Gelesene Bücher im Oktober 2021

  • Richard Panek: Das Auge Gottes – Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit. Sachbuch, gebraucht gekauft. Panek skizziert in seinem Buch die Erfindung des Teleskops und schildert den Weg, den Wissenschaftler und Laien von der Entdeckung einzelner Planeten zur Entdeckung von Milliarden von Galaxien zurückgelegt haben. Sehr informativ, aber ein bißchen drög 🙂 4/5.
  • Anna Ruhe: Die Duftapotheke 1 – Ein Geheimnis liegt in der Luft. Jugendbuch, aus der Bibliothek. Luzie, ihr Bruder Benno und ihre Eltern ziehen in ein altes Haus, die „Villa Evie“. Direkt nach dem Einzug merken die Kinder, daß es überall im Haus stark nach Parfum riecht, und nachdem sie einen Schlüssel in einem Geheimfach gefunden haben, finden sie auch den Zugang zur Duftapotheke. Hier stehen magische Parfums in deckenhohen Regalen aufgereiht und manche können offenbar schlechtes Wetter machen. Und die anderen? Doch bevor die Kinder das herausfinden können, erinnern sich ihre Eltern plötzlich nicht mehr an sie und überhaupt verhalten sich alle auf einmal ganz merkwürdig. Steckt Willem, der griesgrämige Gärtner dahinter? Oder die Baronin mit den seltsam leeren Augen? Ich fand, das Buch erfüllte alle Wünsche, die ich als Kind an einen Roman gehabt hätte, und vor 30 Jahren hätte er von mir 5 Sternchen bekommen. Heute gebe ich ihm allerdings nur 3/5.
  • Durian Sukegawa: Die Katzen von Shinjuku. Roman, aus der Bibliothek Der Protagonist der Geschichte, Yama-chan, schlägt sich als Autor für Quizsendungen des japanischen Fernsehens durch, obwohl er lieber ein Filmdrehbuch schreiben würde. Sein Chef drangsaliert und mißachtet ihn, so daß er eines Tages in einer kleinen Bar in Shinjuku landet. Dort spielt man „Miau-jongg“, ein Wettspiel, bei dem man erraten muß, welche Katze als erstes im Fenster auftaucht. Am Kühlschrank hängt ein handgemalter „Katzenplan“, der Yama-chan in seinen Bann zieht. Yume-chan, die Köchin, die ein ganz besonderes Band mit den Katzen verbindet, interessiert ihn allerdings noch mehr. Dann jedoch kommt es in der kleinen Bar zu einer Gewalttat und Yume-chan wendet sich von Yama-chan ab, obwohl sie doch vereinbart hatten, gemeinsam einen Gedichtband über die Katzen von Shinjuku zu schreiben… Ein leiser, poetischer Roman, der mir ausgesprochen gut gefallen hat – vielleicht auch, weil Sukegawa es schafft, dem Leser das Gefühl zu geben, die Welt sei doch überschaubar. 4,5/5.
  • David G. Haskell: Das verborgene Leben des Waldes. Sachbuch, aus der Bibliothek. Haskell, seines Zeichens Professor für Biologie, beobachtete ein Jahr lang einen Quadratmeter Wald in Tennessee, und berichtet über alles, was er in dieser Zeit beobachtet: Moose und Farne, Bäume und Blumen, Salamander, Würmer und Insekten, Säugetiere und Vögel. Das Buch ist gleichzeitig wissenschaftlich als auch kontemplativ – hat mich sehr gut unterhalten. 4,5/5.
  • Ben Hubbard: Gift – Die Geschichte der Giftmörder und Gifte von Arsen bis Zyankali. Sachbuch, aus der Bibliothek. Mit 175 Seiten ist das Buch ziemlich übersichtlich und Tiefgang darf man da wahrscheinlich nicht erwarten. Es ist ein populärwissenschaftliches Werk, das einen schnellen Abriß über die bekanntesten bzw. spektakulärsten Gifte und Giftmörder gibt, und dann ist das Buch auch schon gelesen. Die großen, oft ganzseitigen Illustrationen verkürzen das Leseerlebnis zudem. Ich hätte mir irgendwie mehr gewünscht, z.B. ausführliche Erklärungen zur Biochemie und Wirkweise der porträtierten Gifte und insbesondere Ausführungen zu „exotischeren“ Giften wie Pfeilgiftfroschhautsekret, Spinnengift etc. So wirkte das Buch auf mich unfertig und unrund. 3,5/5.
  • Alexis Henderson: Das Jahr der Hexen. Roman, aus der Bibliothek. In Bethel gilt das Wort der Propheten, einer langen Reihe von Männern, die die gesamte Stadt in eisernem Griff halten. Frauen gelten nicht viel, allenfalls als Ehefrauen und Mütter. Immanuelle, die uneheliche Tochter einer Frau aus Bethel und einem Mann aus den „Vororten“, wird von ihrer puritanischen Familie aufgezogen und spürt doch immer wieder den Ruf der verbotenen Wälder in sich, wo Hexen und andere Spukgestalten umgehen. Eines Tages betritt sie den Wald und erhält von einer der Hexen das Tagebuch ihrer Mutter. Bei einem weiteren Besuch im Wald hat sie ihre erste Regelblutung und löst damit vier Plagen aus, die Bethel vernichten werden, wenn Immanuelle keinen Weg findet, sie aufzuhalten. Ich fand, das Buch war interessant geschrieben und doch völlig verschwurbelt (warum sollten die Hexen ihr ein Tagebuch geben, wenn sie dabei riskieren, selbst ausgelöscht zu werden?). Ich habe erwartet, daß das Ende irgendwie interessant wird, aber es gab keinen Aha-Effekt. Daß man nicht einmal weiß, in welcher Welt und zu welcher Zeit man sich befindet, war für mich unangenehm. Alles in allem nur 3/5.
  • Philippe Claudel: Die grauen Seelen. Roman, aus der Bibliothek. 1917, der erste Weltkrieg wütet 20 Kilometer von V. entfernt, wo der Roman spielt, wird Belle, die zehnjährige Tochter des Wirts, erdrosselt und in einem Kanal treibend aufgefunden. Die Untersuchungen werden bald vom sadistischen Richter Mieck und dessen Spießgesellen, einem Oberst, beendet und für die Tat wird ein Deserteur hingerichtet. Der Polizist jedoch, aus dessen Perspektive der Roman abgefaßt ist, ermittelt weiter und erzählt dabei von den „grauen Seelen“ in V.: dem einsamen Staatsanwalt, der schönen und traurigen Lehrerin, von den Verwundeten, den Verrückten und auch von seiner eigenen verstorbenen Ehefrau. Die Auflösung dieses Kriminalfalls ist wenig überraschend, aber in ihrer Melancholie sehr anrührend. Das Buch hat mir gut gefallen. 4,5/5.

Und abgebrochen habe ich:

  • Constanze Köpp: Aufgeräumt leben. Sachbuch (?), aus der Bibliothek. Die Autorin hat einen ganz schrecklichen Stil mit sehr vielen Ausrufezeichen. Das Buch liest sich wie ein Telefonat mit meiner tüddeligen Tante Irma (die es nicht gibt) – sorry, aber jemand, der über das Aufräumen schreibt, sollte auch ein bißchen Ordnung in seinen Gedanken halten können. Auf S. 100 abgebrochen. 0,5/5.