Thrifty Thursday #91

Neulich habe ich ein leckeres neues Rezept auf einer Website gefunden: Kohlstrudel. Im Grunde macht man dafür Schmorkohl mit Möhre und Zwiebel, gibt das Ganze auf einen Blätterteig, gießt eine Eiermilch dazu und streut Feta darauf, bevor es gebacken wird. Nun ist es so, daß eine Lage Blätterteig uns vier nicht satt macht, nicht einmal mit noch einem Salat dazu. Also machen wir statt des Strudels eine Pie mit zwei Lagen Blätterteig, zwischen denen die Füllung gebacken wird. Da die Pie per se einen besseren Zusammenhalt hat als der Strudel, habe ich mir überlegt, daß die Eiermilch (= 2 Eier plus ca. 100 ml Sojamilch) vielleicht gar nicht nötig ist. Mein Mann hat es also ohne die Eiermilch als Bindemittel gemacht und es war absolut perfekt und lecker. Der Mitbewohner fand das witzig, also, daß ich die zwei Eier und 100 ml Sojamilch gespart habe. Das sind ja nur ungefähr 0,90 €, und geteilt durch vier Leute ist es eigentlich nicht viel. Stimmt natürlich. Allerdings summiert es sich auf, wenn man immer so kocht, wenn man immer danach schaut, wo man hier und da ein wenig was einsparen kann.

Für Nikolaus habe ich das ähnlich gemacht. In früheren Jahren waren auch mal kleine Geschenke im Strumpf. Halt nichts Wildes, aber z.B. ein Rätselblock für 4,95 € oder eine schöne Seife für 3 €. Dieses Jahr hat jeder eine Tüte Mandeln bekommen (gebrannte Mandeln oder Vanillemandeln, je nach Vorliebe) und dazu ein bißchen Marzipan (sprich: eine halbe Packung Marzipanstückchen in Schokolade = 100 g) und fertig. Im Grunde ist hier auch nicht die Welt gespart worden, aber zusammen mit der Eiermilch sind das vielleicht dann schon 10 oder gar 15 € (mit mehr Süßkram bzw. mit Geschenken gerechnet).

Für mich selbst ist es immer wieder so krass, wenn ich sehe, wieviel Geld wir nicht mehr ausgeben, daß ich mir das mit solchen Rechenbeispielen immer wieder vor Augen führen muß. Ich habe ja einen familiären Background, wo es immer nur Schulden gab bzw. wo die Existenz von Schulden mit noch mehr Konsum überdeckt wurde, bis die Katastrophe reinbrach. Und ich habe in meinem ganzen Erwachsenenleben erst jetzt, Mitte 40 (!!), einen Punkt erreicht, wo ich volle Kontrolle über meine Finanzen habe. Kommt mir irgendwie immer noch total verrückt vor – sowohl daß ich die Kontrolle habe als auch daß ich sie erst so spät erlangt habe…

Was noch sehr schön war diese Woche: ich habe im Bekanntenkreis mal gefragt, ob mir jemand einen Spanischlehrer empfehlen kann. Da bekam ich die Rückmeldung von einer Frau, deren Muttersprache Spanisch ist und die einfach so, just for fun, mit mir Spanisch reden möchte, kostenlos. Wir hatten bereits unser erstes Gespräch und haben dabei verabredet, daß wir gemeinsam ein Buch lesen wollen. Mir fiel ein, daß ich seit ein paar Jahren „La sombra del viento“ im Regal stehen habe, und ich schlug vor, daß wir doch das gemeinsam lesen könnten. Sie sagte, das sei ein super Buch und sie habe es bereits mehrfach gelesen. Perfekt! Da mußte also keiner von uns Geld dafür ausgeben. Das hat jetzt bewirkt, daß ich Ressourcen frei habe, um mir ein paar Norwegischstunden zu buchen, denn ich merke einfach, daß mir der Kurs nix bringt. Der ist auch bald zuende, also kann ich dann das NOR-Geld für Lehrerstunden verwenden.

Manchmal hilft es also, auch kleinste Beträge zu sparen, damit an anderer Stelle Geld übrig ist. Wenn einem dabei nichts fehlt und man nicht das Gefühl von Mangel bei sich selbst auslöst, natürlich.

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