daß sie aber auch ganz besondere Mittel und Wege haben, sich einen unversehrten Kern zu erhalten und zu heilen. Sie grenzt kPTBS und Autismus gegeneinander ab und zeigt auf, wie eine Therapie gelingen kann. Tolles Buch, hat mich total abgeholt. 5/5.
Kategorie: Bücher
Gelesene Bücher im Juni 2026
- Owen Rees: Eine unerzählte Geschichte der Antike. Sachbuch, Bibliothek. Im Geschichtsunterricht und in den Medien geht es vor allem immer um die Griechen und die Römer, wenn von der Antike die Rede ist, doch in der sog. „Peripherie“ der Reiche des Mittelmeerraums gab es ebensolche Großreiche, gab es vielfältige Kulturen und regen Handel. Rees bereist mit seinem Leser einige dieser Orte und erklärt anhand von Ausgrabungsfunden und Aufzeichnungen, welche Menschen dort gelebt haben, wie ihr Alltag aussah, welchen Herausforderungen sie sich stellen mußten und wie ihre Kultur sich formte. Vom Hadrianswall in Schottland über Taxila im heutigen Pakistan bis hin zu Aksum im heutigen Äthiopien führt die Reise. Ein tolles, wichtiges Buch. 4/5.
- Harald Meller, Kai Michel und Carel van Schaik: Die Evolution der Gewalt. Sachbuch, Bibliothek. Die Autoren betrachten, ob Gewalt und Krieg in den menschlichen Genen verankert ist (nein) und wo dann ihre Wurzeln liegen. Als problematische Hauptfelder werden Patriarchat und Monotheismus herausgearbeitet, wobei sie überraschender- und erfrischenderweise klare Worte finden. Ein kluges, sehr weit und tief reichendes Buch. Hätte mir an vielen Stellen größere Ausführlichkeit gewünscht, weil das Thema so spannend und das Buch so gut geschrieben ist. 5/5.
- Victoria Hegner: Hexen in der Großstadt – Urbanität und neureligiöse Praxis in Berlin. Sachbuch, Bibliothek. Hegner ist habilitierte Anthropologin und forscht an der Universität Göttingen. In ihrem Buch legt sie ihre mehrjährigen Forschungen zu den Hexen in Berlin dar. Kernthesen sind: das städtische Umfeld befördert das Hexentum – private und liminale Örtlichkeiten sind zentraler Bestandteil des Hexentums – das Hexentum befindet sich ständig zwischen dem Wunsch nach Abgeschiedenheit und Öffentlichkeit. Das Buch ist eine akademische Veröffentlichung und auch so verfaßt. Für mich war es an vielen Stellen sehr erheiternd, den forschend-distanzierten Blick auf das Hexen- und Neuheidentum zu werfen. 4/5.
- Karl Banghard: Die wahre Geschichte der Germanen. Sachbuch, Bibliothek. Banghard ist Leiter des Freilichtmuseums Oerlinghausen und da dies in nationalsozialistischer Zeit entstanden ist, ist vielleicht verständlich, warum ihm so sehr am Herzen liegt, die Germanen™ aus ihrem völkischen Kontext zu lösen. Sicher ein hehres Anliegen, aber mich störte dieses Kontextuierung beim Lesen, weil ich etwas über Geschichte lernen und nicht politisch belehrt werden wollte. Banghard nimmt seine Leser mit auf eine Reise quer durch germanisches Gebiet und zeigt auf, daß sie dezentral organisiert, hochmobil und von römischer Kultur beeinflußt waren. Insgesamt ein gutes Buch, wenngleich mich der leicht schnodderige Ton etwas gestört hat. 4/5.
- J. Todd Scott: Die weite Leere. Roman, Bibliothek. Caleb Ross, Sohn des Sheriffs der kleinen Stadt Murfee in Texas, vermutet, daß sein Vater nicht nur seine Mutter, sondern auch seine zwei früheren Partnerinnen getötet hat. In Chris Cherry, der nach einer Sportverletzung nach Murfee zurückkehrt und die Stelle des Deputy annimmt, findet er einen Verbündeten, als dieser ein Skelett in der „weiten Leere“, in der Wüste findet. Das Setting war toll, aber der Roman ist einfach mal 150 Seiten zu lang und enthält dem Leser einige Auflösungen vor. 3,5/5.
- Arnold Muhl, Harald Meller und Klaus Heckenhahn: Tatort Eulau – Ein 4500 Jahre altes Verbrechen wird aufgeklärt. Sachbuch, Bibliothek. In dem kleinen Örtchen Eulau in Sachsen-Anhalt wurden vor 4500 Jahren 13 Menschen brutal ermordet und anschließend in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt, was zur damaligen Zeit eher ungewöhnlich war und auch den heutigen Betrachter noch anrührt, denn ihre Körper wurden einander zugewandt und sich berührend bestattet. Wer waren die Opfer, wer die Täter? Der schmale Band legt akribisch dar, was sich mit modernen Forschungsmethoden herausfinden läßt. Für mich war besonders interessant, wie viele Dinge sich hier bereits abzeichneten, die Meller/Michel/van Schaik rund 15 Jahre später mit ihrem Buch über „Die Evolution der Gewalt“ aufgreifen sollten. Trotzdem fand ich das Buch leider zu kurz. 3/5.
- S.A. Cosby: Die Rache der Väter. Krimi, Bibliothek. Nachdem ihre Söhne, die miteinander verheiratet waren, auf offener Straße erschossen wurden, raufen sich Ike und Buddy Lee zusammen, um die Verantwortlichen zu finden und sich zu rächen. Es entspinnt sich eine typische Rache-Story mit einem ziemlich typischen Ende, aber was das Buch lesenswert macht, sind zum einen die Milieuschilderungen, zum anderen aber auch die Auseinandersetzung mit der Schwulenfeindlichkeit der beiden Protagonisten, die tragischerweise erst nach ihrem Tod erkennen können, wie sehr sie ihre Söhne geliebt und geschätzt haben. 4,5/5.
- Harald Meller und Kai Michel: Die Himmelsscheibe von Nebra. Sachbuch, Bibliothek. Als Anfang der 2000er zwei Raubgräber auf dem Mittelberg in Sachsen-Anhalt auf eine mit dicker Patina bezogene Scheibe stießen, konnte niemand ahnen, welche Aufschlüsse sie samt ihrem Hort zu geben imstande wäre. Doch bevor die Forscher ans Werk gehen konnten, mußte die Scheibe erst einmal bei einer internationalen Polizeiaktion sichergestellt werden, bei der Meller den Part des Lockvogels übernahm. In aufwendigen Forschungsreihen wurde herausgefunden, daß die Himmelsscheibe das Geheimnis der Schaltjahre in sich trägt, damit eine Insignie der Macht in einer stark hierarchisierten Gesellschaft war und daß es bereits um 2000 v.Chr. in Mitteldeutschland eine Art Königtum gab. Spannend geschrieben, sehr ausführlich und durchaus unterhaltsam. 4/5.
- Sabina Magliocco: Neo-Pagan Sacred Art and Altars – Making Thigs Whole. Sachbuch, Bibliothek. Magliocco hat in der neo-paganen Szene der USA über deren Kunstbegriff geforscht. Der vorliegende schmale Band faßt ihre Erkenntisse zusammen: Heiden sind sehr individuell und jederzeit bereit, Symbole und Mythen auseinanderzunehmen und neu zu interpretieren bzw. neu zusammenzusetzen. Nett geschrieben, schöne Fotos. 4/5.
Gelesene Bücher im Mai 2026
- Simon Beckett: Knochenkälte. David-Hunter-Reihe 7. Thriller, gekauft. In einem Schneesturm kommt Hunter vom Weg ab und landet in einem Kaff, wo er zugeschneit und durch eine Verkettung (dummer) Umstände von der Außenwelt abgeschnitten wird. In diesem superkonstruierten Setting werden dann auch noch diverse Leichen gefunden, just in diesem Moment, und am Ende ist der Täter genau der Typ, den man von Anfang an ätzend findet. Au Mann, was war das denn?! 2/5.
- Kate Elizabeth Russell: Meine dunkle Vanessa. Roman, Bibliothek. Die 15jährige Vanessa beginnt ein Verhältnis mit ihrem 42jährigen Lehrer Jacob. Fast 20 Jahre später wird dieser von einer anderen Schülerin des sexuellen Mißbrauchs beschuldigt und Vanessa muß sich im Zuge dessen ihrer eigenen Geschichte mit ihm stellen. Das Buch wurde und wird kontrovers diskutiert, darum hat es mich interessiert. Ich bin allerdings nicht imstande, das herauszulesen, was andere in dem Buch sehen. Für mich waren z.B. beide Hauptfiguren sehr unsympathisch und manipulativ. Interessante Figuren kamen nur am Rande vor und wurden direkt wieder demontiert. Zudem war die Absicht des Romans – die Empörung des Lesers – so offensichtlich, daß ich mich als Leser irgendwie unangenehm berührt fühlte…von der Autorin, nicht vom Inhalt des Buchs. Alles in allem nur 2/5.
- Wolf-Dieter Storl: Die Magie der Sonnenwenden. Sachbuch, Bibliothek. Storl erzählt von den Sonnenwenden, betrachtet das mit ihnen verknüpfte Brauchtum und die Pflanzen, die sie begleiten, und liefert damit genau das, was man von ihm erwartet. Ein schönes Buch, gut zu lesen und sehr stimmungsvoll. 4/5.
- Lorraine Monteagut: Moderne Hexenkunst für Dummies. Sachbuch, Bibliothek. In der typischen Art der Dummies-Bücher erklärt die Autorin die Wurzeln des Hexentums, seine gängigen Praktiken und Symbole und wie man zu einer eigenen Praxis kommen kann. An sich alles gut und schön, aber das Buch richtet sich eher an Anfänger und die Übersetzung ist richtig übel (ich würde darauf wetten, daß eine KI das verbrochen hat). 3/5.
- Stefan Weidner: Yoga oder die sanfte Eroberung des Westens durch den Osten. Sachbuch, Bibliothek. Weidner gibt einen Überblick über die Phasen, die Yoga in seinem Ursprungsland Indien, später aber auch beeinflußt durch den Westen (und in Einfluß auf ihn) durchlaufen hat. Ich habe viel Neues gelernt, mußte etliche Passagen mehrmals lesen, weil sie so fordernd waren, habe etliche Bücher aus der Bibliographie in meine Leseliste überführt und bin total begeistert. Tolles Buch! 4,5/5.
- Matthew Reilly: Der große Zoo von China. Roman, gebraucht gekauft. Die Chinesen bauen einen spektakulären Zoo, deren Hauptattraktion Drachen sind, die tief in der Erde eingegraben das große Sterben der Dinosaurier vor 65 Mio. Jahren überstanden haben. Nun haben sie die ersten Gäste eingeladen, darunter hohe Parteifunktionäre, aber auch einige Amerikaner. Ziel: die Gäste gebührend beeindrucken und damit die weltweite Werbetrommel rühren. Leider erweisen sich die Drachen jedoch als nicht besonders kooperativ und es dauert nicht lange, bis das absolute Chaos losbricht. Reilly sagt über seinen Roman, daß er von „Jurassic Park“ inspiriert wurde. Nachvollziehbar, aber die Umsetzung ist leider irgendwie lahm und trashig, zudem schlecht geschrieben. Mich hat das Buch nicht erreicht. 2,5/5.
- Stanilas Dehaene: Lesen. Sachbuch, Bibliothek. Dehaene ist Neurowissenschaftler und Leseforscher. Er untersucht Gehirne, um herauszufinden, wie genau wir lesen, wo das Lesen stattfindet, wie Menschen lesen lernen und warum wir überhaupt die einzige Spezies sind, die lesen kann. Sehr interessant, allerdings war mir das Buch an vielen Stellen etwas zu ausführlich. 4/5.
Gelesene Bücher im April 2026
- Harald Meller et al.: Magie – das Schicksal zwingen. Ausstellungskatalog, Bibliothek. Viele Bilder, knappe Erklärungen, quasi ein Museumsbesuch in Buchform. Hat mir gut gefallen, war schnell anzugucken. 4/5.
- Douglas Preston und Lincoln Child: Demon – Sumpf der Toten. Pendergast 15. Thriller, gebraucht gekauft. Ein Bildhauer beauftragt Pendergast mit privaten Ermittlungen zum Diebstahl seiner Weinsammlung, doch der Special Agent stellt fest, daß der Wein lediglich als Ablenkungsmanöver diente, denn eigentlich geht es um einen in einer Wandnische versteckten Toten. Pendergast und Constance ermitteln in der Kleinstadt, immer behindert vom Polizeichef und dem örtlichen Klüngel, bis sich in einer Sturmnacht ein grauenhaftes Monster im Ort zeigt und eine Menge Menschen tötet – just, als der Fall gerade gelöst scheint. Hat mir viel Spaß gemacht, tolles Setting, sehr stimmungsvoll und wie immer total abwegig 🙂 4/5.
- Jules Acton: Oaklore – Adventures in a World of Extraordinary Trees. Sachbuch, Bibliothek. Ein Buch über Eichen, von den Wurzeln bis in die Blattspitzen. Acton berichtet über einige Tier-, Pflanzen- und Pilzarten, die mit, auf und von der Eiche leben, erzählt von interessanten Begegnungen mit anderen Naturenthusiasten und Forschern und gibt viele Tips und Hinweise, wie man sich für Eichen und damit für die Natur als solche einsetzen kann. Nett geschrieben. 3,5/5.
- David Joy: Wo alle Lichter enden. Roman, Bibliothek. Der 18jährige Jacob ist in zerrütteten Verhältnissen aufgewachsen: sein Vater ist ein großer Fisch im internationalen Meth-Handel, seine Mutter eine Süchtige. Als er und zwei „Mitarbeiter“ seines Vaters einen Mord verpatzen, macht sein Vater ihn zum Komplizen beim Mord an den anderen beiden Männern. Jacob, der an sich einen starken moralischen inneren Kompaß hat, sieht sich außerstande, der Gewalt, die das Leben mit seinem Vater bedeutet, zu entgehen. Als er daher seine Chance wittert, verbündet er sich mit einem Polizisten, um sich an seinem Vater zu rächen und mit seiner großen Liebe Maggie und einem Batzen Geld abzuhauen. Doch dann betrügt der Polizist ihn… Gut geschrieben, aber mir schien es nicht so glaubwürdig, daß ein reflektierter Mensch wie Jacob tatsächlich daran glaubt, daß es sein „vorherbestimmtes Schicksal“ ist, am Ende draufzugehen. Ich hätte es besser gefunden, wenn er einfach mit Maggie abgehauen wäre. 3,5/5.
- Sy Montgomery: What The Chicken Knows. Sachbuch, Bibliothek. Montgomery hält seit vielen Jahren Hühnern und in ihrem Buch erzählt sie ein wenig von ihnen, ihrem Einfühlungsvermögen, ihrem Humor und der Art, wie sie ihr Leben zusammen mit ihren Menschen leben. Leider gibt es wenig Informationen über Hühner als solche – das hätte das Buch abgerundet. Hat mir dennoch gut gefallen. 4/5.
- Arturo Pérez-Reverte: Der Club Dumas. Roman, gebraucht und zerfleddert gekauft. Der auf antiquarische Ausgaben spezialisierte Buchhändler Lucas Corso wird von einem reichem Kollegen damit beauftragt, die Authentizität dessen Exemplars eines okkulten Buchs (Die Neun Pforten) festzustellen. Zeitgleich beauftragt ein befreundeter Buchhändler ihn damit, Recherchen über einige handschriftliche Seiten anzustellen, die mutmaßlich von Dumas stammen. Corso reist daraufhin zu den anderen Besitzern der Exemplare der Neun Pforten, trifft dabei auf ein mysteriöses Mädchen, wird von einem gruseligen Mann mit Schmiß verfolgt und gerät allmählich immer tiefer in den faszinierenden Sog, der von den beiden Werken ausgeht. Was für ein Lesespaß! Ich kannte bisher nur den Film und der wird dem Buch leider nicht gerecht. Hat mich gut unterhalten, war klug geschrieben und ist sicherlich für belesene, gebildete Leser interessanter als für andere (klingt arrogant, aber die richtige Lesefreude stellt sich vor allem dann ein, wenn man die ganzen Anspielungen und Verweise auf andere Werke versteht). 4,5/5.
- Griffith Institute (Hg.): Howard Carter und das Grab des Tutanchamun – Geschichte einer Entdeckung. Sachbuch/Bildband, Bibliothek. Anhand von 50 ausgewählten Objekten zeichnet das Buch die Entdeckung und Ausgrabung des Grabs von Tutanchamun nach. Leider legt das Buch mehr Wert auf die „Wiedergutmachung“ des Kolonialismus als auf die Beantwortung der Fragen, die die Fotos aufwerfen, daher nur 3,5/5.
- Wolfgang Behringer: Tambora und das Jahr ohne Sommer. Sachbuch, Bibliothek. Als 1816 in Indonesien der Tambora ausbrach, hatte das weltweite Folgen auf das Klima, die Bevölkerung, die Politik, die Kunst und im Grunde auch auf alle anderen Gebiete. So wurde die Gründung von Sparkassen und Versicherungen vorangetrieben, Flüsse wie der Rhein begradigt, Kanäle gebaut (welche wiederum langfristig bestimmte Regionen und Städte beförderten, wie z.B. New York und Chicago), eine umfassende Armenfürsorge geschaffen und vieles weitere mehr, als direkte Folgen der Tambora-Krise. Sehr interessantes Buch, aber echt drög geschrieben. 4/5.
- Douglas Preston: Extinction – Wenn das Böse erwacht. Thriller, Bibliothek. In einem Resort, das nur Superreichen offen steht, werden Tiere des Paläozäns durch DNA-Manipulation zum Leben erweckt. Als ein Ehepaar brutal ermordet wird, schalten sich auch das CBI und der örtliche Sheriff ein. Das Unternehmen, dem der Park gehört, zeigt sich kooperativ, doch was genau geht in den alten Minenschächten vor sich? Warum werden Menschen kannibalisiert, warum muß ein junges Wollmammut sterben? Ungefähr bis zur Hälfte ist das Buch wahnsinnig spannend, dann denkt man „oh nein, er wird doch nicht…?“ – aber Preston tut genau das, von dem man hofft, daß er es nicht tut. Er erweckt Neandertaler zum Leben und macht aus ihnen wütende Mordmaschinen. Uff. Das war mir zu platt, zu eindimensional, insbesondere weil er in seinem gut recherchierten Nachwort eigentlich selbst sagt: Neandertaler waren zu Empathie fähig. Was er ihnen im Roman abspricht. Daher irgendwie unbefriedigend und ein bißchen doof. 2,5/5.
- Hiroko Yoda: Eight Million Ways To Happiness. Sachbuch, Bibliothek. Yoda berichtet nahbar und sehr persönlich von japanischer Spiritualität, die eine interessante Mischung aus Shinto, Buddhismus, Shugendo und Ahnenkult ist, obwohl sich die meisten Japaner gar nicht als religiös oder spirituell betrachten. Hat mir ausgesprochen gut gefallen und ich habe viele neue Aspekte kennengelernt. Tolles Buch! 4,5/5.
- Matthew Reilly: Das Turnier. Historischer Krimi, gebraucht gekauft. Im Jahr 1546 reist die 13ährige Elizabeth Tudor mit ihrem Lehrer Roger Ascham und einer Delegation nach Konstantinopel, wo Sultan Suleiman ein Schachturnier ausrichtet. Kurz nach ihrer Ankunft wird ein Kardinal grausam verstümmelt und ermordet aufgefunden. Suleiman bittet Mr. Ascham, den Mörder zu ermitteln, und Elizabeth hilft ihm dabei tatkräftig. Dem Leser begegnen bei den Ermittlungen viele historische Figuren, u.a. Michelangelo, Iwan der Schreckliche u.a.m. Auch das Setting – der Topkapi-Palast und die innere Stadt von Konstantinopel – tragen zum Lesegenuß bei. Hat mir ausgesprochen gut gefallen, war sehr kurzweilig. 4,5/5.
Buchclubs – abschließende Gedanken
Nach meiner Enttäuschung mit meinem ersten Buchclub hatte ich beschlossen, dem zweiten Buchclub noch eine Chance zu geben. Wir hatten mittlerweile neun Bücher gemeinsam gelesen (meist seichten Kram), als ich mein Buch aussuchen durfte. Ich wählte „Der Club Dumas“ von Arturo Pérez-Reverte. Zum einen stand das Buch schon lange auf meiner Leseliste, zum anderen wählte ich es auch deswegen aus, weil es versprach, eine Menge Diskussionsstoff zu bieten.
In der zweiten Gruppe sind wir acht Leute. Drei sagten direkt, daß sie das Buch nicht mitlesen würden, also wären wir zu fünft gewesen. Eine Teilnehmerin gab zweimal Laut, daß sie angefangen hätte, das Buch zu lesen. Eine andere las ungefähr bis Kapitel 3, schwieg danach. Der Rest sagte gar nichts dazu und ich weiß nicht einmal, ob sie angefangen haben, das Buch zu lesen. Bei der vereinbarten Lesegeschwindigkeit hatte ich mich komplett rausgehalten und die anderen hatten angegeben, ihnen sei ein Kapitel pro Tag recht. Nach einer Woche bestand die Diskussion zu dem Buch eigentlich nur darin, daß ich meine Gedanken zu den jeweils gelesenen Kapiteln in der Gruppe postete und darauf meist keine Reaktion erhielt. Während ich Kapitel 8 las, fragte ich mich, wozu ich mir das eigentlich antue. Ich lese normalerweise schneller, hatte mich aber gebremst, um bei einer Diskussion alles frisch im Kopf zu haben, nur daß diese eben nicht stattfand. Das Ganze entpuppte sich also als völlig witzlos, so daß ich entschied, die Leserunde abzubrechen. Nun kann ich das Buch in meinem Tempo beenden und ich gehe davon aus, daß ich kein Gegenüber brauche, um es zu ergründen.
Für mich ist damit die Sache mit den Buchclubs endgültig gestorben, was ich schade finde. Ich glaube nach wie vor, daß es viel Freude machen kann, sich über gemeinsam gelesene Bücher auszutauschen, insbesondere dann, wenn man sich darüber einig ist, daß man tief eintauchen möchte, z.B. durch zusätzliche Recherche, weiterführende Literatur und Diskussionen. Ich hätte es auch schön gefunden, zum Abschluß noch die Verfilmung des Buchs zu gucken und zu besprechen, und wäre auch offen gewesen für andere Aktionen, vielleicht Kunstprojekte, das Ausprobieren bestimmter Speisen/Getränke, die in Verbindung zu einem Buch stehen, oder ähnliches. Ich denke, man könnte da sehr kreativ werden und aus so einem Buchclub eine coole gemeinsame Erfahrung machen.
Mir drängt sich aber der Eindruck auf, daß es mit Buchclubs ähnlich ist wie mit anderen Subscriptions auch: viele Leute brauchen einen „Vortänzer“, der Dinge an ihrer Stelle macht, damit sie sie nicht machen müssen, sich aber einreden können, sie würden quasi daran teilhaben. Das ist auch etwas, das ich in Kunstkursen oder sogar bei vielen YouTube-Kanälen sehe und halt einfach nicht mein Ding. Ich bin proaktiv, aber ein Buchclub erfordert das eigentlich nicht, insbesondere wenn dort vor allem Unterhaltungsromane mit wenig Tiefgang gelesen werden, bei denen es genügt, sich gegenseitig zu versichern, wie süß der Protagonist ist oder wie knuffig die weibliche Hauptfigur. Klar, nicht jeder ist auf Tiefgang aus, und es ist völlig legitim, sich von einem Buch einfach berieseln zu lassen. Traurig wird das Ganze jedoch, wenn man eigentlich bei der Gründung des Buchclubs abgemacht hat, daß man auch Klassiker oder das lesen wird, was als Literatur gilt.
Das stramme Schweigen in meiner Gruppe hat mich verletzt, insbesondere auch nach der Erfahrung in meiner ersten Buchgruppe. Für den Moment bin ich damit jetzt erstmal durch, könnte mir aber vorstellen, daß ein Buchclub mit den passenden Menschen bereichernd sein kann. Bis dahin ist meine Lesewunschliste zum Glück quasi unendlich lang. Ohne die Mitgliedschaft in einem Buchclub bleibt nun mehr Zeit und Energie für eigene Bücher – das bleibt unterm Strich als positiv stehen.
Gelesene Bücher im März 2026
- Harald Meller und Kai Michel: Griff nach den Sternen. Nebra, Stonehenge, Babylon: Reise ins Universum der Himmelsscheibe. Sachbuch, Bibliothek. Ungefähr 1800 v. Chr. wurde die Himmelsscheibe von Nebra gefertigt und mehrmals überarbeitet, bevor sie 200 Jahre später vergraben wurde. Erst 3600 Jahre später wurde sie wiedergefunden und wird seither erforscht. Die Autoren fassen den aktuellen Stand der Forschung zusammen und zeichnen dabei mögliche Beziehungen zwischen Stonehenge, Nebra, Ägypten und Babylon sowie weiteren Kulturen, die in der Bronzezeit florierten, nach. Unterhaltsam geschrieben, viele Abbildungen, ein rundum gelungenes Buch! 5/5.
- James Kestrel: Fünf Winter. Thriller, Bibliothek. Hawaii, 1941: ein junger Amerikaner und seine japanische Freundin werden bestialisch ermordet. Detective Joe McGrady ermittelt und seine einzige Spur führt ihn nach Hongkong, just in dem Moment, indem die Japaner die Insel einnehmen und Pearl Harbor angreifen. McGrady wird als mutmaßlicher amerikanischer Spion nach Tokyo deportiert, wo ihn der Onkel des ermordeten Mädchens rettet und in seinem Haus versteckt. Nach Kriegsende kehrt McGrady nach Hawaii zurück und nimmt den Fall wieder auf. Was für ein Hammerbuch! Ich mochte alle Figuren, sogar die Fiesen, ich habe den Schreibstil geliebt, den Plot, alles. Kestrel hat absolut alles richtig gemacht, auch das Ende. Das Buch ist brutal und wuchtig, zärtlich und poetisch, und es hat mich echt im Sturm erobert. Ich finde es so phantastisch, daß ich es mir nach der Lektüre noch gekauft habe, weil ich sicher bin, daß ich dieses Buch besitzen und wieder und wieder lesen will. 6/5 🙂
- Johan Rundberg: Mika Mysteries 1 – Der Ruf des Nachtraben. Stockholm, 1880: während eines besonders harten Winters leiden vor allem die Kinder im Waisenhaus unter Kälte und Hunger. Mika, die mit ihren zwölf Jahren so etwas wie die Rolle einer Hausmutter innehat und auch in der örtlichen Schenke aushilft, wird zufällig die Gehilfin des Polizisten Valdemar. Dieser macht Jagd auf einen Serienmörder, der sich „der Nachtrabe“ nennt. Ich fand, das Buch ist zu gruselig und detailliert für Kinder ab zehn, Handlung und vor allem die Figur Mika sind schon sehr unglaubwürdig. Ganz unterhaltsam ist die Geschichte dennoch, aber ich würde sie einem Kind wohl erst ab 13 oder 14 zum Lesen geben. 3/5.
- Douglas Preston und Lincoln Child: Labyrinth – Elixier des Todes. Agent Pendergast Teil 14. Thriller, gebraucht gekauft. Eines Abends wird Alban, Agent Pendergasts Sohn, tot auf dessen Türschwelle in New York abgelegt. Bei der Obduktion findet man einen Türkis im Magen des Toten, der Pendergast zu einer Mine in Kalifornien führt. Dort gerät er in einen Hinterhalt und muß nun nicht nur den Mord an Alban aufklären, sondern auch um sein eigenes Leben fürchten. Zum Glück stehen ihm D’Agosta, Margo Green und Constance zur Seite… Mir hat sehr gut gefallen, daß weite Teile des Thrillers mal wieder im Museum spielen und daß es auch ein Wiedersehen mit Alban und anderen Figuren der Pendergast-Familie gibt. Unterhaltsam, spannend, natürlich völlig abwegig und sehr gut lesbar 🙂 4/5.
- Jeffery Deaver: Die Rache des Uhrmachers. Thriller, gekauft. In New York City werden Anschläge auf große Baukräne verübt, Ron Pulaski wird vorgeworfen, er sei unter Fentanyl-Einfluß in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen und scheinbar ist auch der Präsident in Gefahr. Lincoln Rhyme, seine Frau Amelia Sachs und ihr Team ermitteln. Leider hat das Buch für mich überhaupt nicht funktioniert – denn wer weiß, wie die Rhyme-Thriller gestrickt sind, hat das Gefühl, das alles schon einmal gelesen zu haben. In Band 16 der Reihe wirkt alles etwas zäh und langweilig, ich zumindest habe mir sehnlichst mal einen anderen Plot gewünscht. Der Titel verrät nämlich schon, worum es geht, und das Ende ist absehbar und irgendwie auch krude (Spoiler! Der Uhrmacher hat plötzlich eine Freundin und die tritt prompt seine Nachfolge an…och nee!). Daher nur 2/5.
- James Kestrel: Bis in alle Endlichkeit. Thriller, Bibliothek. Privatdetektiv Lee Crowe findet auf seinem Heimweg zufällig eine junge Frau, die kurz zuvor vom Dach eines Hauses gesprungen sein muß, denn sie liegt auf einem Auto. Er macht ein Foto von ihr und verkauft es an die Zeitungen. Kurz darauf vermittelt ihm sein ehemaliger Chef Jim den Kontakt zur schwerreichen Olivia Gravesend, der Mutter der Toten. Sie glaubt nicht an einen Selbstmord ihrer Tochter Claire und bittet Lee, zu ermitteln, was hinter ihrem Tod steckt. Seine Ermittlungen führen Lee zu einem ominösen Club in Mendocino, in das Haus einer Hollywooddiva und schließlich an einen Ort, an dem Ungeheuerliches geschieht… Solider Thriller mit einem sympathischen Ermittler. 4/5.
- Jeannette Walls: Die andere Seite des Himmels. Roman, Bibliothek. Als ihre Mutter die beiden Schwestern Bean und Liz mal wieder wochenlang allein läßt, fahren diese kurzerhand nach Virginia zu ihrem Onkel Tinsley, der noch immer im alten Gutshaus der Familie lebt. In Byler trifft Bean auf die Familie ihres Vaters, die sie herzlich aufnimmt, doch sie und Liz müssen auch einen Job beim schmierigen Mr. Maddox annehmen… Das Buch hat mich positiv überrascht. Es ist zum einen richtig toll geschrieben, zum anderen kommen lauter liebenswerte Figuren darin vor. Eine berührende Geschichte über Heimat, Resilienz und darüber, wie man das Beste aus einer scheinbar ausweglosen Situation machen kann. 5/5.
- Liz Moore: Der andere Arthur. Roman, Onleihe. Arthur wiegt 250 kg und hat sein Haus in New York schon seit Jahren nicht mehr verlassen. Als er einen Brief von seiner ehemaligen Studentin Charlene bekommt, in dem sie ihm auch von ihrem Sohn Kel erzählt, sucht Arthur sich Hilfe, die in Form der schwangeren Yolanda kommt. Diese hat familiäre Probleme und Arthur nimmt sie vorübergehend bei sich auf. Parallel dazu erfährt man, daß Charlene sich umgebringt und wie ihr Sohn Kel in eine Depression verfällt. Er versucht, seinen Vater zu finden, doch es stellt sich heraus, daß beide möglichen Kandidaten es nicht sind. Ich mochte den dicken Arthur und hätte gern mehr von ihm gelesen. Kel nimmt für meinen Geschmack zuviel Raum ein, trifft blöde Entscheidungen und ist für mich allgemein keine Figur, zu der ich eine Verbindung aufbauen kann. Insgesamt leider nur mittelmäßig. 3/5.
- Martin Schuster und Hildegard Ameln-Haffke: Selbsterfahrung durch Malen und Gestalten – Die therapeutische Kraft der Kunst nutzen. Sachbuch, Bibliothek. Die Autoren geben jede Menge Tips und Anregungen dafür, wie man mit Kunst seelische Prozesse unterstützen kann. Ich habe viele interessante Ideen gefunden, die ich gern umsetzen möchte. 4/5.
- Amitav Ghosh: Rauch und Asche – Die geheime Geschichte des Opiums. Sachbuch, Bibliothek. Ghosh legt dar, aus welchen politischen und ökonomischen Gründen das britische Empire in Indien Opium anbaute und es nach China verschiffte – was zu den beiden Opiumkriegen führte. Er erklärt auch, welche amerikanischen Familien sich am Opiumgeschäft in geradezu obszöner Weise bereicherten und wie der „Fluch“ des Opiums letztlich auf den Westen zurückfiel. „Geheim“ ist an der Geschichte natürlich nix, obwohl klar ist, daß weder den Briten noch den Niederländern oder den Amerikanern daran gelegen ist, daß diese Dinge klar ausgesprochen werden. An sich gefiel mir das Buch sehr gut, aber da Ghosh es so darstellt, als seien alle Opiumkonsumenten aller Zeiten die armen, willenlosen und vertrauensseligen Opfer der pösen Opiumlieferanten, habe ich einen Stern Abzug gegeben, denn so eine schräge Weltsicht halte ich nicht über fast 400 Seiten hinweg aus, inbesondere dann nicht, wenn der Rest des Buchs angestrengt woke ist. 3,5-4/5.
- Henry Wise: Holy City. Roman, Bibliothek. Zehn Jahre hat Will in Richmond, der „Holy City“, gelebt, bevor er in seine Heimatstadt im ländlichen Virginia zurückkehrt, um dort als Deputy zu arbeiten. Als ein Mord geschieht, muß er den Vater seines besten Freundes, des drogenabhängigen Sam, den er bei sich zuhause versteckt hällt, festnehmen. Die Ermittlungen werden von einer Privatermittlerin unterstützt, die die Mutter des Mordopfers engagiert hat. Leider schreibt Wise sehr bemüht literarisch und vergreift sich dabei manchmal im Ton (was soll ein Gesicht sein, das aussieht wie ein scharf angebratenes Steak?). Zudem verrät er bereits vor der Mitte, wer der Täter ist, so daß sich die zweite Hälftes des Buchs bemüht depressiv um eine alte Schuld dreht, die Will Sam gegenüber empfindet. Dann kommen noch ein paar absurde Entwicklungen und ein noch absurder Schluß dazu und damit wäre dann ein vielversprechender Southern Noir so ziemlich versaut. Schade. 3/5.
- Amitav Ghosh: Der Fluch der Muskatnuß. Sachbuch, Bibliothek. Im Jahr 1621 verübten die Niederländer an den Einwohnern der Banda-Inseln (Indonesien) Genozid. Ihr Motiv: die Inseln mit Sklaven und Arbeitern neubesiedeln und sich dabei das Monopol auf den Handel mit der ortsansässigen Muskatnuß sichern. Ausgehend von diesem Ereignis setzt Ghosh zu einem Rundumschlag gegen „den Westen“ an, gegen Kapitalismus, Rassismus und deren „Narrative“ (ich kriege allmählich schon einen Würgereflex, wenn ich das Wort nur lese). Leider verpaßt er es, die eigentlichen Ursachen für das technokratisch-westliche Weltbild und den Kolonisationsdrang des Westens zu entlarven (das Christentum sehe ich persönlich als einen der Hauptfaktoren dafür, aber obwohl Ghosh immer mal wieder darauf hinweist, daß die Niederländer puritanisch/evangelikal waren, kriegt er die Kurve nicht). Außerdem gibt es ein paar echte Absurditäten, beispielsweise lobt er Vietnam dafür, wie toll das Land doch im Vergleich zum Beispiel zu Italien die Pandemie überstanden hat, „vergißt“ aber irgendwie, darauf hinzuweisen, daß Vietnam nunmal ein totalitärer Staat ist, der seine Einwohner ganz anders im Griff haben dürfte als Italien. Auch behauptet er, arme Länder wären viel besser im Umgang mit Naturkatastrophen als reiche = westliche Länder, schreibt dann aber ausführlich darüber, wie er und seine Schwester bei einem Wirbelsturm über Kolkata ihre schwerkranke Mutter versorgten, indem sie das Haus renovieren ließen, Vorräte anlegten und medizinisches Personal engagierten – alles Dinge, die sicherlich niemand leisten kann, der arm ist. Auch kann ich Ghosh so manche Empörung nicht abnehmen – er stammt aus Kolkata, studierte in Oxford und lebt in Brookly – was genau macht er eigentlich im bösen Westen, wenn er den so sehr ablehnt? Zuletzt kommt noch jede Menge Esoschwurbel hinzu und Ghosh spart auch nicht an Lob für Papst Franziskus, weil der ja so ein grüner Armenunterstützer war – na klar, darum stand er auch einer milliardenschweren Organisation vor, die weltweit riesiges Leid über die Menschheit bringt. Für mich war das Buch in weiten Teilen mit seinen Lücken und bewußten Auslassungen ein Ärgernis. 2/5.
- Ryder Carroll: Die Bullet Journal Methode. Verstehe Deine Vergangenheit, ordne Deine Gegenwart, gestalte Deine Zukunft. Sachbuch, Bibliothek. Da ich seit jeher Tagebuch schreibe und inzwischen viele Leute kenne, die ein Bullet Journal führen, dachte ich, ich gucke mal rein, aber das Buch hat mich überhaupt nicht erreicht. Warum? Weil Carroll so schreibt, als wäre er der erste Mensch auf Erden, der die famose Idee hatte, seine Gedanken schreibend zu sortieren, to-do-Listen anzufertigen etc. Dazu gibt es auch noch eine gehörige Portion Selbstoptimierungsphrasendresching und irgendwie hat mich das überhaupt nicht angemacht. Glaube aber, daß es für andere durchaus hilfreich sein kann. 2,5/5.
Gelesene Bücher im Februar 2026
- Chloe Dalton: Hase und ich – die Geschichte einer außergewöhnlichen Begegnung. Nature Writing, Bibliothek. Dalton lebt in einem Cottage in England. Während der Pandamie arbeitet sie von zuhause aus. Auf einem ihrer Spaziergänge findet sie einen jungen Feldhasen und nimmt ihn mit ins Haus. Sie schreibt von drei Jahren mit dem Hasen und seinen Nachkommen, über ihre Naturbeobachtungen, ihre Gedanken über Landwirtschaft und die Fülle der Natur. Ich weiß nicht, wieso, aber mich hat das Buch überhaupt nicht gepackt, weil alles so vorhersehbar war. 2/5.
- Hanns-Josef Ortheil: Schwebebahnen. Roman, Bibliothek. Ende der 50er Jahre zieht Josef mit seinen Eltern von Köln nach Wuppertal, weil der autistische Junge noch einmal von vorn in der Schule anfangen soll. Mit seiner besten Freundin Mücke erlebt er Dinge, die wahrscheinlich für eine Kindheit in den 50ern recht normal waren, jedenfalls kenne ich sie so ähnlich aus den Erzählungen meiner Eltern. Daß Josef der Musik so zugetan ist, hat die Lektüre für mich etwas zäh gemacht, auch das Christentum mit seinen ganzen Auswüchsen war irgendwie befremdlich. Alles in allem ein langsames Buch, das man nicht gelesen haben muß. War für mich das erste und letzte von Ortheil. 2/5.
- Ivar Leon Menger: Finster. Thriller, Onleihe. In einem kleinen Ort im Odenwald verschwindet 1986 ein Junge von der Kirmes – und er ist nicht der erste. Kommissar a.D. Stahl nimmt die Ermittlungen auf eigene Faust wieder auf, während der Leser ausführliche Einblicke in die Bosheit und Verkommenheit bekommt, die hinter den Häkelgardinen lauern. Mir wurde gesagt, ungefähr in der Mitte des Buchs hätte ich einen „krassen Plottwist“ zu erwarten, aber wieder einmal hatte ich so ab S. 50 richtig geraten und war daher nicht überrascht. Insgesamt war das kein Buch, das ich gern gelesen habe, weil alle Figuren irgendwie unangenehm waren, sogar die positiven Hauptfiguren mochte ich überhaupt nicht. 2/5.
- Simon Winchester: Krakatau. Sachbuch, Bibliothek. Im August 1883 brach der Vulkan Krakatau aus und das Geräusch, das er dabei verursachte, gilt bis heute als das lauteste natürliche Geräusch aller Zeiten. Durch Ascheregen, herabregnende Gesteinsbrocken und Tsunamis tötete er rund 36.000 Menschen. Die Aschepartikel, die in bis zu 38 km Höhe geschleudert wurden, beeinflußten auf Jahre das Klima, die Landwirtschaft – und die Kunst. Zu den Folgen des Ausbruchs des Krakatau zählt auch die Hinwendung der Einwohner des heutigen Indonesiens zum Islam. Wie bisher jedes Buch, das ich von Winchester gelesen habe, überzeugt auch dieses Werk mit seinem Detailreichtum und seiner hervorragenden Lesbarkeit. 4/5.
- Roisin Maguire: Mitternachtsschwimmer. Roman, aus der Bibliothek. Im Buchclub gelesen. Nach dem Tod seiner Tochter und dem Scheitern seiner Ehe braucht Evan eine Auszeit. Für eine Woche will er an der Irischen See in einem Cottage leben, doch dann beginnt der Lockdown und er kann nicht mehr weg. Seine Frau bringt ihm etwas später auch noch ihren Sohn, den gehörlosen Luca vorbei, mit dem Evan ein sehr gespanntes Verhältnis hat. Mit Hilfe von Grace, seiner schrulligen Vermieterin, und anderen Leuten aus dem Dorf, schafft es Evan allmählich, sich wieder zu fangen. Hat mir überraschend gut gefallen, auch wenn es einige Punkte gab, an denen ich mich gerieben habe. 4/5.
- Jeffrey Archer: Die Stunde der Fälscher. Roman, etwa 1994 neu gekauft. Saddam Hussein läßt die amerikanische Unabhängigkeitserklärung stehlen und plant, diese ausgerechnet am 4. Juli vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu verbrennen. Das setzt diverse Geheimdienste in Gang, deren Mission es ist, das Dokument zu retten. Ich erinnere mich daran, daß mich das Buch als Teenie deutlich mehr beeindruckt hat als heute 🙂 Beim jetzigen Lesen kam mir das Buch ca. 100-150 Seiten zu lang vor und leider sehr vorhersehbar, aber als Teenie hatte ich eben auch noch nicht so viele Bücher gelesen wie heute. 3/5.
- Alex Rogers: Das große, tiefe Blau. Sachbuch, Bibliothek. Der englische Meeresbiologe Rogers erforscht seit den 1990ern die Weltmeere und richtet sein Augenmerk dabei vor allem auf die Tiefsee. Gerade an den Hydrothermalquellen hat sich im Laufe der Jahrmillionen eine empfindliche Flora und Fauna angesiedelt, die durch das Vorhaben, seltene Metalle in diesen Bereichen zu fördern, bedroht wird. Rogers schildert unterhaltsam und informativ, welche Entdeckungen er im Laufe seiner Karriere gemacht hat und wie er sich auf politischer Ebene für die Meere einsetzt. Am Ende des Buchs faßt er zusammen, was jeder von uns zum Schutz der Ozeane beitragen kann. Tolles Buch! 4,5/5.
Buchclubs – ein erstes Resümee
Seit letztem Jahr bin ich Mitglied in zwei privat organisierten und daher kostenfreien Buchclubs. Die Idee bei beiden ist, daß alle aus der Gruppe (in alphabetischer Reihenfolge) nacheinander ein Buch aussuchen, das gemeinsam gelesen und diskutiert wird. Diese Idee gefiel und gefällt mir sehr und gab den Ausschlag dafür, daß ich beigetreten bin. Jetzt, nach ungefähr einem halben Jahr und einigen gemeinsamen Leserunden, will ich ein erstes Resümee ziehen.
Vor Beginn der ersten gemeinsamen Leserunden dachte ich, daß das Hauptproblem auf Dauer wahrscheinlich darin bestehen dürfte, daß nach und nach niemand mehr mitliest, die Diskussionen daher nicht stattfinden und sich die Clubs dann auflösen. Bei meiner einen Buchgruppe lief es tatsächlich so ab. In der ersten Leserunde haben 100% der Teilnehmer aktiv mitdiskutiert, in der zweiten waren es nur noch 75%. In der dritten Leserunde wurde es dann ganz schräg, denn obwohl immerhin 75% der Teilnehmer mit dem Buch anfingen, haben nur 25% das Buch tatsächlich auch beendet. Was sich hier in Prozentzahlen gar nicht so übel liest, war in der Realität allerdings sehr frustrierend, denn diese Gruppe bestand aus nur vier Teilnehmern. Anders gesagt: ich habe zwar die beiden Bücher gelesen und aktiv diskutiert, die zwei Personen vor mir ausgesucht haben, aber das Buch, das ich ausgesucht habe, wurde von nur drei Leuten (incl. mir selbst) begonnen und dann ausschließlich von mir selbst beendet – und natürlich nicht diskutiert. Damit war für mich klar, daß diese Gruppe für mich nicht tragfähig ist und seither herrscht dort auch Schweigen im Walde. Ich fand dieses Verhalten schon echt asozial, im Wortsinn.
Mein zweiter Buchclub ist aktiver, wirft aber ganz andere Probleme auf. Für mich war beim Beitritt klar, daß ich in dieser Gruppe Bücher lesen würde, die ich mir niemals selbst für mich ausgesucht hätte, da ich die anderen Teilnehmer schon im Vorfeld kannte und wußte, daß wir ganz unterschiedliche Dinge mögen. Für mich war aber auch klar, daß die Mitgliedschaft in einem Buchclub beinhaltet, daß man sich aus seiner Komfortzone hinausbewegt und sich auf Bücher einläßt, die einem ggf. nicht gefallen könnten. So habe ich im letzten Herbst einen superschnulzigen Liebesroman gelesen und auch diskutiert, von dem ich im Normalfall nicht einmal den Klappentext gelesen hätte. Man könnte natürlich argumentieren, daß das verschwendete Lesezeit/Lebenszeit ist, aber ich denke, sich auf etwas Neues einzulassen und der Austausch im Buchclub sind dann eben die Benefits, die man dafür kriegt. Nach dem Liebesroman wurden aber weiterhin Bücher ausgesucht, die ich für mich gar nicht in Betracht gezogen hätte, meist Liebes-, Frauen- oder Romantasybücher. Ich habe dann teilweise pausiert, weil ich so viel geballten Schnulz dann einfach doch nicht ertrage. Was ja auch okay ist.
Kürzlich haben wir dann ein Buch gelesen, in dem geschildert wird, daß eine Figur etwas sehr Unmoralisches tut (Mordversuch an der kleinen Schwester). Das war das erste Mal, daß wir in diesem Buchclub an eine Stelle gekommen sind, wo sich meiner Ansicht nach eine echte Diskussion hätte entwickeln können. Denn sorry, darüber, als wie süüüüüß ein Typ in einem Romantasyroman geschildert wird, kann sich keine fruchtbare Diskussion entwickeln. Ich war richtig Feuer und Flamme und habe meine Ansicht dargelegt und meine Beurteilung dieser Figur auch dezidiert begründet. Die Reaktion war für mich fürchterlich enttäuschend. Die meisten schwiegen dazu oder vertagten ihre Reaktion auf später, wohl um zu schauen, was die anderen in der Gruppe schreiben würden. Manche schrieben auch klar, daß ihnen das zu heftig sei und daß sie in einem Buch immer ein Happy End brauchen.
Jetzt überlege ich, inwiefern es für mich sinnvoll ist, in dieser Gruppe weiterzulesen. Ich muß davon ausgehen, daß auch in Zukunft vermehrt Schnulzen mit Happy End ausgewählt werden und daß weiterhin keine tiefschürfende Diskussionen geführt werden werden. Wäre es da nicht sinnvoller, meine Lesezeit auf selbst ausgewählte Bücher meiner ewigen Leselisten zu verwenden? Andererseits brenne ich nach wie vor für die Idee eines Buchclubs. Nur scheint sich die Idee ja nicht zu verwirklichen.
Schwierig.
Mein Fazit nach rund sechs Monaten in zwei Buchclubs? Könnte cool sein, kommt aber auf die Zusammensetzung und die Bereitschaft der Gruppe an, sich einzulassen und in die Tiefe zu gehen. Ich persönlich brauche keine Gruppe, um mich zum Lesen zu motivieren, und bin eher enttäuscht, wenn sich Gruppenaktivitäten darauf beschränken, mitzuteilen, auf welcher Seite man gerade ist.
Gelesene Bücher im Januar 2026
- Emma Heming Willis: Eine ganz besondere Reise. Sachbuch, Bibliothek. Die Frau von Bruce Willis schreibt in diesem sehr persönlichen Buch über die Demenzerkrankung ihres Mannes, vor allem aber darüber, wie man sich Pflege so organisieren kann, daß man als Pflegender nicht daran zerbricht. Hat mir gut gefallen. 4/5.
- Michael Robotham: Bis Du stirbst. O’Loughlin-Ruiz-Reihe, Teil 7. Thriller, Onleihe. Sami hat gerade drei Jahre für einen spektakulären Raub abgesessen, den er gar nicht begangen hat. Kaum, daß er auf freiem Fuß ist, wollen zwei hochrangige Gansterbosse, daß er einen Safe für sie knackt, was er jedoch gar nicht kann. Die Entwicklungen, die dadurch angestoßen werden, führen dazu, daß Sami später am Tag als Bombenleger und Geiselnehmer gesucht wird… In diesem Buch kam viel zu wenig Ruiz und gar kein O’Loughlin vor, war für mich daher eher etwas schwach. 3/5.
- Per Petterson: Pferde stehlen. Roman, gebraucht gekauft und in einem Buchclub gelesen. Mit 67 Jahren zieht Trond in Ostnorwegen in eine einsam gelegene Hütte, nachdem er seine Frau verloren hat. Dort trifft er auf einen Mann, den er aus seiner Jugend kennt und mit dessen Familie ihn tragische Umstände verbinden. Er erinnert sich an die Zeit damals und hackt eine Menge Holz. Ein extrem ruhiges Buch, dessen Sinn sich mir nicht erschließt. 1/5.
- Douglas Preston & Lincoln Child: Attack – unsichtbarer Feind. Agent Pendergast 13. Thriller, gebraucht gekauft. Ich habe jetzt ungefähr ein Jahr eine Pendergast-Pause gebraucht, nachdem ich den Nazi-Schwachsinn von Band 12 so unerträglich fand. Jetzt konnte ich wieder mit frischem Elan in die Serie zurückkehren und wurde nicht enttäuscht. Corrie Swanson, die inzwischen am John Jay studiert, will eine Semesterarbeit über elf in den 1850ern in Roaring Fork ermordete Bergarbeiter schreiben. Angeblich wurden diese von einem Grizzly zerfleischt, doch ihre Nachforschungen ergeben bald, daß sie vielmehr von einer Gruppe von Kannibalen getötet wurden. Während Corrie in Roaring Fork ist, finden mehrere Brandstiftungen statt und sie wird bedroht. In was für ein Wespennest hat sie da bloß gestochen? Solider Thriller mit einem tollen Pendergast. 4/5.
- David Guterson: Schnee, der auf Zedern fällt. Roman, gebraucht gekauft, sollte eigentlich in einem Buchclub gelesen werden, aber letztlich habe ich ihn allein gelesen. Stand seit den 90ern auf meiner ellenlangen Buchliste 🙂 1954 wird Kabuo Miyamoto, ein japanischstämmiger Amerikaner, der als Lachsfischer auf der Insel San Piedro im Pudget Sound arbeitet, angeklagt, den Fischer Carl Heine ermordet zu haben. Heine und er wollten dasselbe Land kaufen, um darauf eine Erdbeerfarm zu betreiben, und waren verbunden (oder getrennt) durch ihre Freundschaft in Kindertagen und ihre Kriegserfahrungen nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Ishmael, der als Jugendlicher eine Beziehung zu Kabuos Frau Hatsue hatte und diese immer noch liebt, beobachtet den Prozeß und muß sich fragen, ob er etwas, das er weiß, preisgeben soll oder nicht. Ein sehr stiller Roman, der auf mich aber einen gewissen Sog ausgeübt hat. Eigentlich das perfekte Buch für graue Januartage. 4/5.
- Guido Barbujani: Wer wir waren – Die Geschichte der Menschheit in 15 Portraits. Sachbuch, Bibliothek. Barbujani berichtet über die Geschichte der Menschheit, indem er sich 15 Individuen herauspickt und von ihnen erzählt, aber auch die Zusammenhänge zwischen ihnen herausarbeitet. So stellt die in Ostafrika gefundene Lucy (Alter: 3,3, Mio. Jahre) die erste „Person“ in dem Buch dar und Charles Darwin (Alter: 217 Jahre) die letzte. Wie genau sind die frühen Menschen gewandert, als sie aus Afrika fortgingen? Warum hat als einzige Homo-Art der Homo sapiens überlebt? Warum tragen wir einen Anteil Neandertaler- und Denisova-Gene in uns? All das und noch viel mehr erklärt Barbujani. Kurzweilig zu lesen, sehr informativ. 4/5.
- Michael Connelly: Der Inselcop von L.A. – Detective Stilwells erster Fall. Roman, Bibliothek. Als erstes muß man sich fragen, wer sich den dämlichen Titel und das blöde Cover ausgedacht hat, denn im Original heißt das Buch „Nightshade“, was auch viel passender ist, und anders, als das Cover suggeriert, handelt es sich nicht um einen Cozy Crime Roman, sondern um einen typischen Connelly-Krimi. Detective Stilwell wurde nach Querelen mit einem Kollegen in L.A. auf die Insel Catalina versetzt. Dort wird nun eine junge Frau tot im Hafenbecken aufgefunden. Seine Ermittlungen führen ihn in einen exklusiven Yachtclub. Wie übliche bei Connelly sind aber auch noch andere Fälle mit dem Mord verwoben. Mich konnte Stilwell nicht recht überzeugen, und zwar deswegen, weil er Harry Bosch so ähnlich ist und auch wie er agiert (entgegen seiner Weisungen, gegen die Kollegen, aber immer als der gerechte Held) und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Das funktioniert schon für die Harry-Bosch-Fangemeinde, aber ich hätte mir da etwas mehr Pfiff und mehr Mut zu was Neuem gewünscht. 3/5.
Lesestatistik 2025
Ende 2024, einem Jahr, in dem ich mehr Bücher als je zuvor gelesen habe, hatte ich das Gefühl, ich müßte für 2025 die Lesemenge reduzieren, dafür aber die Qualität meiner ausgewählten Bücher wieder erhöhen. Natürlich lesen sich die meisten Romane schneller als Sachbücher, daher war klar, daß ich nicht wieder über 300 Bücher lesen würde. Tatsächlich waren es 2025 genau 100 Bücher bzw. 36.533 Seiten. Wieder waren meine Hauptquellen für Bücher die Bibliotheken in meiner Region und die Onleihe. Insgesamt habe ich dadurch 1666,33 € gespart 🙂
2025 habe ich nur zwei Bücher mit 5 Sternen bewertet:
- Trent Dalton: Der Junge, der das Universum verschlag (Jahreshighlight!)
- Dan Simmons: Terror
Trotzdem waren einige 4,5-Sterne-Bücher dabei und ich konnte auch ein paar Reihen, die ich seit vielen Jahren verfolge, weiterlesen (konkret: die Kate-Burkholder-Reihe, die Lincoln-Rhyme-Reihe, die O’Loughlin-Ruiz-Reihe und die Pendergast-Reihe).
Im Herbst bin ich zwei Buchclubs beigetreten, was dazu führt, daß ich mehr Bücher lese, die ich mir für mich selbst nie im Leben ausgesucht hätte. Obwohl ich das jetzt schon einige Monate mache, stehe ich dem immer noch zwiegespalten gegenüber, denn einerseits können Diskussionen über gemeinsam gelesene Bücher durchaus anregend und bereichernd sein, andererseits finde ich es aber auch manchmal lästig, Lesezeit für solche Bücher zu vergeuden. Was mich besonders nervt, ist, daß ich in einem Buchclub zwar alle Bücher, die die anderen vorgschlagen haben, komplett gelesen und diskutiert habe, selbst wenn sie mich genervt haben, daß mir diese Freundlichkeit mit dem einen Buch, das ich ausgesucht wurde, aber nicht zuteil wurde. Da bin ich gerade ein bißchen angepisst und weiß noch nicht, wie es da für mich weitergeht.
Insgesamt habe ich in diesem Jahr mal wieder festgestellt, daß ich Bücher nach sehr viel strengeren Kriterien beurteile als die meisten anderen. Bei mir würden ein Liebesroman, ein Tierarztkrimi oder ein typisches Frauenbuch nie im Leben 5 Sterne bekommen, weil mir die Themen dazu zu oberflächlich sind. Dazu kommt, daß ich viele Plots zu simpel gestrickt, viele Figuren zu durchschaubar und Sprache oftmals eindimensional finde. So kommt es auch, daß ich Bücher meiner Lieblingsreihen und -autoren auch oft immer nur durchschnittlich oder knapp besser bewerte. Es macht mir dann trotzdem Spaß, diese Bücher zu lesen, aber sie reißen mich auch nicht vom Hocker. Fünf Sterne gebe ich nur besonderen Büchern, und das will ich auch in Zukunft so beibehalten.
Mein Wunsch für das Lesejahr 2026 ist, mehr Bücher von meinen ellenlangen Listen und auch vom SUB zu lesen. Ich möchte meine Reihen weiterlesen, den Anteil von Sachbüchern ähnlich hoch halten und möglichst wenig Geld für Bücher ausgeben. Naja, und das mit den Buchclubs muß ich mir nochmal überlegen.